«Die grössten Schweizer Hits»

23. November 2009 14:32; Akt: 25.11.2009 09:25 Print

«Altersschnitt zwischen 45 und scheintot»«Altersschnitt zwischen 45 und scheintot»

Bei der Frage «Wer wählte Francine Jordi?» ist sich der Grossteil der Leserschaft von 20 Minuten Online einig: Senioren hatten das Sagen und stimmten über den Publikumsgeschmack hinweg ab. Harry Zenklusen, Programmverantwortlicher beim SF, will das so nicht stehen lassen.

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Nach dem Sieg von Francine Jordi und dem Jodlerclub Wiesenberg mit «Das Feyr vo dr Sehnsucht» bei der SF-Show «Die grössten Schweizer Hits» greift die Leserschaft von 20 Minuten Online vehement in die Tasten. In hunderten von Kommentaren lässt eine deutliche Mehrheit der Leser ihrem Frust über das Resultat freien Lauf.

Von «volksdümmlicher Musik» ist ebenso oft die Rede, wie davon, dass die Sendung den Musikgeschmack der jüngeren Generation nicht trifft. «Wenn SF weiter bestehen will, müssen sie das Programm endlich jugendfreundlicher machen!» schreibt Raphael Jülich. Andere Leser sprechen von «70plus-» oder «Altersheim-Musik» mit einem «Altersschnitt zwischen 45 und scheintot». 20 Minuten Online wollte von Harry Zenklusen, dem Medienverantwortlichen von «Die grössten Schweizer Hits», wissen, ob an dieser Vermutung etwas Wahres ist.

Seine Antwort: «Zuschauerzahlen bezüglich Altersgruppen werden grundsätzlich nicht kommuniziert. Zum Resultat muss man sagen, dass Francine nicht haushoch gewonnen hat wie noch in der Qualifikationssendung. Bligg mit «Rosalie» hat ebenfalls ein super Resultat gelieferte – mit 6.73% Vorsprung also ein eher knappes Schlussresultat. 'Das Feyr vo dr Sehnsucht' war ein Nummer-Eins-Hit; 47 Wochen in den Charts. 'Rosalie' war 49 Wochen in den Charts. Dass diese zwei Songs gestern Abend die ersten beiden Plätze belegt, widerspiegelt also die offiziellen Charts», so der Medienverantwortliche.

«Abgesprochene Sache»

20-Minuten-Online-Leser Roger schreibt dazu: «Ich habe diese Staffel nicht mehr geschaut, da man ja im Voraus weiss, dass 'moderne' Hits keine Chance haben.» Ohnehin sind viele der Meinung, alles sei «ein abgekartetes Spiel», «eine abgesprochene Sache, dass Jordi gewinnt».

Dazu Zenklusen: «Die Stimmenzählung wird jeden Sonntag von einer unabhängigen juristische Person vor Ort überwacht, die das ganze Tele- und SMS-Voting kontrollierte. Somit kann man sagen: Die Songs wurden von den Zuschauern gewählt. Wer mitmacht, bestimmt.»

Besteht aber nicht ein Kommunikationsproblem, wenn so viele an der Rechtmässigkeit des Telefon-Votings zweifeln? Zenkluser: «Das glaube ich nicht. Verschiedene Leute haben halt verschiedene Meinungen.»

«Skandalös ist das!»

Was sicherlich nicht gerade zur Vertrauensbildung beitrug, war das Doppelmandat von Francine Jordi als Teilnehmerin und als Moderatorin. Von einer «PR-Aktion für Francine» ist die Rede. «Dass die Moderatorin auch Kandidatin sein kann, gibts wohl nur in der Schweiz. Skandalös ist das!», schreibt Kyra.

«Nun, wir haben sie nicht nominiert», verteidigt sich Zenklusen, «Francine Jordi wurde im Vorfeld auch von Publikum per Online-Voting in den Wettbewerb geholt. Dass wir den Moderator und die Talkrunden-Besetzung beibehalten haben, liegt daran, dass das Quartett bei den vorangegangenen Staffeln so viele positive Bewertungen von den Zuschauerinnen und Zuschauern bekam.»

In der Tat: Trotz der mehrheitlichen Kritik finden sich etliche Francine-Fans unter den Talkback-SchreiberInnen. «Francine Jordi – das ist Jenna Jameson und Maria Callas kombiniert», schreibt Robert Holzwart, «da gibt es einen zweifachen Höhepunkt: den musikalischen und den anderen ... Kleenex anybody?»

Junge Ländlerfans vs. Alt-Rocker

Die These, dass es die älteren Zuschauer sind, die die Sendung sehen, ist für Zenklusen nicht so eindeutig «Ich kann mir auch das andere vorstellen», so der SF-Mann, «es gibt sehr viele junge Leute, die auf Francines Musik stehen.»

Da liegt er richtig, auch das gibts – selbst im 20-Minuten-Online-Talkback: «Jeder konnte abstimmen», schreibt Michael Ryter, «die Bemerkung 'nur eine Minderheit der Musik hörenden Bevölkerung der Schweiz' ist eine Frechheit. Ich bin noch kein Rentner (Jahrgang 72) aber auch ich habe für Francine gestimmt (sie ist sooooooo süss).»

Doch auch das Gegenteil gibt es. Und wie! «Also ich als Pensionierter kann nur sagen: Ich schäme mich für meine anderen Altersgenossen!», so 'Peter'. «Schiebt doch nicht immer alles auf die älteren Jahrgänge!», schreibt 'Ennetsee', «ich gehöre inzwischen auch zu denen, aber 'diese Musik' entspricht auch nicht meinem Geschmack.» Ein weiterer 65-Jähriger berichtet, er habe bei dieser Sendung regelmässig weggezappt.

Spiderman killte Bligg

So lange das Gegenteil nicht bewiesen ist, ist die These nach wie vor plausibel, dass tatsächlich eine Mehrheit älterer Jahrgänge zuschaute und telefonierte. Wenn dem so wäre, welche Lehren müsste das Schweizer Fernsehen daraus ziehen für zukünftige Sendungen? Dazu Zenklusen: «Natürlich werden wir alle Details analysieren und unsere Schlüsse ziehen. Grundsätzlich machen wir TV für alle. Nun, wir hatten ja auch eine Free-TV-Premiere auf SF 2 [«Spiderman 3»]. Schon möglich, dass dabei viele jüngere Zuschauer dies den grössten Schweizer Hits bevorzugten. Da bin ich auf die Quote recht gespannt ...»

Die Quote vom Finale von «Die grössten Schweizer Hits» kann sich sehen lassen: 1,3 Millionen Zuschauer verfolgten den Sieg von Francine Jordi. Damit ist durchaus ein Schweizerisches Median erreicht. Doch solange das SF den Altersschnitt seiner Zuschauer nicht publik macht, bleibt der Zweifel bestehen – zudem der wahre Kern der Kontroverse eigentlich ganz woanders liegt: Der Sendung gingen bereits in der dritten Staffel die wahren Hits aus. Oder wie es Leser 'Olgi' auf den Punkt bringt: «Keiner dieser Titel hat es über die Landesgrenze geschafft. Das müssen ja tolle Hits sein.»

(obi)

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  • sibylle am 17.06.2010 15:34 Report Diesen Beitrag melden

    francine jordi

    Ich bin 14 Jahre alt und habe auch für francine jordi abgestummen. es gibt nicht viele jugendliche und junge leute, die gerne volksmusik und schlager hören. aber es ist keine senioren-show. viele sagen, es sei unfair gewesen, dass francine jordi auf dem sofa sass und auch singen durfte, aber eigentlich müssen doch alle sehen das nicht die sängerin sondern der titel bewertet wird. ich find wir alle sollten das einsehen, auch wenn die mehrheit nicht für sie war. und unfair war es überhaupt nicht, dass sie auf dem sofa sass, denn immerhin stimmen ja die zuschauer ab, und nicht die die auf dem sofa sitzen.

  • jess am 27.11.2009 11:11 Report Diesen Beitrag melden

    hö?!

    ich bin weit über 45 , hätte aber auch viel lieber bligg als sieger gesehen ! Die jordi und co. gehört in die sparte volksmusik. langweilig finde ich das !

  • werner dütsch am 26.11.2009 17:09 Report Diesen Beitrag melden

    typisch schweiz

    bei musik und film sind die schweizer stehengeblieben.man siehts an den swissvip people lach