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Schweizer Radio-Streit
23. Januar 2011 12:38; Akt: 23.01.2011 14:57 Print
Schweizer Senioren sind Hip-Hop-Hörer
von Monika Rufener - Nach dem Riesen-Zoff um die Verteilung der Radiokonzession geht der Streit in der Schweizer Radiolandschaft weiter. Der Grund: Radio 105 kritisiert die Erhebung der Hörerdaten.
Fast zwei Jahre ist es her, dass in der Schweiz ein Streit um die Konzessionsverteilung entbrannte. Nachdem «Energy Zürich» die schon verloren geglaubte Sendeerlaubnis doch noch erhielt, schien wieder Ruhe in die Radiowelt eingekehrt zu sein.
Jetzt geht der Disput in eine neue Runde. Nach den neusten Erhebungen der hiesigen Hörerzahlen von Publicadata, herrscht wieder Unruhe. Obwohl «Radio 105» im letzten Halbjahr an Hörern zulegen konnten, zeigt sich Geschäftsführer Giuseppe Scaglione mit den Zahlen unzufrieden: «Die Messmethode benachteiligt uns derart stark, dass wir nur erahnen können, in welchem Ausmass der Erfolg von «Radio 105» sichtbar wäre, wenn Radiocontrol unsere Zielgruppe kompetent erfassen würde.»
Guiseppe Scaglione, Geschäftsführer «Radio 105»
Mit diesen Radiocontrol-Uhr werden die Hörerzahlen erhoben.
Die Erhebung der Hörerzahlen in der Schweiz
In der Schweiz werden die Hörerzahlen mittels einer sogenannten Radiocontrol-Uhr erhoben (siehe Bild). Das in der Uhr eingebaute Messgerät kann erkennen, wann der Träger welchen Radiosender hört. Diese Uhren werden Täglich von etwa 1'000 Personen am Handgelenk getragen. Die Träger der Uhren entsprechen jeweils einem Querschnitt der der Schweizerischen Bevölkerung, welche zusammengetragen und auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet wird.
Zahlen für eine jüngere Zielgruppe nicht repräsentativ
Konkret kritisiert Scaglione die Erhebungsmethode mittels der Radiocontrol-Uhr (siehe Infobox). Die Radionutzung über das Internet wird damit nicht erfasst, laut «Radio 105» machten aber gerade diese Zuhörer die Hälfte des Publikums aus. Zweitens hat Scaglione bei einer Auswertung der Daten von Radiocontrol festgestellt, dass das Durchschnittsalter bei 31 Prozent der gemessenen Tage bei über 40 und bei Hip-Hop-Sendungen teilweise sogar bei 70 Jahren liegt. «Das ist lächerlich. Kein Mensch glaubt sowas.», meint Scaglione.
Manuel Dähler ist der Geschäftsleiter der «Mediapulse Gruppe», welche die Hörerzahlen erhebt. Er bezeichnet die Kritik von «Radio 105» als teilweise berechtigt, zweifelt aber gelichzeitig nicht an der Richtigkeit der Messung. Jene Hörer die über das Internet Radio konsumieren, sind zwar in der Studie nicht erfasst, dies wird aber keine grosse Differenz der Hörerzahlen ausmachen: «Der Unterschied ist natürlich bei Radiostationen mit junger Zielgruppe höher, die Differenz wird sich aber nur im einstelligen Prozentbereich bewegen.» Das Phänomen des hohen Durchschnittsalters erklärt Dähler wie folgt: «Wenn beispielsweise eine 70-jährige Radiocontrol-Uhr-Trägerin ins Zimmer ihres Enkel stürmt, weil er zu laut eine HipHop-Show auf 105 hört, wird diese als Hörerin der Radiosendung erfasst.»
«Die jungen Hörer werden hintergangen»
Giuseppe Scaglione empfindet die Aussagen von Manuel Dähler («Unsere Studien sind gut bis sehr gut.») als Ausrede: «Sie haben es schlicht verschlafen, das Internetradio einzubeziehen. Im Ausland wird dies schon lange so gemacht und jeder weiss, dass junge Leute heute Radio immer öfter auch über das Internet hören, und dabei handelt es sich um Zahlen im mittleren zweistelligen Bereich. Man sollte keine Schönrederei betreiben». Scaglione weiter: «Solange diese Erhebung auf wackeligen Beinen steht, sind die Daten für unsere Programmarbeit völlig unbrauchbar. Die Jungen Hörer werden durch ihre ungenügende Repräsentation einfach hintergangen.»





























