Affäre Nef

31. Juli 2008 21:30; Akt: 01.08.2008 09:23 Print

Sympathiewelle für SchmidSympathiewelle für Schmid

Die St. Galler Gemeinde Wittenbach bereitete dem Verteidigungsminister einen herzlichen Empfang an der Bundesfeier. Schmid genoss die Sympathiewelle beim ersten öffentlichen Auftritt seit der Beurlaubung von Armeechef Nef sichtlich. Rücktrittsforderungen relativierte er in einem Radio-Interview.

  • Artikel per Mail weiterempfehlen
Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Der Vorsteher des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) nahm sich am Donnerstag Zeit für seinen Besuch und landete mit dem Militär-Helikopter bereits kurz vor 17:00 Uhr in der Vorortsgemeinde von St. Gallen.

Dies obwohl die Rede an der Bundesfeier erst um 20:50 Uhr begann. Auf Schloss Dottenwil im historischen Kern der Agglomerationsgemeinde gab es einen Apero und einen Schwatz mit den Lokalbehörden. Die Gemeinde hatte den ersten offiziellen Besuch eines Bundesrats von langer Hand vorbereitet. Neben dem Geburtstag der Eidgenossenschaft wurde auch das 250-jährige Bestehen des Schützenvereins gefeiert.

Träume und Bescheidenheit

In seiner Ansprache ging Schmid mit keinem Wort auf die Turbulenzen in seinem Departement ein und umriss vielmehr seine Träume für die Schweizer Gesellschaft. Er habe wieder einmal die weltberühmte Rede von Martin Luther King hervorgenommen, sagte der Verteidigungsminister. Der Friedensnobelträger habe es gewagt zu träumen.

Auf dem Weg zur Verwirklichung seiner Idee des Engagements eines jeden Einzelnen für die Schweiz habe auch er vorerst einmal Sehnsüchte oder - nüchterner ausgedrückt - Vorstellungen. So stelle er sich vor, dass Frieden und Stabilität auch künftig aufrechterhalten werden könnten und dass auch vermehrt die Kraft gefunden werde, bescheidener zu werden.

Falls jeder für einen Zusammenhalt kämpfe, für sich und andere die Verantwortung trage und sich selber in die Pflicht nehme, müssten dies aber nicht Vorstellungen und Sehnsüchte bleiben, sagte Schmid. Über den Applaus und die stehende Ovation zeigte sich der Redner gerührt.

Rücktrittsforderung: Schmid wiegelt ab

In einem Interview von Schweizer Radio DRS relativierte der VBS-Chef auch die massive Kritik und die in den vergangenen Tagen gegen ihn erhobenen Rücktrittsforderungen. Die Gewichtung der Geschehnisse in den vergangenen Wochen entspreche vielleicht nicht dem, was für die Zukunft der Schweiz wesentlich sei. «Ich denke wie unsere Bevölkerung und bin auch ein Bundesrat für diese Bevölkerung», sagte Schmid.

Dies werde sicher von den meisten Leuten auch so empfunden. Probleme habe es gegeben und gebe es. Sie hätten die Armee aber nicht aus den Angeln gehoben. Und zur Kritik aus dem Parlament sagte Schmid: «Das sind politische Ausdrucksmittel, die zu Analysen führen können.» Es handle sich aber nicht um politische Befehle oder Verdikte. Schmid hat heute auch Ansprachen an den Bundesfeiern in Lignieres (NE) und Champoz (BE) auf dem Programm.

(dapd)