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Schöne Schweizer
09. Mai 2010 09:45; Akt: 09.05.2010 09:45 Print
Der Mister ist tot, es lebe der Mister!
von Philipp Dahm - Jan Bühlmann wird vor Stefan Tobler Mister Schweiz. Unsere etwas andere Wahl-Reportage will klären, ob der Titel eine Krönung ist, ob das Amt ein Widerspruch in sich ist und wie das Ganze von Kritikern wahrgenommen wurde.
Kennen Sie einen Velokurier? Das ist eine ganz bestimmte Sorte Mensch. Sehr eigene Leute, sehr speziell. Sie sind oft ehrgeizig, verschroben und rotten sich gern zusammen, fast so wie Surfer. Gleichzeitig kultivieren sie einen Hauch von Freigeist und wer einen solchen Bike-Freak zum Freund hat, kann sich wohl auf ihn verlassen. Spannend ist es dann, wenn ein solcher Velokurier wie Stefan Tobler Mister Schweiz werden will. Passt Unangepasstheit mit einem Repräsentativ-Job zusammen?
Velo-Volk findet sich am Zürcher Hallwylplatz ein, um Stefan Tobler zu unterstützen, der von einem Plakat am Fenster auf die Szene herunterschaut (Bild: 20 Minuten Online).
Wahl-Beeinflussung? Neben einem Stefan-Tobler-Luftballon malt der Quatiersnachwuchs (Bild: 20 Minuten Online).
Lange Gesichter: Jan Bühlmann sticht den Lokal-Matador aus (Bild: 20 Minuten Online).
Klären kann das ein Besuch am Hallwylplatz in Zürich, wo «Flash»-Chef Mario anlässlich der Wahl ein Fest organisiert hat. Denn Titelträger könnte sein Angestellter Stefan werden und feiern tun die Fahrradfahrer ohnehin gern. Dank Sponsoren gibt es Wurst vom Grill und Gratis-Bier. Einzige Bedingung: Wer kommt muss für Mister Tobler stimmen und per Funktelefon 80 Rappen investieren.
Hier spricht das Volk
Fair genug, zumal die Journaille eigentlich gar nicht eingeladen wurde und das Ganze somit sich als prima Testgelände eignet, um der Frage nachzugehen, was das Volk den eigentlich von seinem Schönheitskönig will. Und bei der Fraktion, die eigentlich völlig Anti-Mister und Boulevardbrei-müde ist, sollte das am besten herauszufinden sein. Auf dem Platz mit Brunnen, in dem die Bierdosen gekühlt werden, ist ein Grillzelt platziert. Statt dem angekündigten Grossbild per Beamer gibt es bloss einen normalen Fernseher, um den sich ab 20.05 Uhr Kinder, Erwachsene, Jung- und Quartier-Volk sammeln.
Erste erwähnenswertere Reaktionen ruft bei der Vorstellungsrunde der Kandidaten Christian Stieger mit seiner Brille hervor. «Bünzli», sagt einer der Umstehenden im allgemeinen Gelächter. Beach-Volleyballer Mike Leuenbegerger erntet für einen allzu glatten Vortrag ein «Oh meine Güte», während Mister-Anwärter Fabian Bertschy für seinen VW-Käfer Pluspunkte einfährt. Ein Anfang Zwanzigjährigrer nennt das Auto gar «herzig» - so viel also zum harten Kern der Velo-Profis.
Bloss keine Floskeln
Dass die Zuschauer auf farblose Vorträge verzichten können, zeigt etwa das Filmchen von Kandidat Joshua Tyrell, der als unpünktlicher, aber Kinder liebender, unkonventioneller Tänzer aus dem Waadtland zu viele Klischees bedient. «Verschissene Fritte», ärgert sich ein blonder Jüngling. Jubel brandet hingegen bei der Vorstellung der Nummer 14 vor, als der Lokal-Held sein Stelldichein gibt. «Alüte», tönt es auffordernd aus der Runde, nachdem die 16 Herren durch sind.
Während im SF-Einspielfilmchen aus Ägypten die Schweizer auf Schnellbooten durch das azurblaue Meer pflügen, erfreuen sich zwei über 60-Jährige an Wurst und Bier. «Das interessiert dich nicht, Mister Schweiz?», fragt der eine den anderen. «Nööööö», nuschelt der zurück. Und auch die Generation danach ist trotz Toblers Teilnahme eher halbherzig bei der Sache. Was finden die an der Mister-Wahl – oder auch nicht?
«Ich interessiere mich einen Scheiss dafür»
«Ich interessiere mich einen Scheiss dafür», sagt mir mein Nachbar frank und frei. Natürlich ist er auch Kurier und nur wegen des Kollegen (und der Verpflegung) da. Aber – so fragt er -wer sei denn schon ein solcher Titelträger? Nur die Medien wie auch wir bei 20 Minuten Online würden aus ihnen «Prominente» machen, befindet «Reto», wie ich ihn taufe.
Narzissmus, Hype, Blödsinn, so das zusammengefasste Credo. Doch völlig kalt lässt ihn das Thema andererseits auch wieder nicht. Während Katie Melua ein musikalisches Show-Intermezzo bestreitet gesteht er, dass er die Wissenslücken des abzuwählenden Misters peinlich fand. Und so gehe es auch nicht: «Er repräsentiert ja auch die Schweiz!»
Nach und nach werden aus 16 Kandidaten acht «Finalisten», die wiederum peu à peu dezimiert werden. Nach Sens Uniks Auftritt bleiben drei mögliche Mister übrig: Jan Bühlmann, Stefan Tobler und Goran Cvetkov. Die Jury bringt per «Wild-Card» einen vierten Aspiranten ins Spiel: Rafael Beutl. «Dismissed», ruft einer von der Zuschauerschar am Hallwylplatz ob der Konkurrenz für den «eigenen» Mann. Eine andere um die 30 mit Brille erklärt, dass sie wegen genau solcher, ihrer Meinung nach zu blassen Kerle eigentlich nie die Wahl schaut.
Chrakter, Frage
Nur wegen der Kurier-Party sei sie da, sagt sie eingangs. Doch obwohl auch sie sich desinteressiert gibt, will sie keine Pfeife als Sieger. «Er muss eben Charakter haben», meint sie, obwohl ihr auch das eigentlich egal sein müsste, wenn so ein Titel denn so unwichtig wäre. Stefan Tobler kommt derweil immer weiter vorwärts – und hat am Ende nur noch Konkurrent Jan Bühlmann vor sich. Die beiden sind sich nicht unähnlich: Letztere sieht wie die jüngere, bartlose Version des Ersteren aus.
Gewinnt Stefan Tobler? Ist er der unkonventioneller Charakterkopf, der dem Amt Schwung geben kann? Vor der Entscheidung drückt die Fernsehgemeinde vor Ort fest die Daumen, doch es soll nicht sein: Die Wahl fällt auf den Luzerner, die Zürcher haben das Nachsehen. «Eine politische Entscheidung», scherzt einer aber schnell danach. Die Velokuriere werden dem verpassten Titel nicht nachtrauern - und ein Vize kann ohnehin ja nach ein Jahr ein Erster sein. Ob Jan Bühlmann sein Amt so ausfüllt, dass auch die Desinteressierten ihren Mister missen, wenn ein neuer zur Wahl steht, muss sich zeigen. Der Mister ist tot, es lebe der Mister!
Versuch eines Fazits
Und wie wichtig ist nun ein Mister und was er tut – oder lässt? Keiner, der Desinteresse an der Wahl bekundet hat, kannte den Namen Renzo Blumenthal nicht. Keinen liessen die Ausfälle der nachfolgenden Titelträger kalt. Ganz offenbar wird der Mister immer wichtiger – ob man das nun will oder nicht. Vielleicht mögen die Gewinner von den Medien zu nationaler B-Prominenz hochgejazzt werden, aber wer sind eigentlich die Alternativen? Amerikaner wie Britney Spears und Lindsay Lohan, Briten-Gören wie Lily Allen und Peaches Geldof oder gar Deutsche wie GNTM-Nuru und DSDS-Eilfeld? Ist ein bekannter Schweizer Schönheitskönig denn so viel schlechter? Doch nicht wirklich, oder?
Sind Sie zufrieden mit dem Titelträger? Meinungen im Talkback sind erwünscht! Ausserdem wollen wir wissen, was Sie eigentlich von einem Mister erwarten: Die dazugehörige Geschichte nebst Diskussionsrunde finden Sie hier.
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Alle 182 Kommentare
































Mr. Swiss
Ihr Znüniflüger habt keine Ahnung von Jan!! Ich kenne ihn seit geraumer Zeit und weis, dass er einiges auf dem Kasten hat. Habt ihr es von der Real ins Gymnasium geschafft?? Könnt Ihr singen und seit ihr auch sportlich zugleich?? Ich glaube kaum ihr seit nur neidisch weil er es gepackt hat und was aus seinem Leben macht..
arrogant
Naja...Jan ist talentiert,gut gebaut...aaaber wie Herr Tobler schon sagte:Jan ist falsch und das finde ich auch.Sein aufgesetztes Lachen und sein oberflächliches Getue...wie naiv manche Leute sind und glauben er sei nicht arrogant,lach=)
Wie man's nimmt
Stephan Tobler ist ein schlechter Verlierer. Wenn es stimmt, was er gesagt haben soll. Der Mister Schweiz ist zwar auch nicht unbedingt mein Geschmack.. Die Äusserung gegen den Ex Mister Schweiz ist eine Frechheit vom Mister Schweiz.