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01. November 2007 10:41; Akt: 01.11.2007 11:25 Print
Kinderarbeit: «Das System hat versagt»
Der Fall von Kinderarbeit in Indien schockierte die Welt. Davon betroffen ist die Kleiderfirma Gap, eigentlich ein Vorzeigeunternehmen betreffend Sozialstandards. «Wer ganz sicher sein will, näht seine Kleider am besten selbst», sagt Experte Stefan Indermühle.
Der neueste Fall von Kinderarbeit erschütterte jüngst die Welt. In Indien nähten 10-jährige Kinder unter den unwürdigsten Bedingungen für die westliche Kleiderfirma Gap. Sie wurden von ihren Eltern verkauft, landeten tausende Kilometer weit entfernt in einer Stickerei, wurden nicht bezahlt und oft geschlagen. Stefan Indermühle von der entwicklungspolitischen Organisation «Erklärung von Bern» zeigt sich überrascht, dass die Firma Gap von der Kindersklaverei betroffen ist. Sie engagiere sich überdurchschnittlich für die Verbesserung von Sozialstandards, wie er gegenüber 20minuten.ch erklärt. Sicherheit für den Konsumenten gebe es nach wie vor kaum.
Kinderarbeit in Indien. (Foto: Stefan Indermühle/zvg)
Herr Indermühle, Kindersklaven haben für die bekannte Kleidermarke Gap gearbeitet. Hat Sie das überrascht?
Der Fall von Kinderarbeit hat mich nicht überrascht. Überrascht hat mich, dass es Gap betrifft. Die Firma macht eigentlich sehr viel für die Verbesserung der Sozialstandards.
Trotzdem hat das Vorhaben versagt. Wieso?
Das System hat versagt, weil sie ein Problem mit der Beschaffungsstruktur haben. Die Produktion wird ausgelagert, um möglichst billig produzieren zu können. Dadurch muss sich die Firma auf unzählige Lieferanten verlassen, die ihre Aufträge wieder aufsplittet. Dadurch hat die Firma keine Übersicht mehr, was genau unter welchen Umständen produziert wird.
Was muss Gap Ihrer Meinung nach machen, um dies zu ändern?
Sie müsste die Beschaffungsstruktur anpassen und einen noch grösseren Wert auf die Überprüfung legen. Ich will die Firma Gap nicht anprangern. Aber dass es immer noch Kinderarbeit gibt, ist skandalös. Im Exporthandel hat sich die Situation allerdings verbessert. Weit häufiger wird Kinderarbeit für die Produktion von Inlandgütern hergestellt.
Es gibt mittlerweile viele Bio- und Fairtrade-Labels. Wie sicher sind solche Labels? Ist da dem Konsumenten garantiert, dass keine Kinderarbeit hinter dem Produkt steckt, oder ein glückliches Huhn das Ei gelegt hat?
Es gibt kein Label auf dem Markt, das dieses Versprechen abgibt. Selbst das Fairtrade Label Max Havelaar bezieht sich im Moment nur auf die Baumwollproduktion. In der Verarbeitung werden diese Standards angestrebt. Der soziale Aspekt ist schwieriger umzusetzen als der Ökologische.
Wo muss der Kunde einkaufen, um sicher zu gehen, dass er fair produzierte Ware kauft?
Der Markt hat bisher versagt. Einerseits kann er den Biobaumwoll-Kleidern und den Max Havelaar Kleidern den Vorrang geben. Zudem können die Kunden schauen, dass die Modefirmen mindestens bei einer Verifizierungsstelle wie der Fair Wear Foundation angeschlossen sind. Wenn das passende Stück nicht gefunden wird, dann muss halt auch andere Ware gekauft werden. Dabei ist es wichtig, dass den Firmen beim Einkauf immer mitgeteilt wird, dass diese Ausbeutung nicht akzeptiert wird und sich etwas ändern müsste.
Welche Produkte (Labels) kann der Konsument bedenkenlos kaufen? Welche nicht?
Wir haben dazu einen Einkaufsführer für die Stadt Zürich herausgegeben. Dort gibt es einige Anhaltspunkte. Wer ganz sicher sein will, näht seine Kleider am besten selbst.
Interview: Marius Egger, 20minuten.ch

























