Facebook-Gruppe

04. Mai 2010 13:00; Akt: 04.05.2010 17:00 Print

Fremdschämen mit Frei

von Philipp Dahm - Mit seinem Hip-Hop-Song hat Alexander Frei ein ganz übles Eigentor geschossen: Jetzt wurde die erste Facebook-Gruppe gegründet, in der die Mitglieder ihre Scham über den Schweizer teilen.

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Frei erfunden? Nein, Alexander Frei ist wirklich ein prominenter Neuzugang in der Bildstrecke «Singende Kicker». Sein Komplize beim Stück «Zeig Gsicht» ist Rapper Bandit. Er kann es zwar nicht, tut es aber trotzdem: Fussballheld, Frauenschwarm und nicht-Popstar Cristiano Ronaldo setzte für eine Werbekampagne in Portugal die Kopfhörer auf und jaulte ins Mikrofon. Er ist aber beileibe nicht der einzige «Musik-Kicker». Ex-Nati-Spieler Daniel Gygax etwa hat sich einen Namen als DJ gemacht. Er legt Techno und House auf, aber ursprünglich geht es ja um singende Kicker. Also zurück zum Thema. Maradona etwa hat sich schon ans Mikro gestellt. Hier eine Szene aus einem Kusturica-Film. Der im deutschsprachigem Raum vielleicht bekannteste Ball-Barde ist natürlich «der Kaiser» alias Franz Beckenbauer. «Gute Freunde kann niemand trennen» ist ein Ohrwurm der quälenden Art. Apropos Deutsche ... TV-Mann Michael Schanze tat sich 1982 mit den deutschen Nationalspielern zusammen und schmetterte: «Olé Espana» mit tollen Titeln wie «Buda gegen Pest», «Doswidana Moskau» und «Adios Espana». Zur WM 1986 tat sich Peter Alexander mit der deutschen Nationalelf zusammen. Auf der LP «Mexico Mi Amor» waren Knaller wie «Wir seh'n uns wieder Amigos (Ay, Ay, Ay)» und der «Der Fussball-Rap» zu hören. Vier Jahre später war Udo Jürgens an der Reihe, der mit der DFB-Elf zusammen drohte: «Wir sind schon auf dem Brenner». Eine kostprobe: «D'rum nichts wie hin, hinter uns liegt der Inn/ und vor uns liegt der Po./ Die Welt spielt sich frei/ und ... ... auch wir sind dabei,/ hollahi, hollaho!» Das war textlich derart stark, das Jürgens noch «Sempre Roma» hinterschickte. Immerhin: In Italien holten sich die Nachbarn den WM-Titel - trotz des Gesangs. 1994 nahm Schlager-Engel Nicole («Ein bisschen Frieden») mit der DFB Auswahl das Stück «It's Just a Game» auf. «Das Lied war tot, als die Spieler ausgeschieden waren», sagt die Sängerin dazu dem «Stern». Kevin Keegan ist Engländer, kein Deutscher. Dennoch brachte er es mit «Head over hels in Love» 1979 im Nachbarland weiter als auf der Insel. In Deutschland belegte er Rang zehn der Charts, in England Platz 31. Und wo wir gerade bei den Briten sind: Für das Cup-Finale 1988 nahmen die Spieler des FC Liverpool den «Anfield Rap auf». Glenn Hoddle und Chris Waddle von den Tottenham Hotspurs legten mit «Diamond Lights» 1987 ein Popstück hin, das als Archetyp für Popsongs aus dieser Zeit dienen könnte. Zurück nach Deutschland: 1965 stellte sich HSV-Ass Charly Dörfel hiner das Mikrofon «Das kann ich dir nicht verzeih’n / Erst ein Kuss». Humor bewies er, als er nach einer gelben Karte dem Schiri einen falschen Namen nannte. «Meier» ... ... flog daraufhin vom Platz. Gerd Müller trällerte 1967 «Raba da da - Nur jetzt nicht weinen». Passend dazu sein Spitzname «Der Bomber», die er aber wegen seiner Torgefäghrlickeit und nicht wegen seiner Stimme bekam. Das Singen scheint dem Stürmer derart Spass gemacht zu haben, dass er 1974 einen nachlegte: «Das gibt ein Schützenfest», lautete der Titel, den ein Goalie so nicht zu Besten gegeben hätte. Fritz Walter, der 2002 verstorbene Nationalkicker aus Kaiserslautern, nahm den Sprechgesang «Die schönste Zeit unseres Lebens» auf, der aber erst 1994 veröffentlicht wurde. Der Österreicher Toni Polster ging mit den «fabulösen Thekenschlampen» ins Tonstudio, um das Meisterwerk «Toni lass es polstern» einzuspielen. Sein Landsmann Hans Krankl hat sich ebenfalls im Singen probiert. Heraus kam dabei «Ohne Ball'n und ohne Netz». Thomas Brdaric fühlte sich ebenfalls zum Singen berufen und ist für das Lied «Die wilde 13» verantworltich. Das beginnt so: «Lange,blonde Haare, blaue Augen ach wie schön./ An einem heissen Sonntag habe ich sie baden sehn.» Uli Borowka war in der Bundesliga als harter Hund bekannt. Gegenspieler Olaf Thon empfing er einmal mit den Worten: «Ich brech' Dir gleich beide Beine.» Mit der Theken-Band Dimple Minds machte er die Single ... ... «Barfuss oder Lackschuh» auf. Einen sinnvolleren Titel für sein Songdebüt erwählte sich HSV-Goalie-Legende Rudi Kargus: «Auch Elfmeter kann man halten.» Auch Jimmy Hartwig spielte einmal beim Hamburger Sportverein. Als der Mannschaftsbus nach der Meisterfeier 1982 stehenblieb, schmetterte er sein Lied für die Kollegen. Die brasilianischen Bundesliga-Angestellten Ratinho, Sergio und Giovanni Elber sangen 1998 «The Laughter of the Children». Wie man sich als neuer Mitarbeiter des FC Bayern München beliebt macht, zeigte der belgische Goalie Jean Marie Pfaff, als er 1984 «Jetzt bin ich ein Bayer» intonierte. Dass Bayern-Goalie Sepp Maier 1968 mit «Die Bayerische Loreley» auch ein Lied gesungen hat, passt da in den Kontext. Und noch ein singender Keeper - die Herren haben offenbar viel Zeit für Musse: Radi Radenkovic trällerte 1965 «Bin i Radi - bin i König». Aller klar? Der frühere Leverkusener Carsten Ramelow versuchte 2006 mit «Sing When You Are Winning» die Charts zu stürmen, schoss am Ende aber doch ein Eigentor. In Anlehnung an das «magische Dreieck» des VFB Stuttgart (Bobic, Elber und Krassimir Balakow) nahm Fredi Boboc mit den Kollegen Gerd Poschner und Marco Haber «Das tragische Dreieck» auf. Trainer Klaus Schlappner veröffentlichte 1985 den «Schlappi Räp». Auch Trainer Willi «Ente» Lippens wagte sich ans Musizieren und machte mit Sänger Erwin Weiss das Stück «Anne Kohlenhalde». Anno 1982 nahmen Stefan Engels und Paul Steiner die Instrumental-Single «Fussballshow» auf. Trainer Dragoslach Stepanowitz befand mit breitem hessischen Akzent 1997: «Läbbe geht waider!». Apropos Hessen: Jay Jay Okocha sang 1994 für alle, die seinen Namen vergessen haben: «I I Am Am J J». «Darum weisst du nichts von mir», befand der Schalker Norbert Nigur und sang mit mehreren Singles (erfolglos) dagegen an. Dirk Lottner und et Fussich Julchen nahmen anno 200 «Mir sin kölsche Junge» auf. Auch sowas mmuss es geben: Die Mannschaft des VfB Oldenburg bescherte uns zum heiligen Fest 1997 den «VfB Merry Xmas Rap». Günther Holz und die Original Zeppelinheimer mit «Fussball - Polka / 1-2-3-4 Bier».

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Alexander Freis Rap-Auftritt ist eine Steilvorlage für Lästermäuler. Nicht bloss seine Kollegen wie Manillio, Brandhärd-Sänger Fetch oder Rapper Griot finden den Auftritt des Stürmers daneben (20 Minuten Online berichtete), sondern auch diverse Fans von der Basis. Einer von ihnen ist der Schweizer Simon H., der aus dem für die Ohren tragischen Anlass jetzt eine Facebook-Gruppe gegründet hat. Deren Motto lautet: «Wir schämen uns für dich, Alex Frei!»

Knapp 450 Neu-Mitglieder in knapp 24 Stunden zeigen, dass Simon nicht alleine dasteht mit seiner Meinung. «Ich habe grundsätzlich nichts gegen Fanlieder und Nationalstolz im Fussball, aber wenn, dann sollte man das auch einigermassen umsetzen und nicht irgendeinen Ami-Bling-Clip drehen», befindet etwa User Lorin. «Uuuuuuuuuuuuuhuere peinlich», stimmt Bryan ein. «Ich habe es fast nicht glauben können.» Während Livio einen «Hobby-Gangster» ausgemacht hat, schämt sich Fabiana fremd und Gianluca bemüht höhere Gewalten: «Oh mein Gott, bitte sag, dass das nicht wahr ist.»

«Riesen-Verarschung für den Schweizer Psalm»

Natürlich gibt es auch explizitere Kommentare: Als «Opfer Number One» tituliert User Flurin den Goalgetter, während Mattia pöbelt: «Riesen-Verarschung für den Schweizer Psalm». «Wie alt bist du, Alex», fragt Michael und Damian wundert sich, warum so einer noch ein Nati-Trikot trägt. Claudio giesst Öl ins Feuer: «Wie zerstört man sein Image? 1.) Man wechselt zum FC Basel 2.) Man nimmt einen solchen Song auf»

Gruppen-Gründer Simon hatte nicht mit derart schnell eintrudelnden Reaktionen und diesem Zuspruch gerechnet. «Ich bin total überrascht. Schon nach nur einem halben Tag hatte die Gruppe bereits 450 Mitglieder», bestätigte er 20 Minuten Online. Gleichzeitig betonte er jedoch, dass er Frei nicht fertigmachen wolle: «Es soll keine Hass-Gruppe gegen Alex sein», stellt er klar. «Ich selber bin FCB-Fan und habe auch nichts gegen Alex. Doch er sollte doch lieber beim Fussball bleiben.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Oleg am 05.05.2010 15:58 Report Diesen Beitrag melden

    Wo liegt das Problem?

    Soll er doch machen, was er will. Er tut keinem weh und Selbstironie hat bisher auch noch keinem geschadet. Das Video kann man finden, wie man will. Aber Alex Frei so dafür zu dissen finde ich schon sehr merkwürdig.

  • schmitti am 05.05.2010 11:24 Report Diesen Beitrag melden

    peinlich

    peinlich für bandit, peinlich für frei. ein weiteres kapitel in der geschichte "peinlichstee fussballsongs". etwa auf diesem niveau:

  • hopp schwiiz am 04.05.2010 21:23 Report Diesen Beitrag melden

    ...

    eifach nur truurig..!!!!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Nadja am 06.05.2010 12:30 Report Diesen Beitrag melden

    Werbung

    Alleine schon die Diskussionen darüber machen diese Werbung für Zweifel unbezahlbar - das nenne ich Marketing!!

  • Der Seher am 06.05.2010 09:52 Report Diesen Beitrag melden

    Sarkasmus und Ironie nicht erkannt

    Ich glaube ja das Alex Frei genau wusste was er tut. Das Auftreten im übertreibenen weissen Mantel und dem goldenen Umhänger ist der perfekte Seitenhieb auf die selbstverliebte Rapszene. Das Video ist perfekt inszeniertes Marketing. Mit soviel Ironie und Sarkasmus das die meisten leuten "den Walf vor lauter Bäumen" nicht sehen. Gratulationen zum nun Viralen Marketing!! und Schweizer Promies macht weiter so. Mehr Ironie und Sarkasmus im Alltag. Das einzige was mir Angst macht ich wie "getüpft" die Rapszene reagiert ;)

  • Oleg am 05.05.2010 15:58 Report Diesen Beitrag melden

    Wo liegt das Problem?

    Soll er doch machen, was er will. Er tut keinem weh und Selbstironie hat bisher auch noch keinem geschadet. Das Video kann man finden, wie man will. Aber Alex Frei so dafür zu dissen finde ich schon sehr merkwürdig.

  • gast / gast am 05.05.2010 14:19 Report Diesen Beitrag melden

    gut

    ich finds gut...

  • Mücke am 05.05.2010 13:33 Report Diesen Beitrag melden

    Wirft Fragen auf???

    bei der Hymne vor dem Spiel verzieht fast kein Spieler, insbesondere Frei, das Gesicht und singt mit... Aber bei so einem nach meinermeinung nach Skandal macht man mit??? wirft nur noch Fragen auf???

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