Staatsanwalt ermittelt

09. April 2010 11:18; Akt: 09.04.2010 11:52 Print

Katholiken verklagen «Titanic»Katholiken verklagen «Titanic»

Die «Titanic» hat es wieder einmal geschafft, bei Katholiken für offene Münder zu sorgen: Das deutsche Satire-Magazin wurde wegen seines Titelbildes angezeigt, auf dem ein Priester Jesus oral befriedigt.

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Der Titel vom April 2010 hat Titanic mal wieder zwei Anzeigen von Katholiken beschert. Nach diesem Scherz nach dem Absturz der Maschine des polnischen Präsidenten hagelte es im April 2010 Proteste. «Titanic» prägte im Laufe der Jahre Begriffe wie «Genschman» für den Ex-Aussenminister Hans-Dietrich Genscher... ... oder «Birne» für Helmut Kohl. Kohl war eindeutig der Lieblingskanzler des Satiremagazins. «Titanic» beherrscht auch die Kunst des gekonnten Selbstzitats. 1988 legte der frühere Titanic-Chefredaktor Bernd Fritz Thomas Gottschalk und «Wetten, dass..?» herein. Er sagte, er könne Buntstifte ... ... am Geschmack erkennen. Tatsächlich konnte er unter der Brille durchsehen. Nach der Wette klärte er die TV-Macher jedoch umgehend auf. Respektlose Ankündigung des Papst-Besuchs 1980. Und «Titanic» setzte noch einen drauf: 1987 holte sie das leicht veränderte Cover für den nächsten Besuch des Pontifex aus dem Archiv. «Zonen»-Gabi ist eine Ikone der deutschen Teilung - dank Titanic. Auch dieses Motiv wurde recycliert. Und zwar mehr als einmal... Schweinebraten mit Sosse? «Das war der am schlechtesten verkaufte Titel aller Zeiten», sagt der frühere Chefredaktor Gsella zur FAZ. Angela Merkel mit einem Natascha-Kampusch-Kopftuch war dagegen ein Renner («Kohls Mädchen packt aus: ,Ich musste Kanzler zu ihm sagen.‘») Den Vergleich mit US-Terrorist Tomothy McVeigh fand Autor Benjamin von Stuckrad-Barre nicht lustig. Jesus als Klo-Rolle: Der Titel erzürnte die Kirche. Solche Titelbilder garantieren den Aufschrei im Lande. Dieses Bild des toten Uwe Barschel aus dem «Stern» verfremdete Titanic mit dem Kopf Björn Engholms. Das fällige Schmerzensgeld und die Anwaltskosten brachten das Magazin an den Rand des Ruins. «Problembär» Beck klagte gegen diesen Titel. Riesenwirbel um eine vermeintliche Bestechung bei der WM-Vergabe. Seit 2004 mischt die Titanic auch mit «Die Partei» ... ... in der Landespolitik mit. November 2007: Diese Werbung mit Anleihen an die verschwundene Madeleine sorgte für internationale Aufmerksamkeit. Nazis werden von «Titanic» besonders gern verspottet.

Mit diesen Titeln schuf «Titanic» Ikonen wie «Genschman», aber gleichzeitig sorgten andere Cover für Klagen - insbesondere von der katholischen Kirche. Eine Auswahl.

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«Kirche heute», prangt über der April-Ausgabe der deutschen «Titanic»: Auf der dazugehörigen Karikatur ist ein Priester von hinten zu sehen, der scheinbar den am Kreuz hängenden Jesus oral befriedigt. Die Anspielung auf Sex-Skandale in der Jugendarbeit der katholische Kirche sorgte bei deren Mitgliedern für rote Ohren und offene Münder: Sogar die Staatsanwaltschaft muss sich nun mit dem Fall beschäftigen.

Zum einen waren beim Presserat alleine bis zum 2. April über 100 Beschwerden eingegangen, bestätigte eine Sprecherin gegenüber der Webseite «DWDL». Die Kontrollinstitution der deutschen Medienlandschaft hatte zuletzt 2006 bei den «Mohammed-Karikaturen» der Axel-Springer-Zeitung «Die Welt» ähnlich viele Zuschriften bekommen. Neben dem Presserat muss sich die Staatsanwaltschaft Frankfurt der «Titanic» annehmen: Dort wurden zwei Anzeigen gegen das Magazin erstattet. Der Vorwurf: Volksverhetzung.

Titanic-Chef ebenfalls «schockiert»

Ob ein Ermittlungsverfahren eingeleitet wird, will Staatsanwalt Jörg Claude kommende Woche entscheiden: Die Chancen dafür stünden aber gering, so der Jurist gegenüber «DWDL». Der Presserat wird sich im Mai mit der Sache beschäftigen. Es ist nicht der erste Prozess der katholischen Kirche gegen die Frankfurter Spassmacher: Andere Titel waren beispielsweise wegen Beleidigung des Papstes beanstandet worden (siehe obige Bildstrecke und Artikel).

Titanic-Chef Leo Fischer spielte auf Nachfrage von «Meedia» das religiöse Unschuldslamm: «Wir sind schockiert über die zum Teil anstössigen und jugendgefährdenden Phantasien, die dieser Titel in manchen Hirnen auslöst. Wir von Titanic sehen hier einen Priester, der sich hingebungsvoll einem Kruzifix zuwendet - vielleicht in demütiger Anbetung.» Er sei überrascht, so viele katholische Leser zu haben, führt der Chefredaktor weiter aus. «Wir werden in christlicher Gelassenheit abwarten, bis das Publikum sich wieder beruhigt.»

(phi)

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  • Emilio am 31.12.2010 00:37 Report Diesen Beitrag melden

    Schmutzige Phantasie!

    Also ich kann an dem Bild nichts anstößiges entdecken. Wer es dennoch tut hat eine schmutzige Phantasie oder aber fühlt sich ertappt!

  • Scheff am 23.04.2010 12:51 Report Diesen Beitrag melden

    Absicht...

    ...oder nur schlechte Wortwahl? "Die «Titanic» hat es wieder einmal geschafft, bei Katholiken FÜR OFFENE MÜNDER zu sorgen: Das deutsche Satire-Magazin wurde wegen seines Titelbildes angezeigt, auf dem ein Priester Jesus ORAL BEFRIEDIGT." Well done, den Lacher konnte ich mir nicht verkneifen.

  • LOLer am 13.04.2010 01:13 Report Diesen Beitrag melden

    Hammer

    HAHA das ist doch mal was. Und wenn Satire nicht anstössig ist es auch keine richtige Satire. Weiter so xD

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