Onlinemarketing

19. Januar 2009 15:54; Akt: 16.03.2009 14:31 Print

Werbung im SperrbezirkWerbung im Sperrbezirk

von Henning Steier - Unternehmen wie die Cablecom und Coop buhlen auf dubiosen Internetseiten um ihre Kunden. Die Firmen geben sich ahnungslos und ihren Agenturen die Schuld.

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Als im Juni 2008 das Portal mygazines.com an den Start ging, schien die Print-Welt vollständig im Web angekommen zu sein. Auf der Seite liessen sich zahlreiche Magazine mit Hilfe des Flash Players gratis anschauen. Allerdings hatten die Verlage nie ihr Einverständnis gegeben, sodass die Macher im Oktober das Ende der Seite verkündeten. Heute versucht sich das Team um Gründer Darren Budd unter dem Slogan «digital publishing made easy» als seriöser Dienstleister. Doch seitdem haben zahlreiche Nachahmer Seiten zum kostenlosen Download von Zeitschriften im pdf-Format ins Netz gestellt.

Wer sich auf einem dieser Portale beispielsweise das Magazin «Psychologie heute» herunterladen möchte, sieht plötzlich am unteren Bildschirmrand Werbung für die Cablecom eingeblendet. «Wir haben davon nichts gewusst», sagt ein Unternehmenssprecher zu 20 Minuten Online und ergänzt: «Die Anmeldung erfolgte von einem Partner, der selbst ein Affiliate Programm aufgebaut hat. In unseren Bestimmungen ist vermerkt, dass es untersagt ist, Werbung von Cablecom auf Seiten zu schalten, welche pornografischen oder rassistischen Content zeigen. Dieser Partner arbeitet wiederum mit einer Agentur zusammen, welche auch Werbung auf solchen Seiten schaltet. Wir haben das heute früh per sofort unterbunden.»

Wuala verliert Werbeeinahmen

Die Cablecom ist aber nicht das einzige Unternehmen, dessen Werbung sich auf dubiosen Webseiten finden lässt. Auch der Detailhändler Coop taucht in einem ungünstigen Umfeld auf: Der Schweizer Webhoster wuala.com bietet seinen Nutzern seit Herbst 2008 virtuelle Festplatten im Netz an. Leider werden diese oftmals zum urheberrechtswidrigen Tauschen von Filmen, Musik und Programmen genutzt. So sind dann auch hunderte geschützte Bilder und Links zu Porno-Fotos zu finden. Auf der Startseite prangt ein coop-Banner, welches für «Discountpreise wie beim Discounter» wirbt - wie in der obigen Bildstrecke zu sehen ist.

Auch Coop gibt sich ahnungslos und schiebt die Schuld den Agenturen zu, mit denen das Unternehmen zusammenarbeitet: «Diese Netzwerke garantieren grundsätzlich, dass die Werbung nur in rechtlich einwandfreien und seriösen Umfeldern eingeblendet wird», sagte eine Sprecherin gegenüber 20 Minuten Online. Zu besagtem Netzwerk gehört auch die AdLINK Internet Media AG. «Wir schliessen die Websites erst nach einem ausführlichen Check in unser Netzwerk ein und garantieren den Auftraggebern, dass keine religiösen, sexuellen und politischen Umfelder belegt werden», versicherte Geschäftsführer Stephan Suter 20 Minuten Online. «Die Verantwortung für den Inhalt der Website liegt aber ausschliesslich beim Betreiber, welcher uns eine Inhaltskontrolle gewährleisten muss. Erhalten wir Kenntnis von rechts- oder sittenwidrigen Inhalt, machen wir den Betreiber darauf aufmerksam und schliessen die Website aus unserem Netzwerk aus. Die Website wuala.com, welche noch in der Betaphase ist, wird von der ETH Zürich unterstützt und befindet sich erst seit kürzerer Zeit im Portfolio der AdLINK. Wir haben sie jetzt aber sofort aus unserem Werbe-Netzwerk ausgeschlossen.»

Bestell-Link neben Pornobildern

Gute Werbung zeichnet sich durch geringe Streuverluste aus. Das heisst: Sie erreicht möglichst nur diejenigen, die sich für die beworbenen Produkte und Dienstleistungen interessieren und sie sich auch leisten können. Legt man dies zugrunde, dann macht auch das Schweizer Online-Fotolabor ifolor gute Werbung. Denn das Unternehmen ist ebenfalls bei wuala.com präsent - allerdings wie coop neben urheberrechtlich geschützten Fotos und Links zu pornographischem Material. Die Firma ifolor wollte sich gegenüber 20 Minuten Online nicht äussern. Wuala nimmt nach eigenen Angaben keinen Einfluss darauf, wie die Werbung ausgeliefert wird. Die Banner poppen also nach dem Zufallsprinzip auf - und dadurch auch in Umfeldern, die sich die Unternehmen nicht wünschen.

Der St. Galler Ackermann Versand präsentiert sich auf seiner Homepage grundsolide. Doch auch dieses Unternehmen macht Werbung auf einer Webseite, die gar nicht zum Image passt. Auf dieser werden unter anderem Nacktszenen von prominenten Schauspielerinnen gesammelt. Normalerweise werben dort Anbieter von Sexseiten für ihre Portale. Und mittendrin erscheint plötzlich ein Ackermann-Layer-Ad, das «Adidas für alle Frauen» verheisst. «Die IT-Abteilung prüft diese Angelegenheit nun sofort mit ihren Partnern und sorgt dafür, dass diese Popups von solchen Seiten verschwinden», sagte eine Sprecherin zu 20 Minuten Online, «in der Tat gibt es seitens Ackermann keine Aufträge dieser Art – ganz im Gegenteil. Wichtig ist, dass Mode von Ackermann in einem entsprechenden Umfeld präsentiert wird.»

Mit dem Anwalt gedroht

Warum selbst Surfern mit Werbeblockern die Layer angezeigt werden, darauf liefern sie selbst einen Hinweis. «Präsentiert von Layer-Ads.de» ist links unter der Werbung zu lesen. Die Firmenhomepage hält für interessierte Kunden einige Verkaufsargumente bereit. So heisst es unter anderem: «Selbst Besucher mit Pop-Up-Blockern bekommen ein Layer angezeigt». Geschäftsführer Jens Reimer wollte Fragen von 20 Minuten Online nicht beantworten und drohte sogleich mit juristischen Schritten.