Hirschmann-Prozess

09. September 2011 18:21; Akt: 09.09.2011 20:54 Print

33 Monate für Carl Hirschmann33 Monate für Carl Hirschmann

von A. Hirschberg - Carl Hirschmann ist schuldig. Er wurde wegen mehrfacher sexueller Nötigung und Sex mit Minderjährigen zu 33 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Davon muss er 14 Monate absitzen.

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Das Urteil ist gesprochen: Carl Hirschmann wurde am 9. September 2011 vom Bezirksgericht Zürich wegen mehrfacher sexueller Nötigung, Körperverletzung und Sex mit Minderjährigen zu 33 Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Davon muss er 14 Monate absitzen. Hirschmann zieht einen Teil der Anklagepunkte des Urteils weiter an das Zürcher Obergericht. Am 7. und 8. September 2011 musste sich Carl Hirschmann vor dem Zürcher Bezirksgericht verantworten. Der Millionenerbe bestritt alle Vorwürfe. Der 31-jährige Carl Hirschmann ist der Sohn von Carl Junior und der Enkel von Carl W. Hirschmann Senior, der vor über 40 Jahren die Firma «Jet Aviation» gründete. Ende 2008 wurde das Unternehmen der Hirschmanns für 2,45 Milliarden Schweizer Franken vom US-Rüstungskonzern und Flugzeugbauer General Dynamics übernommen. Für Aufmerksamkeit sorgte Hirschmann Junior erstmals 2003 mit der Behauptung, er habe eine Affäre mit Paris Hilton gehabt. 2007 eröffnete Carl Hirschmann im obersten Stock des «Bally»-Hauses an der Zürcher Bahnhofstrasse den Club «Saint Germain». Zu seinen prominenten Party-Bekanntschaften gehören US-Schauspielerin Tara Reid ... ... oder das israelische Model Bar Refaeli. Hirschmanns Club Saint Germain empfing oft internationale Musiker wie Kid Cudi und The Game. 2009 schaffte es der Jetset-Unternehmer mit seiner Kurzbeziehung zu Whitney Toyloy in die Schlagzeilen. Anfang November 2009 wurde er in Zürich festgenommen. Am 2. Dezember 2009 befand ein Basler Strafgericht Carl Hirschmann wegen einer Schlägerei in einem Club der Körperverletzung und der Tätlichkeiten für schuldig. Er hatte den Basler Jungpolitiker Raphael Guldimann spitalreif geschlagen und dessen Freundin als Antwort auf eine Abfuhr eine schallende Ohrfeige verpasst. Hirschmann zog das Urteil weiter. Im Oktober 2010 zog Guldimann aber die Anzeige überraschend zurück, das Verfahren wurde eingestellt. Ob dabei Geld geflossen ist, darüber schweigen beide Parteien. In der Nacht auf den 21. März 2010 prügelte sich Hirschmann in der Lobby des Dolder Grand mit dem Mister Schweiz 2004, Sven Melig. Am 30. März 2010 wird der Clubbesitzer erneut verhaftet - diesmal in seiner Dauersuite im Hotel Dolder Grand: Gegen ihn ging eine Anzeige wegen sexueller Handlungen mit einer Jugendlichen im Schutzalter ein.

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Die ursprünglich auf 16.30 Uhr angesetzte Verkündung des Urteils von Carl Hirschmann verzögerte sich lange. Erst nach 17.45 Uhr wurde es vom Bezirksgericht Zürich verlesen. Der vorsitzende Richter Sebastian Aeppli entschuldigte sich dafür. Der Fall sei einfach schwierig gewesen.

Das Urteil lautet: Hirschmann ist schuldig der mehrfachen sexuellen Nötigung; schuldig der mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern und der mehrfachen versuchten Nötigung sowie der einfachen Körperverletzung und wegen Tätlichkeiten.

Das Bezirksgericht Zürich hat den 31-Jährigen deshalb zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 33 Monaten bei einer Probezeit von zwei Jahren verurteilt. Davon werden 19 Monate aufgeschoben, 14 Monate muss Hirschmann ins Gefängnis - die Untersuchungshaft von sieben Tagen wird davon abgezogen. Zudem wurde gegen den 31-Jährigen eine Busse von 4000 Franken verhängt. Den Privatklägerinnen muss Hirschmann Schadenersatz und Genugtuung in Höhe von insgesamt 43 600 Franken zahlen und Prozessentschädigungen von über 130 000 Franken.

Gericht verlangt hohe Fluchtkaution

Die Bewährungsfrist läuft ab sofort. Delinquiert Hirschmann erneut, kann die Strafe ganz vollzogen werden. Das würde heissen, dass Hirschmann 33 Monate ins Gefängnis müsste. Zusätzlich zur bereits bezahlten Fluchtkaution von einer Million Franken wurde gegen Hirschmann eine Fluchtkaution von vier Millionen Franken verhängt. Diese muss er bis 19. September bezahlen. Tut er dies nicht, wird er in Sicherheitshaft genommen. Die Fluchtkaution wird beim Antritt der Strafe freigegeben.

Die Fluchtgefahr bestehe, weil Hirschmann keinen festen Wohnsitz in der Schweiz habe und zudem französisch-schweizerischer Doppelbürger sei, sagte der Richter. Man habe sich aber gegen Sicherheitshaft entschieden und ziehe die vier zusätzlichen Millionen vor.

Kein leichtes Verschulden

An Hirschmann gerichtet sagte er, dass dieser seine körperliche Überlegenheit ausgenutzt habe. «Wenn Sie etwas nicht kriegen, verfolgen Sie rücksichtslos ihr Ziel.» Dabei sei «ein Nein aber immer ein Nein». Dieses Verhalten sei inakzeptabel, das Verschulden wertete er als nicht mehr leicht.

Besonders übel nahm ihm das Gericht die Aussage, dass man eine Frau gar nicht zum Oralsex zwingen könne, weil sie ja «einfach den Mund zuhalten kann». Das sei, wie wenn man Vergewaltigungen für unmöglich halte, weil Frauen ja die Beine zusammenhalten könnten, sagte der Richter.

Gericht nicht zuständig für Vorfälle im Ausland

Nicht eingetreten ist das Gericht dagegen auf jene Vorfälle, die sich im Ausland in London und in Saint Tropez ereignet haben sollen. Hirschmann hatte Glück, dass sich das Zürcher Bezirksgericht für diese Fälle nicht als zuständig erachtete. Wäre er auch für diese Körperverletzungen und Tätlichkeiten verurteilt worden, wäre die Strafe wohl noch härter ausgefallen. Straferschwerend kam hingegen Hirschmanns Vorstrafe wegen schwerer Verkehrsdelikte hinzu.

Strafmildernd wiederum war das Geständnis, Sex mit einer 15-jährigen Schülerin gehabt zu haben - und das Leid, das er ertragen musste, weil er die letzten Monate vor dem Tod des Vaters wegen einer Reisesperre nicht mit diesem verbringen konnte. Carl Hirschmann senior starb im Juli 2010.

Urteil emotionslos entgegengenommen

Hirschmann nahm das Urteil emotionslos entgegen und verliess danach so schnell wie möglich das Gebäude. Ob Carl Hirschmann das Urteil ans Zürcher Obergericht weiterziehen wird, ist derzeit noch unklar. Er hat dafür 10 Tage Zeit. Seine Anwältin hatte aber bereits im Verlauf des Prozesses in Aussicht gestellt, dass sie dies tun werde. Staatsanwalt Daniel Kloiber zeigte sich nach dem Schuldspruch sehr zufrieden. Das Urteil widerspiegle die Schwere des Verschuldens, erklärte er gegenüber 20 Minuten Online.

Mit Material der Agentur sda

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