Wegen Blutsverwandtschaft

07. November 2012 20:38; Akt: 09.11.2012 16:57 Print

Prinz Charles preist Dracula-Land

Wer hätte das gedacht: Prinz Charles und Graf Dracula sind verwandt. Nun spannt Transsilvanien seinen prominentesten Abkömmling für eine Tourismus-Kampagne ein.

Bildstrecke im Grossformat »
(1431-1476), rumänischer Prinz vom Orden des Drachens («dracula» = «Drachen» oder «Teufel») und Herrscher über Transsilvanien. Vermutlich war er nicht mehr und nicht weniger blutrünstig als andere Herrscher des Spätmittelalters. Der britische Schriftsteller nahm das historische Rohmaterial auf und verarbeitete es in seinem Roman «Dracula» (1897). Das Buch hat bis heute kontinuierlich Neuauflagen erlebt und war nie vergriffen. Die erste Dracula-Verfilmung stammt von Friedrich Wilhelm Murnau. Die Hauptrolle in «Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens» (1922) spielte . Max Schreck als aka Dracula auf der «Empusa», die in Wisborg, England, strandet. Murnaus «Nosferatu» ist ein . Gekonnt setzte der Regisseur Licht und Schatten als Stilelemente ein. Der nächste berühmte Film-Vampir war . Tod Brownings «Dracula» aus dem Jahr 1931 war die Adaptation eines Bühnenstücks und hatte wenig mit der Romanvorlage von Bram Stoker zu tun. Lugosi kreierte den klassischen Hollywood-Vampir . Lugosi mit Carol Borland in der Dracula-Fortsetzung (1935). waren «Draculas» bevorzugte Opfer. Hier verbeisst sich Bela Lugosi in Helen Chandler. Doch auch weibliche Vampire wurden von Hollywood aufgegriffen. Im 1936er Film eine männermordenden Vamp. Neben Bela Lugosi ist der wohl bekannteste Dracula-Darsteller aller Zeiten. Im 1958er Dracula-Remake von Terence Fisher trat er mit seinen überlangen Eckzähnen erstmals in Erscheinung. Christopher Lee und Veronica Carlson in (1968). Eine Möglichkeit, einen Vampir zu töten: Man treibt ihm einen Pfahl direkt ins Herz. Eine Anspielung auf die historische Vorlage Vlad Tepes, der auch genannt wurde, weil dies seine bevorzugte Hinrichtungsart war. In Roman Polanskis als Graf von Krolock den fruchteinflössenden Blutsauger. Hier macht er sich gerade an die schöne Sarah Shagal (Sharon Tate) ran. In der TV-Comedy-Serie als «Grandpa» den Vampir der Familie. Die Dracula- und Horror-Popularität bewirkte, dass sämtliche Zielgruppen ihre eigenen Vampire bekamen. Eines der gelungensten Beispiele ist der «Blaxsplotation»-Streifen in der Titelrolle. von Werner Herzog. Gar nichts mit der Originalversion zu tun hatte wiederum als Vampirin. TV-Vampirin und Gothic-Ikone: (1988). Da wird man(n) gerne zum Vampiropfer. Regisseur Francis Ford Coppola hielt sich mit ) mit seiner Elisabeta (Winona Ryder). im selben Film: Gary Oldman als Graf Dracula. In Neil Jordans als putzige Blutsauger ihr Unwesen. In einen Kung-Fu-Halbvampir und Vampirjäger. Als «gestylten Blut-Kitsch für die MTV-Generation» bezeichnete die Zeitschrift «Cinema» Patrick Lussiers als Dracula, der von Matthew Van Helsing (Christopher Plummer) gejagt wird. Zu einem Kassenschlager sondergleichen wurde die ). Auch die TV-Serie ) verliebt. Über fünf Staffeln versuchen die beiden, ihre interkulturelle Beziehung am Laufen zu halten.

Graf Dracula: Wie ein rumänischer Vampir in Hollywood Karriere machte.

Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Die rumänische Tourismusbehörde versucht derzeit in London an einer Urlaubsmesse die Briten für Ferien in Transsilvanien zu begeistern. Dabei wird den Reisenden versprochen, auf der Route des blutrünstigen Grafen Dracula wandern zu dürfen. Doch damit nicht genug. Das Tourismusbüro wirbt mit einem prominenten Verwandten des Grafen: Prinz Charles.

Man staune, doch tatsächlich ist der Windsor-Spross über seine Grossmutter Queen Mary mit Vlad III. – so der richtige Name der legendären Figur – verwandt. Prinz Charles bestätigt: «Die Genealogie zeigt, dass ich ein Nachfahre von Vlad dem Pfähler bin. Transsilvanien ist in meinem Blut.» Wie die Tageszeitung «The Telegraph» berichtet, erwähnen die Rumänen die skurrile Blutsverwandtschaft in sämtlichen Broschüren und Videos.

Vom Vampir und Pfähler zur Touristenattraktion

Vlad III. hat im 15. Jahrhundert Widerstand gegen das Osmanische Reich und dessen Expansion auf dem Balkan geleistet. Dabei soll er Zehntausende Menschen in den Tod geschickt haben. Unter anderem hat er eine Vorliebe für Hinrichtungen durch Pfählung gehabt, weshalb er postum den Beinamen «Der Pfähler» bekam. Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Graf als Romanfigur berühmt, als der irische Schriftsteller Bram Stoker ihn zur zentralen Figur im Vampirroman «Graf Dracula» machte.

Besonders paradox: Während die Menschen dem echten Vlad und seinem literarischen Pendant tunlichst aus dem Weg gingen, versucht die rumänische Tourismusbehörde heute, ausgerechnet damit Urlauber nach Transsilvanien zu locken.

(kle)