Teilberufung

25. Januar 2012 08:20; Akt: 25.01.2012 22:39 Print

Hirschmann ist indirekt teilgeständig

Millionenerbe Carl Hirschmann verzichtet auf eine vollständige Berufung und gilt somit als verurteilter Sexualstraftäter.

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Carl Hirschmann ist mit seiner Beschwerde vor dem Bundesgericht abgeblitzt. Die Lausanner Richter bestätigten das Urteil des Zürcher Obergerichts, gegen das sich Hirschmann noch im November 2012 (Bild) zur Wehr gesetzt hatte. Das Zürcher Obergericht sprach am 21. November 2012 eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 32 Monaten gegen Hirschmann aus. Das Bundesgericht stützt dieses Urteil. 12 Monate seiner Strafe muss Hirschmann definitiv absitzen. Staatsanwalt Daniel Kloiber hatte eine Strafe von 42 Monaten unbedingt gefordert. Das Medieninteresse vor dem Zürcher Obergericht war gross. Zuerst hatte der Fall das Bezirksgericht Zürich beschäftigt. Dieses verurteilte den Millionenerben am 9. September 2011 wegen mehrfacher sexueller Nötigung, Körperverletzung und Sex mit Minderjährigen zu 33 Monaten Freiheitsstrafe. Doch Hirschmann zog einen Teil der Anklagepunkte des Urteils weiter. Der 31-jährige Carl Hirschmann ist der Sohn von Carl Junior und der Enkel von Carl W. Hirschmann Senior, der vor über 40 Jahren die Firma Jet Aviation gründete. Ende 2008 wurde das Unternehmen der Hirschmanns für 2,45 Milliarden Schweizer Franken vom US-Rüstungskonzern und Flugzeugbauer General Dynamics übernommen. Für Aufmerksamkeit sorgte Hirschmann Junior erstmals 2003 mit der Behauptung, er habe eine Affäre mit Paris Hilton gehabt. 2007 eröffnete Carl Hirschmann im obersten Stock des Bally-Hauses an der Zürcher Bahnhofstrasse den Club Saint Germain. Zu seinen prominenten Party-Bekanntschaften gehören US-Schauspielerin Tara Reid ... ... oder das israelische Model Bar Refaeli. Hirschmanns Club Saint Germain empfing oft internationale Musiker wie Kid Cudi und The Game. 2009 schaffte es der Jetset-Unternehmer mit seiner Kurzbeziehung zu Whitney Toyloy in die Schlagzeilen. Anfang November 2009 wurde er in Zürich festgenommen. Am 2. Dezember 2009 befand ein Basler Strafgericht Carl Hirschmann wegen einer Schlägerei in einem Club der Körperverletzung und der Tätlichkeiten für schuldig.

Der Zürcher Millionenerbe Carl Hirschmann gehört laut einem Gutachten der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich einer «Risikopopulation» an. Weitere Delikte seien nicht auszuschliessen.

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Immer wieder hat Carl Hirschmann vor Gericht beteuert, er habe nie eine Frau in ihrer sexuellen Integrität verletzt. Das Urteil vom 9. September 2011 wollte der Millionenerbe nicht akzeptieren und in Berufung gehen. Doch Hirschmann verzichtet teilweise darauf, wie der «Tages Anzeiger» schreibt. Der 31-Jährige ist damit definitv ein Sexualstraftäter.

Hirschmann akzeptiert indirekt einen Teil des Urteils

Der Rückzug seiner Berfung betrifft den Schuldspruch im «Fall Diagonal». 2005 hatte Hirschmann eine Bekannte aus Kindheitstagen in der Personaltoilette des Zürcher Clubs Diagonal zum Oralverkehr gezwungen. Das Bezirksgericht verurteilte das Vorgehen als sexuelle Nötigung, was Hirschmann nun akzeptiert. Jedoch bestreitet Hirschmann weiterhin, eine junge Frau auf der Terrasse seines damaligen Clubs Saint Germain in Zürich in ähnlicher Manier missbraucht und geschlagen zu haben. In diesem Fall gilt weiterhin die Unschuldsvermutung.

Es lägen Merkmale einer «Psychopathy» vor

Lange Zeit blieb auch das begründete Urteil im Fall Carl Hirschmann unter Verschluss, insbesondere auch das psychiatrische Gutachten. Nun hatte der «Tages Anzeiger» offenbar Einsicht in die 111 Seiten bekommen. Gutachter Elmar Habermayer von der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich ordnet den Millionenerben einer «Risikopopulation» zu. Wörtlich heisst es: «So hielt der Gutachter fest, dass insbesondere betreffend die sexuellen Handlungen mit Kindern sowie die sexuellen Nötigungen eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür bestehe, dass der Beschuldigte in Zukunft weitere ähnliche Delikte begehe.»

Zu diesem Schluss kommt der Gutachter «aufgrund der promiskuitiven und augenblicksgebundenen Lebensführung des Beschuldigten». Zudem lägen Merkmale einer «Psychopathy» vor. Habermayer hält zudem fest, dass es Hirschmann am Problembewusstein und an Veränderungsbereitschaft mangle. Er ortete laut dem Urteil «gravierende kriminalprognostische Bedenken im Bezug auf das zukünfitge Verhalten des Beschuldigten.»

Hirschmann war bereits vorbestraft

Ebenfalls kam heraus, dass Hirschmann offenbar bereits in früheren Jahren mehr Kontakt mit der Strafjustiz hatte, als bisher angenommen. Bisher beteurte der Partyveranstalter stets, sein Strafregister sei leer. Doch im Urteil stehe: «Carl Hirschmann ist vorbestraft.» So sind Fälle aus dem Jahr 2001, 2004 und 2009 aktenkundig. Dabei handelt es sich um grobe Verletzungen der Verkehrsregeln mit einer bedingten Strafe von einer Woche Gefängnis und einer Busse im Jahr 2001. 2004 erhielt er gar eine bedingte Strafe von zwei Monaten Haft.

Zudem «wurden bereits in früheren Jahren diverse Strafverfahren (wegen Köperverletzung, Angriff, Drohung sowie sexuelle Handlungen mit Kindern) gegen den Beschuldigten Carl Hirschman geführt, wobei diese - in den überwiegenden Fällen wegen Rückzug des Strafantrags durch die Geschädigten - allesamt eingestellt wurden.»

Neuer Anwalt will Teilfreispruch erwirken

Hirschmanns neuer Anwalt Christoph Hohler wollte sich gegenüber dem «Tages Anzeiger» zur Berufung seines Mandanten nicht äussern. Er will wohl einen Teilfreispruch im Fall Saint Germain und so - auch dank mehr Reue und Einsicht von Hirschmann - eine reduzierte Strafe erwirken. Dem gegenüber steht aber die Forderung des Staatsanwalts, der eine Strafe von 48 Monaten Haft verlangt und ebenfalls Berufung eingelegt hat.

(isa)