Vorwürfe gegen Regisseur

04. Oktober 2017 17:50; Akt: 04.10.2017 20:45 Print

Polanski zum 4. Mal wegen Vergewaltigung angezeigt

Zwei Tage, nachdem Roman Polanski am ZFF seinen neuen Film gezeigt hat, flattert bei der Staatsanwaltschaft eine Anzeige rein. Der Vorwurf: Vergewaltigung einer Minderjährigen.

Noch am Montag schritt Roman Polanski (84) gut gelaunt über den grünen Teppich beim ZFF. (Video: 20 Minuten / Tarek El Sayed)
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Am Montagabend ging Roman Polanski (84) in Begleitung seiner Ehefrau Emanuelle Seigner (51) über den grünen Teppich beim Zurich Film Festival und gab sich bestens gelaunt: «Ich bin sehr gerne hier in Zürich. Das ZFF macht keine Show – hier geht es um den Film. Das mag ich», sagte er im Interview mit 20 Minuten.

Die gute Laune dürfte dem Star-Regisseur mittlerweile vergangen sein, denn wie die «New York Times» enthüllt, wurde wieder Anzeige gegen Polanski erstattet. Ende Februar 1972 soll er in seinem Chalet in Gstaad die damals 15-jährige Deutsche Renate Langer sexuell missbraucht haben. Die Staatsanwaltschaft des Kantons St. Gallen bestätigt, dass eine Anzeige der heute 61-jährigen Renate Langer vorliegt. Der Fall werde aktuell an die Staatsanwaltschaft des Kantons Bern übergeben, weil die mutmassliche Tat im Berner Oberland passiert sei.

Einmal in Gstaad, einmal in Rom

Laut Langer fand die Vergewaltigung in einem Schlafzimmer von Polanskis Gstaader Chalet statt. Einen Monat später habe er sich entschuldigt und ihr eine Rolle im Film «Was?» angeboten. Beim Dreh in Rom habe Polanski sie dann erneut vergewaltigt, schreibt die «New York Times».

Fast 45 Jahre lang hat Langer niemandem von den Vorfällen erzählt, weil sie sich geschämt habe, sie habe sich einsam und verloren gefühlt. «Meine Mutter hätte einen Herzinfarkt gekriegt, wenn sie davon erfahren hätte», sagte sie im Interview. Im September dieses Jahres hat sie den Übergriff in der Schweiz zur Anzeige gebracht, weil sie hofft, dass die Vergewaltigung gemäss Schweizer Gesetz noch nicht verjährt ist – das ist laut der Staatsanwaltschaft jedoch noch nicht ganz geklärt.

Stimmen die Anschuldigungen, so ist Renate Langer bereits das vierte minderjährige mutmassliche Opfer von Roman Polanski. 1977 wurde er wegen Sex mit der erst 13 Jahre alten Samantha Geimer zu 42 Tagen Haft verurteilt und musste sich psychiatrischen Tests unterziehen. Weil die Haftstrafe vom zuständigen Richter danach auf 50 Jahre ausgedehnt wurde, floh Polanski nach Europa, wo er 2009 am ZFF verhaftet, aber nicht an die USA ausgeliefert wurde.

Zwei weitere Opfer klagen an

Ausserdem soll Polanski die britische Schauspielerin Charlotte Lewis als 16-Jährige vergewaltigt haben und erst im August dieses Jahres erhob eine Frau namens Robin M. schwere Vorwürfe gegen den Star-Regisseur – auch sie sei, im Alter von ebenfalls 16 Jahren, vergewaltigt worden. Und nun eben die deutsche Schauspielerin Renate Langer.

Polanski selbst schweigt zu den neuen Vorwürfen. Doch vor kurzem hat er sich zum Fall Geimer, für den er verurteilt wurde, geäussert. «Soweit ich das sagen kann, ist es vorbei. Ich habe mich schuldig bekannt», sagte er «Hollywood Reporter». «Ich war im Gefängnis. Ich bin wieder in die USA gegangen, um meine Haftstrafe zu verbüssen. Die Leute vergessen das – oder sie wissen es nicht. Dann wurde ich in Zürich eingesperrt. In der Summe habe ich also vier- oder fünfmal mehr im Gefängnis eingesessen als das, was mir versprochen wurde.» Für Roman Polanski gilt die Unschuldsvermutung.

Robin M. erhebt im August schwere Vorwürfe gegen Roman Polanski

(lme)