Drogen-Unfall

01. Juli 2010 12:43; Akt: 01.07.2010 12:43 Print

Böhse-Onkelz-Sänger auf der Anklagebank

Im Zusammenhang mit einem schweren Verkehrsunfall am Silvesterabend hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main gegen den Böhse-Onkelz-Sänger Kevin Russell Anklage vor dem Landgericht erhoben.

Fehler gesehen?

Dem 46-jährigen Iren wird vorgeworfen, unter Drogeneinfluss bei dem Unfall zwei Menschen verletzt zu haben (20 Minuten Online berichtete). Die Anklage lautet unter anderem auf fahrlässige Strassenverkehrsgefährdung, fahrlässige Körperverletzung und Unfallflucht. Russell hat sich zum Tatvorwurf nicht geäussert.

Der Rocksänger soll am Steuer eines geliehenen Audi A8 auf der A66 einen Wagen mit einer Geschwindigkeit von rund 230 Kilometern pro Stunde überholt haben, obwohl er unter dem Einfluss von Kokain, Methadon und dem Medikament Diazepam stand und deshalb nicht mehr fahrtüchtig war. Dabei stiess sein Wagen mit dem anderen Auto zusammen. Beide Autos prallten gegen die Leitplanke, und der überholte Wagen fing Feuer. Der Fahrer des Autos erlitt Verbrennungen, eine Leberblutung, einen Milzriss sowie eine Verletzung an der linken Niere. Seinem Beifahrer musste eine Hand samt Handgelenk amputiert werden.

Zu Fuss geflüchtet?

Der Rocksänger soll daraufhin zu Fuss geflüchtet sein. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft verliess er jedoch erst die Unfallstelle, als bereits Helfer vor Ort waren. Einen Tag später bezeichnete Russell gegenüber einem Polizisten eine andere Person als Unfallfahrer. Diese Person bestätigte laut Staatsanwaltschaft die Aussage Russells. Allerdings wurden DNA-Spuren des Sängers am Lenkrad gefunden. Der 46-Jährige wurde nach Zahlung einer Kaution von 50.000 Euro auf freien Fuss gesetzt. In einem Interview der «Bild»-Zeitung bestritt er die Vorwürfe und sagte, er sei nicht gefahren.

Russell gehört zu den Gründungsmitgliedern der deutschen Rockband, die es seit 1980 gibt. 2004 verkündete die Band ihre Trennung. Ihre letzten Konzerte spielten sie 2005. Die Band stand wegen ihrer Texte und ihrer Beliebtheit bei Neonazis immer wieder in der Kritik. Trotz späterer Distanzierungsversuche wurde ihr weiter eine Nähe zum Rechtsextremismus nachgesagt.

(dapd)