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17. November 2006 22:36; Akt: 18.11.2006 16:44 Print
Täterfamilien bedrohen Opfer
Nach der mehrfachen Vergewaltigung eines 13- jährigen Mädchens in der Stadt Zürich ist einer der mutmasslichen Täter noch immer auf freiem Fuss. Die bereits verhafteten Jugendlichen sind geständig - aber zum Teil uneinsichtig. Es fehlt offenbar das Verständnis, etwas Falsches getan zu haben.
Grund dafür, dass die Ermittlungen der Behörden weitergehen, war eine Verwechslung. Gestern war zuerst ein Unbeteiligter verhaftet worden, der wieder freigelassen wurde. Das Alter des flüchtigen Jugendlichen ist unbekannt. Die Polizei geht davon aus, dass er unter 18 Jahren alt ist.
Das Schulhaus Buhnrain.
Migrationshintergrund
Die 12 bereits verhafteten Jugendlichen sind zwischen 15 und 17 Jahre alt und fallen somit unter das Jugendstrafrecht. Sie sind geständig. Allerdings gibt es Widersprüche in den Aussagen: einerseits zwischen den Aussagen des Opfers und der Tatverdächtigen, andererseits aber auch zwischen den Aussagen der Tatverdächtigen untereinander.
Sechs Täter haben zwar die Schweizer Staatsbürgerschaft, haben aber einen Migrationshintergrund und sind eingebürgert worden, wie der «Tagesanzeiger» heute Samstag berichtet. Sie stammen vom Balkan und aus der Türkei. Von den übrigen Tätern stammen zwei aus Serbien und Montenegro, zwei aus Mazedonien sowie je einer aus Italien, der Dominikanischen Republik und Bosnien-Herzegowina.
Alle zwölf Jugendliche sind bei der Polizei einschlägig bekannt und haben polizeiliche Vorakten, so der «Tagesanzeiger» weiter, unter anderem wegen Raubdelikten.
Freund uneinsichtig
Zu den Verhafteten gehört auch der ehemalige Freund der 13-Jährigen. Dieser habe bei der Vernehmung relativ kaltschnäuzig gewirkt, als ob der Vorfall etwas Normales sei, sagte Rolf Nägeli von der Kinderschutz-Gruppe der Stadtpolizei gegenüber «10 vor 10» des Schweizer Fernsehens.
Für den Ex-Freund des Mädchens sei nicht klar gewesen, dass es sich um Vergewaltigungen gehandelt habe. «An und für sich zeigte er bei der Vernehmung keine Einsicht.» Laut Polizeisprecher Erich Maag kann aber ausgeschlossen werden, dass er von den weiteren mutmasslichen Tätern bezahlt wurde.
Dem Opfer gehe es relativ gut, sagte Nägeli weiter. Wichtig sei nun, dass das Mädchen zur Ruhe komme. Während der Ermittlungen werde die 13-Jährige maximal zweimal befragt werden.
Warnsystem überprüfen
Die Jugendlichen werden beschuldigt, über Wochen eine 13-jährige Schülerin sexuell missbraucht zu haben. Ans Licht kam der Vorfall, weil sich eine Kollegin des Opfers an die Schulsozialarbeiterin wandte, und diese die Polizei einschaltete.
Gerold Lauber, Schulvorsteher der Stadt Zürich, will seinerseits Konsequenzen aus dem Vorfall ziehen. Präventiv werde man das Warnsystem an den Schulen überprüfen, sagte er gegenüber «Schweiz aktuell».
Täterorientiertes Recht
Laut Marcel Riesen, Jugendstaatsanwalt des Kantons Zürich, ist das Jungendstrafrecht täterorientiert und fragt: Was hat der Täter gemacht? Als Höchststrafe könnte eine Einschliessung von einem Jahr ausgesprochen werden.
Bei Sexualdelikten würden jedoch meist so genannte Massnahmen ausgesprochen, mit dem Ziel, einen Rückfall des Täters zu verhindern. Man unterscheide ambulante und stationäre Massnahmen. Bei ambulanten Massnahmen können beispielsweise regelmässige Gespräche mit einer Fachperson stattfinden.
Die stationäre Massnahme beinhaltet eine Unterbringung in einem Heim oder einer Klinik. Häufig bei Sexualdelikten werde neben den Massnahmen auch eine Therapie angeordnet, sagte Riesen weiter.
Fachkräfte als Ansprechpersonen im Schulhaus
Im Schulhaus, wo die Schülerin und vier der mutmasslichen Täter zur Schule gehen, sind weiterhin Fachleute zur Betreuung der Schüler- und Lehrerschaft im Einsatz.
«Die Fachleute versuchen, mit den Schülerinnen und Schülern wieder in einen normalen Alltag zurückzukehren», sagte Marcel Saluz, Sprecher des städtischen Schul- und Sportamtes, auf Anfrage. Die Arbeit werde durch den Medienrummel allerdings erschwert. So seien Schulkinder am frühen Morgen mit Fragen überrumpelt und fotografiert worden.
Täterfamilien bedrohen Opfer
Der «Blick» berichtet, dass auch jetzt das Opfer und seine Familie nicht in Ruhe gelassen wird. Die Einschüchterungen gehen weiter: Verwandte oder Bekannte der Täter hätten die Familie des Opfers massiv bedroht. Das Opfer wurde mittlerweile in die Innerschweiz zu ihren Grosseltern gebracht, um sie vor weiteren Übergriffen zu schützen.
Opfer mit oft «widersprüchlichen Gefühlen»
Nach den Erfahrungen von Corina Elmer, der Leiterin der Zürcher Fachstelle zur Prävention sexueller Ausbeutung von Mädchen und Jungen (Limita), machen Opfer häufiger Anzeigen, wenn die Täter «Fremde» sind.
Falls sie aber in einer Beziehung zu den Tätern stünden, hätten sie oft «widersprüchliche Gefühle» und glaubten, «irgendwie doch loyal sein zu müssen». Sie hätten Angst davor, dass die Justiz eingeschaltet wird.
Auch bei den Tätern haben nach Ansicht von Elmer häufig traditionelle Vorstellungen der Geschlechterrollen einen Einfluss auf ihr Verhalten. Nicht selten seien es junge Männer ohne Aussicht auf gesellschaftliche Anerkennung und mit «hypermännlichen Einstellungen», die mit sexuellen Übergriffen auf wehrlose Opfer Macht und Überlegenheit beweisen wollten.
Nicht zu unterschätzen sei auch die Bedeutung von im Internet leicht zugänglichen Bildern von Pornografie und sexueller Gewalt. Wie bei Vandalismus oder Rauschtrinken sei der Gruppendruck ein Risikofaktor dafür, dass aus einer latent vorhandenen Motivation eine Tat werde. Auch Alkohol könne die Hemmschwelle herunter setzen.
Aus Sicht der Präventionsfachleute ist es wichtig, dass Eltern und Lehrpersonen Werte und Normen von Gewaltfreiheit und Respekt vermitteln, klare Leitplanken setzen und frühzeitig intervenieren. Gerade bei gewalttätigen Jugendlichen sei oft zu hören, es habe ja niemand gesagt «Stopp, das geht nicht!».
(dapd)
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Nachträglich: Welche Verachtung
Muttenz: Fünf Knaben begehen Vandalenakte in Kirche WEITERE BERICHTE MIT REAKTIONEN AM SAMSTAG IN DER BAZ Muttenz. gs/SDA/baz. Fünf Knaben im Alter von 12 und 13 Jahren haben in der katholischen Kirche in Muttenz massive Vandalenakte verübt. Sie beschmierten Teile der Kirche und Kultusgegenstände mit Exkrementen. Die Knaben hatten die Taten in den letzten zwei Wochen begangen. Unter anderem stuhlten sie in der Kirche und verschmierten mit dem Kot den Gebetsaltar. Zudem urinierten sie auf den Boden und in das Taufbecken, zerstörten Gläser auf dem Gabentisch und rissen Pflanzen aus, wie die Baselbieter Polizei am Freitag mitteilte. Nachdem die Knaben als Täter ermittelt worden sind, klärt die Jugendanwaltschaft deren persönliche Verhältnisse ab. Zwei von ihnen wurden dazu in eine spezialisierte Instiution eingewiesen; die anderen werden vorerst durch Fachärzte begutachtet. Die Hintergründe der Tat werden noch untersucht. Zwei der Knaben stammen aus Serbien-Montenegro und zwei aus Bosnien-Herzegowina; einer ist Schweizer. Alle sind nicht-christlichen Glaubens. Vier der Knaben sind 12, einer ist 13 Jahre alt. Ihres Alters wegen fallen sie unter das Kinderstrafrecht. Dieses sieht als mögliche Sanktionen Arbeitsleistungen, Heimeinweisungen oder Erziehungshilfen für Kinder und Eltern vor. Sie wurden der Jugendanwaltschaft übergeben.
Dunkelziffer wesentlich höher (2)
Auch Sprayereien In zwei Fällen kam es zu Schutzgeldzahlungen von mehreren hundert Franken. Drei Mitglieder der Bande haben zudem in der Nacht auf den 4. November mehrere Gebäude der Gemeinde Kriens mit Sprayereien verschmiert. Der Sachschaden beläuft sich auf rund 12.000 Franken. Die Täter sind zwischen 13 und 16 Jahren alt und stammen aus Algerien, Mazedonien, je zwei aus Serbien und der Schweiz. Die Fälle werden nun von der Jugendanwaltschaft untersucht. (ap/horm