Gefälschte E-Mail

03. Dezember 2017 13:12; Akt: 03.12.2017 14:37 Print

Weinstein hält sich doch nicht im Tessin auf

Laut Medienberichten sollte der in Verruf geratene US-Produzent Harvey Weinstein Weihnachten in Lugano feiern. Die Meldung entpuppte sich jedoch als falsch.

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Harvey Weinstein unter Beschuss: Der Star-Filmproduzent soll mehrere Frauen sexuell belästigt und bedrängt haben. Mindestens drei habe er zu Oralverkehr gezwungen, so die Vorwürfe, die von der «New York Times» sowie von «The New Yorker» öffentlich gemacht wurden. Die Anschuldigungen, die der 65-Jährige in Teilen zugibt, haben für ihn Konsequenzen: Seine eigene Firma hat ihn entlassen, auch Ehefrau Georgina Chapman hat sich mittlerweile von ihm getrennt. «The New Yorker» hat zudem einen Ton-Mitschnitt aus dem Jahr 2015 publiziert. Dort ist zu hören, wie Weinstein das Model Ambra Battilana Gutierrez (damals 22) in einem New Yorker Hotel bedrängt. Sie solle ihm Gesellschaft leisten, während er duscht, fordert er seinen Gast auf. Als sie sich weigert, meint Weinstein: «Schätzchen, bitte, verdirb dir nicht wegen fünf Minuten die Freundschaft mit mir.» Hollywood hat zunächst nur zögerlich reagiert. Mittlerweile ist die Empörung in vollem Gange. Kate Winslet sagt in der «Variety», Weinsteins Verhalten sei «skandalös und sehr, sehr falsch». George Clooney sagt zu «The Daily Beast»: «Es ist unentschuldbar! Wir hatten gemeinsame Abendessen, wir waren gemeinsam am Set, wir hatten Streitereien. Doch ich kann Ihnen sagen, dass ich niemals ein solches Verhalten bei ihm gesehen habe – nie.» Angelina Jolie meint in der «New York Times», sie habe in ihrer Jugend mit Weinstein «schlechte Erfahrungen» gemacht. «Als Folge davon habe ich mich entschieden, nie wieder mit ihm zu arbeiten und andere vor ihm zu warnen. Dieses Verhalten gegenüber Frauen ist in jeder Branche und in jedem Land inakzeptabel.» Leonardo DiCaprio schreibt auf Facebook: «Es gibt keine Entschuldigung für sexuelle Übergriffe. Ich begrüsse die Kraft und den Mut jener Frauen, die sich getraut haben und ihre Stimme erhoben haben.» Mit etwas Verzögerung meldete sich auch Jennifer Lawrence zu Wort. «Ich war extrem verstört, als ich gehört habe, was Harvey Weinstein getan hat», sagt sie zur «Variety». Und weiter: «Dieses Verhalten ist unentschuldbar.» Lawrence arbeitete 2012 bei ihrem Erfolgsfilm «Silver Linings» mit der Weinstein Company zusammen. Gwyneth Paltrow bemerkt in derselben Zeitschrift, Weinstein habe sie als 22-Jährige angefasst und sie massieren wollen. Doch die Schauspielerin hat sich laut eigenen Aussagen geweigert. Lena Dunham greift Weinstein in einem Essay in der «New York Times» frontal an. Seine Übergriffe seien «über Jahrzehnte hinweg von Angestellten und Kollaborateuren schweigend abgesegnet» worden und «ein Mikrokosmos dafür, was seit jeher in Hollywood geschieht». Auch Ex-Präsident Barack Obama und seine Ehefrau Michelle (im Bild zusammen mit Weinstein bei einem Workshop für Studenten im Weissen Haus 2013) haben eine klare Meinung: «Jeder Mann, der Frauen in einer solchen Weise diskreditiert, muss verurteilt werden, egal, wie reich er ist oder über welchen Status er verfügt», werden die beiden in einem offiziellen Statement zitiert. Viele Unterstützer hat Weinstein in Hollywood nicht mehr. Lindsay Lohan hat sich, zumindest vor ein paar Tagen, hinter den Produzenten gestellt. «Harvey tut mir sehr leid. Ich glaube, was gerade passiert, ist nicht richtig», sagte sie in einem, mittlerweile gelöschten, Instagram-Video. Designerin Donna Karan (im Bild) meinte in einem Interview mit der Zeitung «Daily Mail», manche Frauen würden «Ärger suchen». Nach heftiger Kritik zog sie ihre Aussage zurück und entschuldigte sich.

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Eine Mitteilung vom Samstag, 2. Dezember der New Yorker Anwaltskanzlei des US-Filmproduzenten Harvey Weinstein über einen angeblichen Aufenthalt Weinsteins in Lugano hat sich als Fälschung erwiesen. Mehrere Elemente weisen darauf hin, dass die per E-Mail versandte Mitteilung nicht aus der Anwaltskanzlei stammt.

Bereits Ende Oktober wurde darüber spekuliert, dass Weinstein längere Zeit in den Tessin reisen könnte. Damaligen Berichten zufolge hatte der Produzent eine Villa in der Nähe von Lugano gemietet.

«Ein alter Dinosaurier»

Mittlerweile haben über 70 Frauen Weinstein beschuldigt, sie sexuell belästigt oder missbraucht zu haben. Mehr als zehn Frauen werfen dem Filmemacher gar vor, sie vergewaltigt zu haben. Nach Angaben aus Weinsteins Umfeld erhielten zudem mindestens acht Frauen teils Millionenbeträge, um ihn nicht anzuzeigen.

Weinsteins Anwältin Lisa Bloom hatte zuvor in einer Erklärung mitgeteilt, ihr Mandant weise «viele der Vorwürfe» zurück. «Er hat Fehler zugegeben, die er gemacht hat», schrieb sie. «Er liest Bücher und geht zur Therapie. Er ist ein alter Dinosaurier, der neue Wege lernt.»

(chi/sda)