Scientology

30. Juni 2008 12:05; Akt: 30.07.2008 11:20 Print

Tom Cruise: Asbest-Opfer?

Auf dem Luxusschiff 'Freewinds' können Scientologen die höchste Ausbildungsstufe erreichen. Auch Hollywoodstar Tom Cruise durchlief die schwimmende Kaderschmiede. Nun wurde aufgedeckt: Das Schiff ist seit 20 Jahren mit Asbest verseucht.

Fehler gesehen?

Seit Jahrzehnten erhält die Scientology-Elite auf dem 150 Meter langen Luxusliner Freewinds ihre Ausbildung, wie Sektenexperte Hugo Stamm in einem Artikel des «Tages-Anzeigers» berichtet. Zu jener Elite gehört auch Tom Cruise, der mehrere Male auf der Freewinds zu Gast war – unter anderem feierte er 2004 seine Geburtstagsparty dort.

Nun wurde bekannt, dass das Schiff mit dem Krebs erzeugenden blauen Asbest verseucht ist. Bei Krebs, der durch Asbest ausgelöst wird, betragen die durchschnittlichen Überlebenschancen sechs bis zwölf Monate.

Entdeckt wurde der Asbest bei Überholungsarbeiten im Heimathafen des Schiffes, in Curaçao. Die Behörden liessen das Schiff umgehend evakuieren und versiegelten es. Die darauffolgenden Untersuchungen bestätigten, dass Asbestfasern durch das Lüftungssystem auf dem ganzen Schiff verteilt wurden, wie es weiter heisst.

Schwimmende Asbest-Bombe

Scientologen, die sich gemeinhin als geistige Elite des Planeten bezeichnen, die selbst fähig sei, einen atomaren Weltkrieg zu überleben, geraten nun in Erklärungsnotstand. Laut «Tages-Anzeiger» wurde in einer Stellungnahme der Begriff Asbest konsequent ausgeklammert. Die Freewinds habe ohnehin generalüberholt werden müssen, so die Erklärung von Scientology.

Doch bereits 1987 soll Architekt Lawrence Woodcraft, der mit dem Umbau des Schiffs beauftragt wurde, die Asbestverseuchung entdeckt haben. Scientology reagierte damals einigermassen kurios: Scientology-Gründer Hubbard habe in den Richtlinien nichts von Asbest geschrieben, also könne keine Gefahr bestehen. Ausserdem sei jedes Risiko ausgeschlossen, wenn sich auf einem Schiff mehrere Hundert hochtrainierte Scientologen befinden würden.

Der Architekt weigerte sich in der Folge, das Schiff umzubauen. Scientology schickte dafür eigene Mitglieder an Bord, die den Asbest mit Wasser und Farbe besprühen mussten. Fast 15 Jahre später bestätigte Woodcraft in einer eidesstattlichen Erklärung die immer noch vorhandenen Gefahren auf dem Kreuzer erneut. Ohne Erfolg. Nun haben die Behörden die notwendigen Schritte unternommen und die Freewinds aus dem Verkehr gezogen.