Eurovision Song Contest

14. November 2012 07:35; Akt: 15.11.2012 01:14 Print

Schwule fordern Heilsarmee-Boykott

von Marlies Seifert - Die ESC-Kandidatur der Heilsarmee birgt Konfliktpotenzial: Die Musik-Veranstaltung ist besonders bei Schwulen beliebt. Und die Heilsarmee hat mit Homophobie-Vorwürfen zu kämpfen.

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Die Heilsarmee mit ihrem ESC-Song «You and Me». Im Grossformat auf dem Videoportal Videoportal
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Der Eurovision Song Contest und die Gay Community gehören zusammen wie Kylie Minogue und knappe Höschen, ABBA und Schweden oder Madonna und Toyboys. Seit Jahren pilgern besonders viele schwule Fans zur Musikveranstaltung. Im letzten Jahr sorgte deshalb auch das Austragungsland Aserbaidschan bereits vorab für Diskussionen. In dem autoritären Staat ist es für Homosexuelle noch immer heikel bis gefährlich, offen zu ihrer Sexualität zu stehen. Nun könnte die Schweiz für den nächsten ESC-Eklat sorgen. Denn unter den neun Finalisten für den hiesigen Vorentscheid befindet sich auch die Heilsarmee mit ihrem Song «You and Me». Pikant: Die christlichen Wohltäter sorgten im Mai 2012 für Schlagzeilen, weil sie einer lesbischen Heimleiterin kündigten – auch aufgrund ihrer sexuellen Orientierung. Die Kaderfrau unterhielt eine Beziehung zu einer Mitarbeiterin. «Die Heilsarmee toleriert keine ausserehelichen und gleichgeschlechtlichen Verbindungen von Führungskräften mit Mitarbeitenden», wurde die Entlassung in einer internen Mitteilung begründet.

«Die Kandidatur ist nicht zu unterstützen»

In der Gay-Community ist man denn auch nicht erfreut über die ESC-Bewerbung der Heilsarmee: «Der Eurovision Song Contest ist nicht das richtige Umfeld für die Heilsarmee», meint Beat Stephan, Chefredaktor des Schwulenmagazins «Display». Am 15. Dezember entscheiden die Zuschauer mittels Televoting in der grossen Entscheidungsshow, wer die Schweiz am ESC 2013 in Malmö verteten darf. Stephan ruft zum Boykott der Heilsarmee auf: «Solange sich die Vereinigung nicht klar von homophobem Gedankengut distanziert, ist die Teilnahme am ESC nicht zu unterstützen. Man sollte nicht für sie voten», so Stephan. Ins gleiche Horn stösst die Lesbenorganisation Schweiz: «Ich wünsche mir nicht, dass eine homophobe Organisation als Botschafter der Schweiz im Ausland auftritt», sagt Geschäftsführerin Eveline Mugier.

«Man kann als homosexuelle Person bei der Heilsarmee arbeiten»

«Uns war bewusst, dass wir uns beim Song Contest auf einem Feld bewegen, wo Homosexualität ein Thema ist», sagt Heilsarmee-Pressesprecher Martin Künzi. «Wenn sich jemand aufgrund unserer ESC-Bewerbung persönlich angegriffen fühlt, tut uns das leid.» Aus dem Wettbewerb zurückziehen werde man sich deswegen aber nicht, schliesslich könne man sich über eine grosse Unterstützung freuen. «Wem wir nicht sympathisch sind, der muss nicht für uns voten. Wir wollen aber die Schweiz vertreten, wie sie ist - und dazu gehören auch die Homosexuellen», so Künzi.

Die Homophobie-Vorwürfe will er nicht gelten lassen. Es werde zwar von Mitarbeitern erwartet, dass sie sich an «christliche Werte» hielten, aber «wir diskriminieren niemanden aufgrund seiner sexuellen Orientierung», verteidigt sich Heilsarmee-Pressesprecher Martin Künzi. Beim Vorfall im Mai sei die Gesamtkonstellation problematisch gewesen. «Und wir haben nicht optimal kommuniziert», räumt Künzi ein. «Bei der Einstellung ist die sexuelle Orientierung kein Kriterium», erklärt er weiter. «Man kann als homosexuelle Person bei der Heilsarmee arbeiten und offen zu seiner Sexualität stehen. Aber in einem christlichen Umfeld wird dies immer eine Herausforderung sein.»

ESC als Chance

Bei der Schweizerischen Schwulenorganisation Pink Cross sieht man der Eurovision-Teilnahme denn auch gelassen entgegen. «Ich sehe kein Problem», sagt Geschäftsführerin Alice Parel auf Anfrage. «Wegen eines Einzelfalls möchte ich nicht die gesamte Heilsarmee der Homophobie bezichtigen», sagt sie. Ähnlich sieht man die Situation beim an Schwule und Lesben gerichteten Online-Magazin «Queer». Chefredaktionsmitglied Daniel Diriwächter: «Der ESC könnte eine Chance für die Heilsarmee und für die Homosexuellen sein, um einander besser kennenzulernen und Vorurteile abzubauen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Superman am 14.11.2012 08:33 Report Diesen Beitrag melden

    5% der Bevölkerung

    Wollen den Kandidaten bestimmen und die anderen Zahlen. Geht's noch?

  • Ernst Walker am 14.11.2012 09:33 Report Diesen Beitrag melden

    Rassismus mit Rassismus bekämpfen?

    Wenn die Schwulen und Lesben die Heilsarmee boykottieren, stellen sie sich auf die gleiche Linie wie die Heilsarmee und propagieren damit Rassismus und Ausgrenzung, statt die geforderte Toleranz.

  • Martha am 14.11.2012 08:15 Report Diesen Beitrag melden

    Chance nutzen

    Besten Dank für den Artikel. Am besten gefällt mir ESC als Chance. Auf einander zugehen ist positiv.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Chris von Swiss am 17.11.2012 15:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jetzt ist mir alles klar!

    Jetzt weiss ich warum ich nie etwas mit dem ESC anfangen konnte! Es geht ja gar nicht um Musik, es geht um schwul oder nicht schwul. Was für ein Brüller!

  • Dänu am 15.11.2012 23:05 Report Diesen Beitrag melden

    Wenn schon die einen, dann auch

    Wenn man fanatisch religiöse Ansichten bekämpfen möchte, müsste man ja gerechtigkeitshalber auch Exponenten wie z.Bsp Marilyn Manson als Vertreter einer Gotteslästrigen Ideologie als Nicht-Akzeptabel verschreien...

  • Nochno Rmal am 15.11.2012 16:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erstaunlich

    Es gibt "randgruppen"in unserer gesellschaft, die sich ständig nur am beschweren sind und anderen vorschreiben wollen wie man sie zu behandeln habe. Bei mir als normaler heterosexuell orientierter, christlicher mensch gärt langsam die frage ob ich zu einer randgruppe gehöre. Ich habe mich noch nie beschwert oder gesetzte oder verbote zu meinen gunsten ( konfession, sex. Orient) gefordert. Ich staune nur noch...

    • Tim am 17.11.2012 08:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Beispiele?

      Welche Gesetze schränken dich in deiner Persönlichkeit denn konkret ein?

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  • Leonard M am 15.11.2012 16:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leben und leben lassen 

    Ich bin selber schwul. Und ich habe nichts dagegen, dass die Heilsarmee teilnimmt. Auch erwarte ich nicht von Allen, dass sie mich als homosexuell geborenen Menschen verstehen oder akzeptieren. Ich erwarte als freier, arbeitender und Steuerzahler mein Recht, so zu leben, wie es für mich stimmt. Ich tue niemand weh damit, und ich nehme niemand was weg. Was mich stört sind Kommentare wie "Was mich beunruhigt ist, dass anscheinend Schwule die schlimmsten Rassisten sind." Das bedeutet doch nur, dass man alle Schwulen über einen Kamm schert. Wenn das nicht rassistisch ist!

    • boi am 17.11.2012 12:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      einwenigphobie

      man kann doch nicht schwul geboren werden? ich bin zwar nicht homophob aber muss zugeben dass es etwas neues ist und ich etwas beunruhigt. aber das ist ja normal bei den "neuen" dingern.

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  • e.stauffer am 15.11.2012 15:52 Report Diesen Beitrag melden

    Wichtiger Unterschied

    Liebe Leute! Man kann nicht im Sinne der Meinungsfreiheit gegen Homosexualität sein. Man kann, aus individuellen Moralvorstellungen, gewisses Verhalten verurteilen (z.B. gegen öffentliches Knutschen - bei Homos UND Heteros). Homosexualität ist aber kein Verhalten, sondern eine Eigenschaft wie Rasse, Augenfarbe usw. Wer dies nicht begreift, wurde durch irgendwelche zweifelhaften Ideologien verblendet. Krass ausgedrückt: Homophobe gehören in den gleichen Topf wie Rassisten. Allgemein finde ich es sehr bedrückend, dass hier gefühlte 90% der Schreiberlinge ihre homophobe Einstellung kundtun will.