Ex-Miss-Finalistin Claudia Wambululu

08. Januar 2018 05:45; Akt: 08.01.2018 08:00 Print

Eine Agentur speziell für dunkelhäutige Models

Dunkelhäutige Models seien in der Schweiz untervertreten, findet Claudia Wambululu. Mit ihrer neuen Agentur will sie diesen Missstand beheben.

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Ex-Miss-Schweiz-Teilnehmerin 2007 Claudia Wambululu (Mitte) hat ihre Agentur Melanin Models gegründet, um «all den Mädchen, die auch Models werden möchten und als Dunkelhäutige wenig Chancen haben, eine Möglichkeiten zu bieten, sich zu zeigen». Im Aufbau der Agentur stecke wochenlange Arbeit, sagt Claudia, «sie ist mein Baby.» Derzeit hat die Zürcherin neun Models unter Vertrag. Darunter neben den beiden Frauen auf dem Foto auch Plus-Size-Model ... ... Crystal. Crystal ist sich sicher, dass «dunkelhäutige Models und speziell die im Plus-Size-Bereich mehr Durchhaltevermögen brauchen und sich mehr beweisen müssen als andere.» Wie ihre Agenturchefin Claudia findet auch Crystal, dass es mehr Models mit dunklem Typ braucht und wünscht sich, dass entsprechende Models nicht nur ein Trend bleiben, sondern ein wichtiger Bestandteil der Branche werden. Claudia Wambululu hat neben Crystal acht weitere Models in jeder Altersgruppe in den Bereichen Fashion und Kids/Teens unter Vertrag (im Bild: Alasan). Allerdings nimmt sie nicht ausschliesslich dunkelhäutige Models in ihre Kartei auf, auch hellhäutige seien willkommen. Bei zukünftigen Bewerbern legt sie vor allem auf die Grösse – Frauen sollten 178 und Männer 183 Zentimeter gross sein – und auf Professionalität. Mit den Engagements ihrer Models möchte Claudia aufzeigen, wie bunt und lebendig die Schweiz ist. «Die Schweiz ist so vielfältig, so sollte auch die Werbung sein», findet die Ex-Miss-Schweiz-Finalistin und teilt damit die Ansicht von Zineta Blank, Chefin der Agentur Visage International Management. Dunkelhäutige Models müssten noch mehr für Werbung in fashionfremden Bereichen wie Versicherungen oder Fluggesellschaften, aber auch in der Kosmetikbranche gebucht werden, so Zineta: «Dadurch werden diese Looks kommerzialisiert.» Ihre Agentur brachte bereits zahlreiche Schweizer aufs internationale Parkett – zum Beispiel Noah Luis Brown (Foto). Der ... ... Basler mit kubanischen Wurzeln eröffnete im Januar 2017 ohne viel Erfahrung die Louis-Vuitton-X-Supreme-Show in Paris. Zudem stand er für die italienische «Vogue» und «L'Officiel Hommes» vor der Kamera. Mittlerweile ist er der neue Liebling der Fashion-Szene und hat dies seiner «Realness» zu verdanken, so Zineta. «Seit 2016 öffnet sich der internationale Markt für dunkelhäutige Models. Nun folgt die Schweiz nach.» Flora Domingos ist ebenfalls eine Newcomerin im Modelgeschäft und bei Visage unter Vertrag. «Der Markt lässt endlich dunkle Haut zu. Und auch Mädchen und Jungs aus Asien sind immer gefragter», ergänzt Zineta.

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Um die Vielfalt der Menschen in der Schweiz auch in der Werbung oder im Marketing widerzuspiegeln, hat Claudia Wambululu (33) ihre Model-Agentur Melanin Models mit Sitz in Zürich gegründet.

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Die Drittplatzierte der Miss Schweiz Wahl 2007 möchte mit den Engagements ihrer Models aufzeigen, wie bunt und lebendig die Schweiz ist. «Dunkelhäutige Männer, Frauen und Kinder sind in der Werbung deutlich untervertreten», erläutert Claudia. Und auch wenn der Fokus auf dunklen Typen liege, beschränke sie sich nicht nur auf diese, fügt sie an.

Absagen wegen «viel zu kleinem Markt»

Die grosse Motivation für die Gründung der Agentur waren die frustrierenden Absagen, welche die Zürcherin selbst in ihrer Karriere erleben musste. Als Begründung bekam sie häufig zu hören, dass der Markt in der Schweiz für dunkelhäutige Models viel zu klein sei.

«Ich wollte all den Mädchen, die auch Models werden möchten und als Dunkelhäutige wenig Chancen haben, eine Möglichkeit bieten, sich zu zeigen und ihnen ein berufliches Zuhause bieten.» Derzeit zählt die Agentur-Kartei neun Models in jeder Altersgruppe in den Bereichen Plus-Size, Fashion und Kids/Teens.

Schweizer Werbemarkt öffnet sich

«Bei der Medienpräsenz von dunkelhäutigen Models geht noch viel mehr. Eben weil der Markt da ist», findet Claudia und gibt ein Beispiel: «Erschwingliches Make-up ist meist vor allem für weisse Hauttypen erhältlich. Und die Produkte für Dunkelhäutige von MAC oder Bobbi Brown sind oft teuer.» Da sei grosses Potenzial vorhanden.

Auch passende Haarprodukte seien schwer zu finden. Und wenn günstige Beautyartikel für dunkle Typen bald auch in der Schweiz verfügbar wären, dann braucht es Models, welche diese bewerben, ist sich Claudia sicher: «Die Schweiz ist vielfältig — und so sollte auch die Werbung sein.»

Kein Trend, sondern Realität

Zineta Blank, Chefin der Zürcher Agentur Visage International Management, sieht es ähnlich wie die Gründerin von Melanin Models: Seit 2016 habe sich der internationale Markt für dunkelhäutige Models geöffnet und nun zieht auch die Schweiz nach.

Für einen Trend, «der nach einem Jahr wieder verschwindet», hält Zineta die Nachfrage nach dunklen Typen nicht, «sondern für die Realität. Es macht mich glücklich, diese Entwicklung zu sehen. Es geht um Gleichberechtigung für jeden Hauttyp.»

(kao)