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Promi-Söhne
30. März 2010 10:46; Akt: 30.03.2010 14:28 Print
Das Kreuz mit dem goldenen Löffel
Hoher Erwartungsdruck, ständige Beobachtung, abwesende Eltern und ungewollte Aufmerksamkeit: Ob Hirschmanns Carl oder Goethes August - Promikinder haben es schwer.
Bildstrecke: Durchgeknallte Promi-Söhne.
August von Goethes und Carl Hirschmanns Seelenverwandtschaft erschliesst sich nicht auf den ersten Blick. Der eine war Schriftsteller, lebte vor zweihundert Jahren, der andere ist Clubbesitzer, fest verankert in der Gegenwart. In vielerlei (vor allem finanzieller) Hinsicht privilegiert, teilen sie doch ein hartes Los: Beide sind Söhne höchst erfolgreicher Väter, denen sie nacheifern und dabei statt Anerkennung ungewollte Aufmerksamkeit ernten: der eine mit seiner Alkoholsucht, der andere durch Prügeleien. Letztlich sind sie, wie die Amerikaner sagen, «berühmt dafür berühmt zu sein». So blieb August von Goethe Zeit seines Lebens der unbegabte Sohn des Dichterfürsten. Für Carl Hirschmann dürfte die ewige Rolle des «Milionärssohns» bleiben.
Und sie sind nicht allein. Die Namensliste ihrer Leidensgenossen liest sich wie ein Who-is-Who aus Adel, Unterhaltung, Politik und Wirtschaft: Hannibal Gaddafi, Prinz Harry, Guillaume Depardieu, John F. Kennedy Jr., Paris Hilton, Nicole Richie, Max Strauss, Kim Kardashian, Christian Brando. Mit ihrem ausschweifenden Lebensstil, ihren Verfehlungen und teilweise tragischen Lebensläufen haben sie beinahe die gleiche Berühmtheit erlangt wie ihre Väter.
Durchaus Parallelen
Gerhard Dammann, Chefarzt und Spitaldirektor der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen, glaubt, dass es gewisse Muster in den Biografien prominenter Kinder gibt, allerdings müsse man aus psychologischer Sicht differenzieren. Konkret nennt er vier Ebenen, die zu beachten sind:
1. Kind, insbesondere Sohn eines berühmten Vaters zu sein, ist auch eine Last, denn man wird ständig an ihm gemessen. Das führt zu hohen Erwartungen von einem selbst, vom Umfeld und vom Vater. August von Goethe zerbrach letztlich an diesen Erwartungen und starb - 41-jährig - an seiner Alkoholsucht. Dammann hält fest: «Das Verhältnis Sohn-Vater ist von einer besonderen Identifikations- und Konkurrenzsituation gekennzeichnet, die es zum Beispiel zwischen Tochter und Vater so nicht gibt».
2. Die Öffentlichkeit setzt strengere Massstäbe an die Kinder von Prominenten. Das heisst, es fällt eher auf, wenn das Kind einer Berühmtheit scheitert oder Probleme entwickelt. Der Vorfall im Hotel Dolder ist hierfür ein gutes Beispiel: Schlägereien werden von der Öffentlichkeit allenfalls in ihrer (zuletzt zunehmenden) Häufigkeit wahrgenommen, aber nicht als Einzelfall. Es sei denn, eine Person wie Carl Hirschmann ist darin verwickelt.
3. Berühmte und erfolgreiche Eltern sind häufiger abwesend und vielleicht stark mit sich selbst beschäftigt. Ihre Kinder werden dadurch möglicherweise in der Erziehung etwas vernachlässigt oder ihnen fehlen die notwendigen Strukturen. Carl Hirschmann selbst hat seine Kindheit in Interviews verschiedentlich als einsam bezeichnet. Seine Mutter zog nach der Scheidung nach Paris, sein Vater war beruflich sehr engagiert.
4. Ein ganz anderes Modell (genetisch-evolutionspsychologisch) besagt, dass es im Umfeld von Hochbegabung auch mehr psychische Probleme gibt. Dammann verweist auf eine schwedische Studie, die zeigt, dass hochbegabte Schüler später häufiger manisch-depressiv werden.
So liefert die Psychologie wenigstens einige Erklärungsansätze. Die kommen allerdings im Falle Carl Hirschmann erst dann zur Anwendung, wenn er auf eine neurologische Behandlung nicht ansprechen sollte. Noch besteht ja Hoffnung.
(khr)



























