Knatsch ums Krönchen

05. Dezember 2017 17:13; Akt: 05.12.2017 20:11 Print

«#MeToo ist Genickschuss für Miss-Wahl»

Zur neuen Miss-Schweiz-Wahl gibt es nun doch keine 3+-Castingshow – der Event findet trotzdem statt. Eine TV-Sendung rettet den Wettbewerb auch nicht, meint ein Experte.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Endlich steht es fest. Am 10. März 2018 bekommt die Schweiz ihre neue Miss in Baden AG. Knapp zweieinhalb Jahre nachdem Lauriane Sallin (24) als Schönste der Schönen hervorging. Und es bis heute geblieben ist. Die feierliche Verkündung von Datum und Ort ging wegen einer weiteren Neuigkeit aber völlig unter: Die Miss-Schweiz-Organisation will aus dem Deal mit dem TV-Sender 3+, der im August noch gross angekündigt wurde, aussteigen.

Umfrage
Braucht die Schweiz eine Miss?

Die geplante Castingshow über die Kandidatinnen und deren Traum vom Krönchen sowie die Live-Übertragung der Wahlnacht soll es nun doch nicht geben, wie «Glanz & Gloria» berichtete. Der Privatsender wollte alles vorproduzieren, die Verantwortlichen der Organisation dagegen wünschten sich eine Live-Übertragung des Finales.

3+ will von Kündigung nichts wissen

Pikant: 3+ will von den Neuigkeiten nichts wissen. Man sei «sehr erstaunt» über die Aussage der Organisation, lässt der Sender mitteilen. Es existiere eine schriftliche Vereinbarung, in der festgelegt sei, dass 3+ die Sendungen zum Casting sowie auch das Finale exklusiv ausstrahle. Und zwar 2018 wie auch in den Folgejahren.

Das sogenannte Termsheet zwischen dem Sender und der Miss-Organisation sei unterzeichnet und bindend. «Für eine angebliche Kündigung fehlt 3+ seitens der Miss-Schweiz-Organisatoren eine Begründung.» Dass der Sender alle Sendungen vorproduzieren wollte, sei ausserdem «unzutreffend». Im Gegenteil: Man habe «bereits viel Geld in die Planung der Produktion einer Live-Show» investiert.

Die neue Miss-Schweiz-Organisatorin hingegen bestätigt den Ausstieg auf Anfrage. «Das Termsheet mit 3+ haben wir gekündigt», so Angela Fuchs (41). «Wir hatten verschiedene Vorstellungen von der Umsetzung.» Die Wahl werde aber am TV kommen, versichert sie. Wer sie zeigt, könne sie noch nicht kommunizieren.

«Metoo-Debatte ist Genickschuss»

2014 hatte ein neues Team versucht, den Titel als karitativen Zweck – als Miss mit Herz – zu etablieren, und ist gescheitert. Eine neue Organisation sollte dem einstigen Kultformat nun wieder Leben einhauchen. Mit altem Erfolgsrezept: eine reine Schönheitswahl mit Bikini-Durchgang.

Lauriane Sallin zieht nach Griechenland

Ein überholtes Konzept, wie Markenexperte Cary Steinmann findet. Ob mit oder ohne TV-Übertragung – die Ära der erfolgreichen Missen sei vorbei. «Was einst funktionierte, funktioniert heute schon lange nicht mehr», ist sich der Markenexperte sicher. «Und spätestens die #MeToo-Debatte verpasst dem Wettbewerb den Genickschuss.»

In anderen Ländern möge das Format noch Erfolg haben. «In Frankreich zum Beispiel, wo man ein entspannteres Verhältnis zu Missen, Mode und Mannequins pflegt, ist die Wahl der Miss France am Samstagabend noch im Hauptprogramm direkt auf TF1», weiss Steinmann. «Aber hierzulande ist die Frau von gestern nicht mehr akzeptiert.»

Wahlnacht nicht in Gefahr

An der Wahl hält die Organisation nach wie vor fest. Am 10. März werden 20 junge Frauen in der Trafo-Halle in Baden AG um den Titel Miss Schweiz antreten. In einer «traditionellen Show mit Catwalk, Bikini-Durchgang und vielen Einspielern», wie es vonseiten der Organisation heisst.

Das Hickhack um die TV-Show ist nur ein weiteres Negativ-Kapitel in der jüngsten Geschichte der Miss-Wahl. Schlechte Einschaltquoten, der Ausstieg des SRF, eine gescheiterte Neupositionierung – seit Jahren kommt der Schönheitswettbewerb nicht zur Ruhe.

(kfi)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mike Zac am 05.12.2017 18:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    sinnlose Events

    das sind so sinnlose Events die kein Mensch braucht. Miss und Mr. Schweiz und der ESC können getrost abgeschafft werden.

  • T. Rottel am 05.12.2017 18:03 Report Diesen Beitrag melden

    mee too

    Gibt es bei den Teilnehmerinnen an der Miss Schweiz Wahl auch eine Männerquote von sagen wir mal 20 Prozent?

    einklappen einklappen
  • Suzanna am 05.12.2017 17:30 Report Diesen Beitrag melden

    Bitte streichen

    Bitte einfach weglassen, brauchen wir nicht diese oberflächliche "Fleischshow". Das hier die Feministinnen nicht protestieren wundert mich jetzt aber schon, sonst ist doch im Moment auch alles sexistisch. Sexistischer geht es ja wohl nicht!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Prijmos am 06.12.2017 10:43 Report Diesen Beitrag melden

    Belästigung ist nicht gleich Belästigung

    Einer Frau ein Kompliment machen und sagen, sie sieht sexy aus ist ja seit Neuestem nicht mehr erwünscht, weil sexuelle Belästigung. Aber die gleichen Frauen haben kein Problem danmit, halbnackt vor einer mehrheitlich männlichen Jury den Affen zu machen und sich wie Vieh taxieren zu lassen. Werte Damen: seid konsequent und nehmt dann auch nicht an solchen Veranstaltungen teil. Aber eben: die sind ja so oberflächlich und für ein Bisschen Ruhm kann man schon seinen Körper verkaufen.

  • Claudibeau am 06.12.2017 06:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Macht mal vorwärts

    Wenn das professionell geführt würde, gibt es solche Fehler wie diese Kommunikation nicht. 3+ könnte locker eine eigene Misswahl mit Casting und hoffentlich vielen MeeToo Situationen auf die Beine stellen. Quoten machen die sowieso.

  • User am 05.12.2017 20:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unfähiges OK

    Unsere Tochter wurde im Juli zum Casting aufgeboten. Entscheid sollte im September-Oktober fallen. Bis heute notabene Dezember noch immer keine Antwort, auch auf Nachfrage. OK scheint wirklich unfähig zu sein.

  • Overlord44 am 05.12.2017 20:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    #MeNot

    Das nervt einfach nur noch...

  • Buebi Stansstad am 05.12.2017 20:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    so schauts aus

    echte schönheit, die kann man optisch sowieso nicht bewerten. echte schönheit ist ein mix aus leidenschaft, ehrlichkeit, charakter und menschlichkeit. der rest ist cervelat-prominenz-produktion!

    • Franziska am 06.12.2017 12:55 Report Diesen Beitrag melden

      @Buebi Stansstad

      Ganz richtig! Und wahre Schönheit liegt im Auge des Betrachters und kommt von innen. Wahre Schönheit sieht man weder auf dem Laufsteg noch unter einer dicken Schicht Schminke...

    einklappen einklappen