Expertenmeinung

27. Januar 2012 15:01; Akt: 27.01.2012 15:10 Print

Was Carl Hirschmann erwarten dürfte

von Kaspar Isler - Carl Hirschmann ist teilgeständig und gilt somit als verurteilter Sexualstraftäter. Strafrechts-Professorin Brigitte Tag analysiert die neusten Fakten zum Fall des gefallenen Millionenerben.

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Carl Hirschmann ist mit seiner Beschwerde vor dem Bundesgericht abgeblitzt. Die Lausanner Richter bestätigten das Urteil des Zürcher Obergerichts, gegen das sich Hirschmann noch im November 2012 (Bild) zur Wehr gesetzt hatte. Das Zürcher Obergericht sprach am 21. November 2012 eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 32 Monaten gegen Hirschmann aus. Das Bundesgericht stützt dieses Urteil. 12 Monate seiner Strafe muss Hirschmann definitiv absitzen. Staatsanwalt Daniel Kloiber hatte eine Strafe von 42 Monaten unbedingt gefordert. Das Medieninteresse vor dem Zürcher Obergericht war gross. Zuerst hatte der Fall das Bezirksgericht Zürich beschäftigt. Dieses verurteilte den Millionenerben am 9. September 2011 wegen mehrfacher sexueller Nötigung, Körperverletzung und Sex mit Minderjährigen zu 33 Monaten Freiheitsstrafe. Doch Hirschmann zog einen Teil der Anklagepunkte des Urteils weiter. Der 31-jährige Carl Hirschmann ist der Sohn von Carl Junior und der Enkel von Carl W. Hirschmann Senior, der vor über 40 Jahren die Firma Jet Aviation gründete. Ende 2008 wurde das Unternehmen der Hirschmanns für 2,45 Milliarden Schweizer Franken vom US-Rüstungskonzern und Flugzeugbauer General Dynamics übernommen. Für Aufmerksamkeit sorgte Hirschmann Junior erstmals 2003 mit der Behauptung, er habe eine Affäre mit Paris Hilton gehabt. 2007 eröffnete Carl Hirschmann im obersten Stock des Bally-Hauses an der Zürcher Bahnhofstrasse den Club Saint Germain. Zu seinen prominenten Party-Bekanntschaften gehören US-Schauspielerin Tara Reid ... ... oder das israelische Model Bar Refaeli. Hirschmanns Club Saint Germain empfing oft internationale Musiker wie Kid Cudi und The Game. 2009 schaffte es der Jetset-Unternehmer mit seiner Kurzbeziehung zu Whitney Toyloy in die Schlagzeilen. Anfang November 2009 wurde er in Zürich festgenommen. Am 2. Dezember 2009 befand ein Basler Strafgericht Carl Hirschmann wegen einer Schlägerei in einem Club der Körperverletzung und der Tätlichkeiten für schuldig.

Im Januar 2012 erhält der «Tages Anzeiger» Einsicht ins psychiatrische Gutachten von Carl Hirschmann. Zudem gibt sich der Millionenerbe teilgeständig und gilt nun offiziell als Sexualstraftäter.

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Am 9. September 2011 wurde der Millionenerbe Carl Hirschmann zu einer Freiheitsstrafe von 33 Monaten verurteilt. Nun reicht Hirschmann gemäss «Tages Anzeiger» nicht gegen alle Anklagepunkte Berufung ein. Der ehemalige Clubesitzer gibt zu, 2005 eine Kindheitsbekanntschaft auf der Personal-Toilette des Clubs «Diagonal» zu Oralverkehr gezwungen zu haben.

Diese Nachricht überrascht. Hatte Hirschmann doch noch vor wenigen Monaten seine Unschuld beteuert. Prof. Dr. iur. utr. Brigitte Tag von der Universität Zürich sieht im Teilgeständnis keinen taktischen Schachzug: «Sein Rückzug bezieht sich auf einen isolierten Sachverhalt, der mit den anderen Anklagepunkten nicht in direktem Zusammenhang stand», so die Expertin. Daher ist es unwahrscheinlich, dass Hirschmann aufgrund dieses Geständnisses mit Strafmilderung rechnen kann.

Das Gericht muss ambulante oder stationäre Massnahmen prüfen

Der «Tages Anzeiger» hatte Einsicht in die 111 Seiten des bisher unter Verschluss gehaltenen psychiatrischen Gutachtens. Dieses diagnostizierte bezüglich den sexuellen Handlungen mit Kindern eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass Hirschmann in Zukunft ähnliche Delikte begehen könnte.

Die Auswirkungen eines derartigen Gutachtens können fatal sein: «Das Gericht misst die Strafe nach dem Verschulden des Täters zu. Dabei wird auch berücksichtigt, ob der Täter überhaupt in der Lage war, die Verletzung des Opfers zu vermeiden. Erkennt die Justiz ein Behandlungsbedürfnis des Täters, ist die Strafe allein nicht geeignet, der Gefahr weiterer Straftaten des Täters zu begegnen», erklärt Tag. Sprich eine Freiheitsstrafe alleine ist in Anbetracht dieses psychiatrischen Gutachtens kaum ausreichend.

Anpassung des Urteils unwahrscheinlich

Der neue Anwalt von Carl Hirschmann fordert einen Teilfreispruch. Ebenfalls Berufung eingelegt hat aber auch der Staatsanwalt und plädiert für 48 Monate Haft. Eine Prognose abzugeben ohne Einsicht in alle relevanten Akten ist auch für die Strafrechts-Expertin nicht möglich. Doch die Einschätzung von Prof. Dr. iur. utr. Brigitte Tag prognostiziert dem Millionenerben kaum Erfolgschancen: «Wenn das Berufungsgericht bezüglich des festgestellten Sachverhaltes keine Mängel im erstinstanzlichen Urteil feststellt, bleibt die Strafzumessung im Grossen und Ganzen erhalten. Denn sie kann nur auf grobe Fehler überprüft werden», so Tag gegenüber 20 Minuten Online.


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