Todestag Marilyn Monroe

05. August 2012 15:23; Akt: 13.08.2012 10:13 Print

Die Kennedys, die Mafia - oder doch sie selbst?

von Peter Blunschi - Inbegriff des Sexsymbols, Ikone Hollywoods: 50 Jahre nach ihrem frühen Tod lebt Marilyn Monroe als Mythos weiter - auch wegen den mysteriösen Umständen ihres Ablebens.

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Am Morgen des 5. August 1962 wurde die 36-jährige Marilyn Monroe tot im Schlafzimmer ihres Anwesens in Brentwood bei Los Angeles aufgefunden. Sie lag nackt auf ihrem Bett, mit dem Gesicht nach unten. Die Gerichtsmedizin gelangte zu dem Schluss, dass Monroe an einer Überdosis Schlaftabletten starb - «wahrscheinlich Suizid», befand der leitende Beamte. Doch ihr Ableben bleibt rätselhaft - wie so vieles in ihrem kurzen, wilden Leben.

50 Jahre nach ihrem Tod ist «MM» längst unsterblich geworden. Ihre Faszination bleibt ungebrochen. Marilyn Monroe war keine grosse Schauspielerin, aber sie ist der wohl grösste weibliche Star der Filmgeschichte. Ihre Ausstrahlung, gleichzeitig voller Sinnlichkeit und Verletzlichkeit, war und ist einzigartig. Zum Todestag sind mehrere Bücher erschienen, im Herbst folgt in den USA ein Dokumentarfilm mit dem Titel «Love, Marilyn».

Vater unbekannt

Die spätere Filmikone wurde am 1. Juni 1926 in Los Angeles geboren. Und damit beginnt auch schon das Mysterium: Ihre Mutter Gladys liess sie in der Geburtsurkunde als Norma Jeane Mortenson eintragen, nach ihrem damaligen Ehemann. Getauft wurde sie aber auf den Namen Baker - so hiess der erste Mann von Gladys. Wer der Vater war, ist bis heute unklar. In Frage kommt auch ein gewisser Charles Gifford, ein Vorgesetzter von Gladys, mit dem sie eine kurze Affäre hatte. Marilyn war offenbar überzeugt, dass Gifford ihr Vater war.

Weil ihre Mutter psychisch instabil war, verbrachte Norma Jean den grössten Teil ihrer Kindheit bei Pflegeeltern und in Waisenhäusern. Im Alter von acht Jahren wurde sie angeblich sexuell missbraucht. 1945 wurde sie als Fotomodell entdeckt. Als 20-Jährige ging sie nach Hollywood, färbte ihre Haare wasserstoffblond und nannte sich Marilyn Monroe. Nach schwierigen Anfängen gelang ihr in den 50er Jahren der Aufstieg zum Superstar.

Affäre mit Präsident Kennedy?

Privat blieb sie glücklos. Ihre drei Ehen waren von kurzer Dauer. Sie soll zahlreiche Affären gehabt haben, unter anderem mit US-Präsident John F. Kennedy und dessen Bruder Robert. Präsident Kennedy brachte sie wenige Monate vor ihrem Tod im New Yorker Madison Square Garden ein legendäres Ständchen, bei dem sie ein laszives «Happy Birthday, Mr. President» ins Mikrofon hauchte. Und damit beginnen die Verschwörungstheorien: Marilyn wurde demnach im Auftrag der Kennedys umgebracht, weil sie gedroht habe, das Verhältnis zum Präsidenten publik zu machen, was dessen Wiederwahl mehr als nur gefährdet hätte.

Als «Beleg» gilt ein angeblicher Besuch von Justizminister Robert Kennedy in Monroes Haus am Tag ihres Todes. Das Sexsymbol soll von CIA-Agenten betäubt worden sein, die MM rektal eine Überdosis des Barbiturats Nembutal verpassten. Doch überzeugende Beweise fehlen. Zwar gilt es als durchaus plausibel, dass sie mit dem notorischen Sex-Maniac JFK ins Bett ging. Aber gerade sie als Filmstar hätte im Gegensatz zu anderen Geliebten des Präsidenten selber viel zu verlieren gehabt, wenn sie die Affäre ausgeplaudert hätte.

Die Mafia oder ein Unfall

Als Alternative wird deshalb gerne behauptet, die Mafia habe Marilyn auf dem Gewissen. Sie war häufig Gast im Cal-Neva-Resort am Lake Tahoe, zu dessen Mitbesitzern ihr Teilzeit-Lover Frank Sinatra gehörte. Dort hatte sie auch Kontakt mit seinen Mafia-Kumpeln, unter anderem dem berüchtigten Chicagoer Boss Sam Giancana. Erfuhr sie dort etwas, was sie nicht wissen durfte? Letztlich bleibt auch diese Theorie pure Spekulation.

Weil Beweise für einen Mord fehlen, hat in den letzten Jahren die Unfall-These Aufwind erhalten. Im Zentrum steht der Psychiater Ralph Greenson, eine dubiose Figur, die Monroe bereitwillig mit Psychopharmaka versorgte und so zu ihrer Medikamenten-Abhängigkeit beitrug. In der Todesnacht soll Greenson ihr mit einem Klistier ein Schlafmittel eingeführt haben ohne zu wissen, dass sie bereits Nembutal eingenommen hatte. Dieser Cocktail habe zum ungewollten Tod des Filmstars geführt, behaupten verschiedene Autoren.

Psychische Probleme in der Familie

Anhänger der Mord- oder Unfall-Theorie verweisen gerne darauf, dass MM in den Tagen vor ihrem Tod in bester Stimmung und voller Zukunftspläne war. Dabei ist es charakteristisch für manisch-depressive Menschen, dass sie im einen Augenblick Bäume ausreissen können und im nächsten nur noch einen Abgrund vor sich sehen. Psychische Probleme waren häufig in ihrer Familie, ihre Mutter und Grossmutter litten darunter.

Ausserdem befand sich Marilyn in einem für ein Sexsymbol «gefährlichen» Alter. Bei den Studiobossen hatte sie sich mit ihren Allüren und ihrer Unzuverlässigkeit unmöglich gemacht. Vom Set ihres letzten Films «Something’s Got to Give» war sie gefeuert worden, weil sie entweder gar nicht oder verspätet erschienen war. Ihre Karriere hing zum Zeitpunkt ihres Todes an einem seidenen Faden. Ohnehin haderte sie mit ihrer Rolle als lebender Blondinenwitz: «Ich will eine Künstlerin sein, kein erotischer Freak», klagte sie einmal. «Ich will den Zuschauern nicht als Zelluloid-Potenzmittel verkauft werden.»

Diese Indizien deuten darauf hin, dass die offizielle Suizid-Version doch plausibel sein könnte. Letztlich aber werden die Umstände ihres Todes wohl für immer im Dunkeln bleiben. Genau das macht einen Teil ihrer anhaltenden Faszination aus, zusammen mit der Tatsache, dass sie ewig jung und schön bleiben wird. Im Tod erreichte sie, was ihr zu Lebzeiten verwehrt war: Marilyn Monroe ist mehr als nur eine Männerphantasie. Sie ist ein Mythos.

«Happy Birthday Mr. President»

(Video: Youtube/dumbbrunettegal1)


«I Wanna Be Loved By You»

(Video: youtube/LiDyPM)


Der ikonische Rocklüpfer:

(Video: Youtube/ProfilesInHistory)