Wettbetrug-Experte

06. Juli 2009 15:08; Akt: 06.07.2009 16:27 Print

«Klubs wissen nicht, was ihre Spieler treiben»«Klubs wissen nicht, was ihre Spieler treiben»

Spielmanipulationen gehören im Fussball leider dazu. Anfällig sind vor allem die ersten Runden von internationalen Wettbewerben. Uefa-Experte Peter Limacher erklärt, was man dagegen machen kann und wo man machtlos ist. Und dass es einigen Wettern nicht um fette Gewinne geht – sonder «nur» darum, Falschgeld zu waschen.

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In diesen Wochen sind sie wieder im Gang: Die Qualifikationsspiele zur Champions League und zur neu geschaffenen Europa League, dem Nachfolger des Uefa-Cups. 235 Klubs sind dabei. Vereine wie der FC Okzhetpes Kokshetau aus Kasachstan, Simurq aus Aserbaidschan oder Zimbru Chisinau (Moldawien) treten da unter anderem an.

Wegen der Unübersichtlichkeit des Wettbewerbs in dieser Phase sind diese Spiele ein Tummelfeld von Kriminellen. Der UI-Cup, bekannt als Strohhalm-Cup, wurde 2008 abgeschafft. Nicht zuletzt darum, weil er chronisch im Verdacht von Spielmanipulationen stand. Bei der Uefa ist Peter Limacher als Leiter der Disziplinarabteilung, welche unter anderem für die Bekämpfung von Spielmanipulationen durch Wettbetrug steht, verantwortlich. Er stand der «Süddeutschen Zeitung» Red und Antwort.

Uefa-Delegierte in die Spielerkabine

«Das Problem hat nichts mit dem Wettbewerb zu tun, sondern mit den teilnehmenden Vereinen und ihrem Umfeld», so Limacher. Darum werden die Massnahmen für die neue Saison verstärkt. Mit Uefa-Spielen, Partien der ersten und zweiten Liga, sowie Cupspielen sollen rund 29 000 Spiele in der Saison überwacht werden. Wie soll das gehen? «Wir verfolgen die Preisentwicklungen auf den Wettmärkten. Auch in Asien. Dort steckt am meisten Geld im System, neun von zehn Manipulationsversuchen laufen über diesen Kontinent. Dann folgt unsere Plausibilitätsprüfung. Geht es mit rechten Dingen zu, wenn so viel Geld auf ein bestimmtes Ergebnis gesetzt wird? Im Übrigen betreiben wir in Zukunft eine Datenbank, verknüpft aus Spiel- und Wettdaten. Ziel ist die Erstellung individueller Profile für Spieler, Trainer und Verein.»

Wird schon vor der Partie Verdacht geschöpft, sendet die Uefa einen Delegierten in die Kabinen der beiden Teams und macht sie darauf aufmerksam, dass jeder beobachtet wird. Rund 12-mal hätten sie das in den ersten zwei Jahren gemacht. «In zwei Fällen zeigte das Wirkung. Bei den anderen änderte es nichts, da war wohl zu viel Geld im Spiel.» Das hört sich gut an, doch diese Taktik nützt fast nichts mehr. Denn immer öfter wird erst während dem Spiel gewettet.

Ein Gesetz würde helfen

Das zweite Problem ist, dass es in den meisten Ländern kein Gesetz zum «Sportbetrug» gibt. «Das wäre ein grosser Fortschritt», ist Limacher überzeugt. Doch dafür braucht es seiner Meinung nach noch einen oder zwei grosse Fälle. «Und diese werden kommen!» Denn der Wettbetrug ist organisiert, vor allem in Asien.

Das Problem aber nur auf den Osten zu fixieren, wäre falsch. Das zeigte nicht zuletzt der Fall des Schiedsrichters Hoyzer in der Bundesliga. Alle Ligen könnten betroffen sein. Sogar in Englands fünfter Liga wurde auf ein Spiel bei einem Wettanbieter 700 000 Pfund gesetzt. Sogar in Asien wurde die Partie angeboten. Das Problem sei dabei, dass die Vereine gar nicht viel machen können. «Viele Klubs wissen nicht, was ihre Spieler treiben», behauptet Limacher.

Auch Geldwäscherei im Spiel

Doch nicht genug mit dem Wettbetrug. Manchmal wollen die Kriminellen gar nicht wirklich viel Geld gewinnen, sondern mit Favoritentipps ihr Geld waschen. «Da werden manchmal gleich mehrere Agenten zwischengeschaltet, bis das Geld beim Buchmacher landet. Es ist unheimlich schwer, solche Geldströme zu verfolgen», so der Uefa-Experte.

(fox)