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Ungeziefer-Alarm
23. November 2009 19:22; Akt: 24.11.2009 07:53 Print
Zwei Wochen mit Bettwanzen im WK
von Annette Hirschberg - Rund hundert Armeeangehörige mussten in Kandersteg wegen Wanzenbefalls dekontaminiert werden. Auch die Offiziere seien selbst von Wanzenbefall betroffen gewesen. Man habe sofort gehandelt, heisst es bei der Armee.
Thomas R.* ist voller Stiche. Über ein Dutzend Mal haben gierige Wanzen den 20-Minuten-Online-Leser erwischt, während er in den letzten drei Wochen im WK war. Mit ihm wurden zahlreiche weitere Rekruten und Offiziere Opfer der kleinen braunen Blutsauger. Etwa die Hälfte der rund 30 Personen, die Anfang November miteinander zum Kadervorbereitungskurs nach Kandersteg einrückte, ist zum Teil massiv verstochen. Zwei davon hatten gar allergische Reaktionen und in der Folge Hautausschläge am ganzen Körper. Zugezogen haben sich dies die Armeeangehörigen in der Pfadi-Unterkunft in Kandersteg. Dort waren sie während dem Kadervorbereitungskurs untergebracht.
BettwanzenBettwanzen sind weltweit auf dem Vormarsch. In den USA insbesondere in New York sind sie stark verbreitet. Auch London gilt als eine besonders schlimm betroffene Gegend. Die kleinen rotbraunen Insekten sind derzeit so aktiv wie letztmals vor dem zweiten Weltkrieg. Im April hatten die US-Umweltbehörden deshalb gar zum ersten Bettwanzengipfel geladen. Auch in der Schweiz reden die Kammerjäger von einer «extremen Zunahme» der Bettwanzen.
Die Blutsauger sind nicht wirklich gefährlich, weil sie, soweit bekannt, keine Krankheiten übertragen. Doch ein Befall ist unangenehm. Die Tierchen nisten sich in der Regel im Schlafzimmer ein. Tagsüber verstecken sie sich in Ritzen und Spalten im Bettgestell, in Falten von Matratzen oder Sofas, unter Tapeten oder hinter Fussleisten. Nachts kriechen sie aus ihren Verstecken hervor und gehen auf Menschenjagd. Der Stich selbst wird meist nicht bemerkt. Hautreaktionen, die durch den Speichel der Wanzen hervorgerufen werden, setzen erst ein, wenn die Wanze den Mensch verlassen hat. Bei empfindlichen oder allergischen Menschen kann der Wanzenbefall zu grossflächigen Hautentzündungen oder gar zu Asthma führen.
Was Thomas R. besonders ärgert, ist die Tatsache, dass die Armeeoberen, die in einem der Pfadihäuser schliefen, offenbar schon in der ersten Nacht von den Krabbeltieren so massiv belästigt wurden, dass sie einen Schlafbereich schliessen liessen. Zu keinem Zeitpunkt sei jedoch überprüft worden, ob das Problem auch in anderen Teilen der Unterkunft bestand. Zwei Wochen haben die Armeeangehörigen in den mit Wanzen verseuchten Betten geschlafen und immer mehr Stiche eingefangen. Doch geschehen sei nichts, «bis wir auszogen», so Thomas R. «Kurze Zeit später, liess das Pfadiheim beide Schlafhäuser wegen des Wanzenbefalls komplett schliessen.»
«Sogar Unterhosen waren von der Armee»
Die Kadervorkursteilnehmer rückten derweil zusammen mit den Rekruten in den Militärbunker ein. Dann ging alles ganz schnell: «Plötzlich hiess es, wir müssen aus dem Bunker raus und unsere gesamte Ausrüstung und unsere Kleider abgeben», erzählt der Betroffene. Zu diesem Zeitpunkt waren schon rund hundert Armeeangehörige vom Wanzenbefall betroffen. Alle mussten in der Kaserne duschen und wurden mit frischen Kleidern versorgt. «Sogar Unterhosen und Socken waren von der Armee», so Thomas R. Während die Betroffenen die halbe Nacht in der Kantine warteten, wurden die Schlafräume und die gesamte Ausrüstung aller Betroffenen gereinigt und gegen das Ungeziefer behandelt.
Die Armee bestätigt den Vorfall im Wesentlichen. Tatsächlich habe der Einheitskommandant in der ersten Nacht die Meldung erhalten, dass sich unbekannte Insekten in einem der Schlafräume befänden. «Der Raum wurde sofort geräumt und versiegelt», so Armeesprecher Christian Burri. Die Armeeangehörigen seien umgehend umquartiert worden und die befallene Unterkunft geschlossen worden. Die Armee glaubte damit, das Problem behoben zu haben. Doch die Tiere breiteten sich in der Folge in weiteren Schlafsälen aus. Doch erst rund ein bis zwei Wochen später hätten die Verantwortlichen erfahren, dass zahlreiche Soldaten über Juckreiz klagten, so Burri. Dann habe man auch sofort gehandelt.
Laut Armee haben zwei Personen unter massivem Juckreiz gelitten und mussten vom Truppenarzt betreut werden. Als Sofortmassnahme wurde zudem das ABC-Zentrum in Spiez und die Spitalschule in Moudon beigezogen. Rund Hundert Armeeangehörige wurden dekontaminiert, wozu auch der Austausch sämtlicher Ausrüstungsgegenstände und die Reinigung der persönlichen Effekte gehörte.
* Name geändert, der Redaktion bekannt

























