Carl Hirschmann

18. November 2012 13:20; Akt: 18.11.2012 13:22 Print

Er kämpft mit neuem Anwalt für mildere Strafe

Der Millionenerbe will sein Luxusleben nicht gegen den Aufenthalt in einer Zelle tauschen. Am Dienstag kämpft der mit einem neuen Anwalt vor dem Zürcher Obergericht für ein milderes Urteil.

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Carl Hirschmann ist mit seiner Beschwerde vor dem Bundesgericht abgeblitzt. Die Lausanner Richter bestätigten das Urteil des Zürcher Obergerichts, gegen das sich Hirschmann noch im November 2012 (Bild) zur Wehr gesetzt hatte. Das Zürcher Obergericht sprach am 21. November 2012 eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 32 Monaten gegen Hirschmann aus. Das Bundesgericht stützt dieses Urteil. 12 Monate seiner Strafe muss Hirschmann definitiv absitzen. Staatsanwalt Daniel Kloiber hatte eine Strafe von 42 Monaten unbedingt gefordert. Das Medieninteresse vor dem Zürcher Obergericht war gross. Zuerst hatte der Fall das Bezirksgericht Zürich beschäftigt. Dieses verurteilte den Millionenerben am 9. September 2011 wegen mehrfacher sexueller Nötigung, Körperverletzung und Sex mit Minderjährigen zu 33 Monaten Freiheitsstrafe. Doch Hirschmann zog einen Teil der Anklagepunkte des Urteils weiter. Der 31-jährige Carl Hirschmann ist der Sohn von Carl Junior und der Enkel von Carl W. Hirschmann Senior, der vor über 40 Jahren die Firma Jet Aviation gründete. Ende 2008 wurde das Unternehmen der Hirschmanns für 2,45 Milliarden Schweizer Franken vom US-Rüstungskonzern und Flugzeugbauer General Dynamics übernommen. Für Aufmerksamkeit sorgte Hirschmann Junior erstmals 2003 mit der Behauptung, er habe eine Affäre mit Paris Hilton gehabt. 2007 eröffnete Carl Hirschmann im obersten Stock des Bally-Hauses an der Zürcher Bahnhofstrasse den Club Saint Germain. Zu seinen prominenten Party-Bekanntschaften gehören US-Schauspielerin Tara Reid ... ... oder das israelische Model Bar Refaeli. Hirschmanns Club Saint Germain empfing oft internationale Musiker wie Kid Cudi und The Game. 2009 schaffte es der Jetset-Unternehmer mit seiner Kurzbeziehung zu Whitney Toyloy in die Schlagzeilen. Anfang November 2009 wurde er in Zürich festgenommen. Am 2. Dezember 2009 befand ein Basler Strafgericht Carl Hirschmann wegen einer Schlägerei in einem Club der Körperverletzung und der Tätlichkeiten für schuldig. Er hatte den Basler Jungpolitiker Raphael Guldimann spitalreif geschlagen und dessen Freundin als Antwort auf eine Abfuhr eine schallende Ohrfeige verpasst. Hirschmann zog das Urteil weiter. Im Oktober 2010 zog Guldimann aber die Anzeige überraschend zurück, das Verfahren wurde eingestellt. Ob dabei Geld geflossen ist, darüber schweigen beide Parteien. In der Nacht auf den 21. März 2010 prügelte sich Hirschmann in der Lobby des Dolder Grand mit dem Mister Schweiz 2004, Sven Melig. Am 30. März 2010 wird der Clubbesitzer erneut verhaftet - diesmal in seiner Dauersuite im Hotel Dolder Grand: Gegen ihn ging eine Anzeige wegen sexueller Handlungen mit einer Jugendlichen im Schutzalter ein.

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Das Zürcher Bezirksgericht hat Hirschmann im September 2011 zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 33 Monaten verurteilt. Davon soll er 14 Monate absitzen. Die restlichen 19 Monate wurden mit einer Probezeit von zwei Jahren zur Bewährung ausgesetzt.

Verurteilt wurde der ehemalige Party-Organisator wegen mehrfacher sexueller Nötigung, mehrfacher sexueller Handlungen mit Minderjährigen, mehrfacher Nötigung und Körperverletzung.

Geständig war Hirschmann allerdings nur, was den Sex mit einer 15-Jährigen betraf. Diesen bezeichnete er während des Prozesses als «Dummheit».

Er hätte sich besser über das Alter des Mädchens informieren müssen, räumte er vor dem Bezirksgericht ein. Die zahlreichen anderen Vorwürfe - so soll er etwa Frauen in seinem Club «Saint Germain» zum Oralsex gezwungen haben - bestritt er vehement.

Leugnen war die falsche Taktik

Eine Frau könne man gar nicht zum Oralsex zwingen, argumentierte Hirschmann. «Sie kann ja einfach den Mund zuhalten.» Das Gericht reagierte erbost auf diese Argumentation.

Alles abzustreiten war auch die Taktik seiner damaligen Anwältin, die sich darauf konzentrierte, die Aussagen der Frauen zu zerpflücken und sie als Lügnerinnen darzustellen. Diese Taktik war falsch, wie Hirschmann bei der Urteilseröffnung merken musste.

Prominenter neuer Anwalt

Das Gericht erachtete die Aussagen der Frauen als glaubwürdig und verurteilte den jungen Millionär. Wenige Tage nach dem Schuldspruch entliess Hirschmann seine Anwältin und zieht nun mit Christoph Hohler als prominentem Ersatz vor Obergericht.

Hohler verteidigte einst Ex-SAirGroup-Finanzchef Georges Schorderet und war Pflichtverteidiger von Erich Hauert, der in den 90er-Jahren am Zollikerberg eine Pfadiführerin getötet hatte.

Hirschmann lebt gegenwärtig auf freiem Fuss, musste wegen Fluchtgefahr aber eine Kaution von fünf Millionen Franken hinterlegen. Das Hotel Dolder, wo er früher meist residierte, wenn er in der Schweiz war, beherbergt ihn seit dem Urteil nicht mehr.

Klage gegen Tamedia hängig

Der tiefe Fall des einst schillernden Clubbesitzers sorgte in den Schweizer Medien für viele, zum Teil hämische Schlagzeilen. Seiner Ansicht nach entsprachen aber nicht alle Fakten der Wahrheit. Wegen Persönlichkeitsverletzung reichte er deshalb Klage gegen die Medienhäuser Ringier und Tamedia ein.

Mit Ringier wurde im August ein Vergleich geschlossen. Der Verlag wurde verpflichtet, Hirschmann einen Betrag in unbekannter Höhe zu zahlen und sich mit gut sichtbaren Berichtigungen bei ihm zu entschuldigen.

Ringier wurde vom Handelsgericht zudem verpflichtet, sämtliche Artikel zu den juristischen Verfahren seit 2009 aus seinen Online- Archiven und aus der Mediendatenbank zu löschen. Eine identische Klage gegen das Medienhaus Tamedia ist noch hängig. Im «Tages- Anzeiger» und in «20 Minuten» erschienen in den vergangenen Jahren Dutzende von Texten über den gefallenen Jetsetter.

(sda)