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Swiss Music Awards
03. März 2010 07:38; Akt: 03.03.2010 10:44 Print
Wenn der Lückenbüsser zum Star wird
von Philipp Dahm - Wann darf sich ein Musik-Ereignis wichtig nennen? Wenn alles, was Rang und Namen hat, dabei ist, und wenn Schweizer Künstler gekonnt die ungewollten Pausen der Grossen füllen.
Wäre der Swiss Music Award menschlich, wäre er ein Kleinkind. Gerade mal drei Jahre wurde er am 2. März, doch die Geburtstagsfeier im Zürcher Schiffbau hat gezeigt, dass sich der kleine Knirps schon eine Menge Freunde gemacht hat. Von Showgeschäft-Dinos wie Krokus oder Gölä einmal abgesehen flanierten Schweizer Akustik-Künstler ersten Ranges über den roten Teppich. Dada Ante Portas, Lovebugs, Baschi und Bligg waren zugegen, doch den bemerkenswertesten Auftritt des Abends hatte wohl Marc Sway.
Die Show wird am 3. März um 20.15 Uhr auf ProSieben Schweiz nachgeliefert. Im Laufe dieses Mittwochs lesen Sie auf 20 Minuten Online weitere Geschichten rund um die glamouröse Gala.Sway macht auf Ke$ha und Bushido den Schweiz-Fan
Der Sänger entpuppte sich als mehr als nur ein Lückenfüller, als US-Sängerin Ke$ha ihren Auftritt versäumte. Das gewohnt sichere Moderatoren-Duo Melanie Winiger und Marco Fritsche meisterte die entstandene Lücke wie auch den Rest des Abends souverän, fand dann aber in Sway seinen Meister. Als ihm das Mikro dargeboten wurde, plauderte er nicht nur munter drauflos, sondern besass auch die Chuzpe, die leere Bühne zu besetzen, sich die liegen gebliebene Gitarre von Milow zu schnappen und ein Lied zum Besten zu geben. Der Mann veröffentlicht am 12. März ein neues Album – und das sagt er auch. Doch sein Auftritt ist spontan und gut dazu: Das Publikum dankt dem grandiosen Pausenfüller mit Ovationen. Hut ab!
Den Hut genommen hat nach ihrem dann doch noch erfolgten Auftritt Ke$ha: Die Amerikanerin blieb entgegen zuvor geträllerter Aftershow-Ambitionen nicht in Zürich, sondern verschwand flugs Richtung Flughafen. Einen deutlich anständigeren Eindruck hinterliess dagegen ein Gast aus dem Norden: Bushido kam rechtzeitig – und servierte mit seinem Label-Kollegen Kay One eine augenzwinkernde Prise deutschen Raps. Anschliessend rapportierte er in jedes weitere Mikrofon, wie sehr er die Schweiz schätzt. Zugegeben: Er verkauft sich hierzulande auch gut.
Die Altmeister und die Indianer-Squaw
Und trotz aller Namen, die bisher gefallen sind, ist noch gar nicht von den Gewinnern gesprochen worden. Allen voran die Altmeister Yello, die sich einen Sonderpreis für ihr Lebenswerk und mit «Touch Yello» den Titel in der Kategorie «Best Album Pop/Rock National» erarbeitet haben. Auch Stress wurde zweifach prämiert: Der Welsche war verantwortlich für das beste Schweizer Lied («Tous les mêmes» mit Karolyn) und das beste Album der Kategorie «Best Album Urban National» («Des rois, des pions et des fous»).
Zwei weitere Preisträger glänzten auch durch ihre Outfits: Big Zis («Jury Prize») sorgte als Indianer-Squaw für einen fröhlichen Farbtupfer in der Gala-Garderobe. DJ Antoine («Best Album Dance National») wurde wegen seines lila Anzugs von Moderatorin Melanie Winiger mit dem Satz bedacht: «Lady Gaga is in the house.» Das sorgte für Lacher im Publikum, aber auch beim Leidtragenden selbst, der das Ganze mit Humor nahm.
Nadine Vinzens liest Film-Script
«Best Newcomer National» ist die Bieler Band Pegasus, die internationalen Preisträger kamen hingegen nicht. Angesichts illustrer Namen wie Lady Gaga («Best Song International»), Black Eyed Peas («Best Album Urban International») und Pink («Best Album Pop/Rock International») ist das aber auch nicht wirklich verwunderlich. Zumindest fand der auch hierzulande recht erfolgreiche Sänger Milow seinen Weg nach Zürich: Der Belgier ist «Best Newcomer International».
International ist auch das Motto von Nadine Vinzens: Die Teilzeit-Amerikanerin verriet, dass sie gerade ein Film-Script liest. «Etwas zwischen Fantasy, Comedy und Drama, ich freue mich riesig.» Mit Shootings und Werbespots wie zuletzt für einen Elektronikkonzern sei sie gut ausgelastet. Apropos: Model Julia Saner wunderte sich ob des Rummels auf dem roten Teppich, ob das Interesse an ihr vor einem Jahr wohl ähnlich gross gewesen wäre, während DJ Mr. Da-Nos bekundete, die Schweizer Musikszene brauche mehr Aufmerksamkeit.
Für die Swiss Music Awards gilt das indes nicht mehr: Trotz seines zarten Alters hat sich die Veranstaltung gemausert und Zeichen gesetzt. Was erwartet das Publikum wohl zur Volljährigkeit? Kommen dann auch Gaga, Pink und die Peas?

























