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Interview
06. November 2009 17:22; Akt: 06.11.2009 21:22 Print
«Blocher hat mich schockiert»
von Olaf Kunz - Jürg Schmid, Direktor von Schweiz Tourismus, wechselt nach 10 Jahren in die Konzernleitung der SBB. Im Interview verrät er, welche ToDo's er seinem Nachfolger hinterlässt und ihn in seinem Job am meisten überrascht hat.
In der ersten Jahreshälfte 2010 wird der Schweizer Tourismus-Chef die Leitung der Division Personenverkehr bei der SBB übernehmen (wir berichteten). In den 10 Jahren als Manager von Schweiz Tourismus hat er manches bewegt. Im Gespräch mit 20 Minuten Online zeigt er sich zufrieden mit seinen Leistungen, verrät aber auch, welche unerledigten Aufgaben er seinem künftigen Nachfolger hinterlässt und wo die Tourismusbranche in der Schweiz noch Nachholbedarf hat.
Sieht sich als Qualität-Manager: Auch künftig will Jürg Schmid sich um Kundenzufriedenheit kümmern, dann aber bei der SBB.
20 Minuten Online: Was war die grösste Herausforderung, mit der sich bei Schweiz Tourismus in den vergangenen Jahren konfrontiert sahen?
Jürg Schmid: Vor allem diverse Krisen so wie das Grounding der Swissair. Damit ist zunächst ein wichtiger Zugang für Touristen in die Schweiz weggefallen. Auch 11.September 2001, SARS oder die Finanzkrise haben uns ganz schön gefordert.
Was hat Sie als Tourismus-Manager in Ihrem Job am meisten überrascht?
Am meisten überrascht war ich vor etwa vier oder fünf Jahren. Damals forderte Blocher, dass die Finanzierung von Schweiz Tourismus auf einen Franken herunter gefahren wird. Das war natürlich ein echter Schock. Aber ich war auch überrascht, wie gross die Geschlossenheit der Bevölkerung und der Politik am Ende doch war. Und: Etwas Gutes hat die ganze Diskussion doch gehabt; sie hat nochmals verdeutlicht, wie wichtig die Aufgabe von Schweiz Tourismus ist.
Wo hat die Tourismus-Branche in der Schweiz aus Ihrer Sicht am meisten Nachholbedarf?
Wir stehen vor allem im alpinen Mittelklasse-Hotel-Bereich vor einem grossen Strukturwandel. Es gibt zu viele kleine Hotels, bei denen die Qualität noch nicht stimmt und deshalb investiert werden muss. Bei den gehobenen Hotels ist in den letzten Jahren sehr viel passiert. Sie stehen gut da. Auch im unteren Bereich, zum Beispiel bei Jugendherbergen, ist die Schweiz gut aufgestellt.
Sie haben häufiger die Ladenschlusszeiten und das Sonntagverkaufverbot in der Schweiz moniert. Welche andere Punkte auf Ihrer To-Do-Liste hinterlassen Sie Ihrem Nachfolger, die dringen angegangen werden sollten?
Die Ladenöffnung ist natürlich eine Sache, die nicht in der Funktion des Tourismus-Managers liegt. Leider. Denn gerade in Städten ist die Lieblingsbeschäftigung der Touristen halt nun einmal Shoppen. Aber es gibt auch viele lokale Herausforderungen. Zum Beispiel das Kongresshaus in Zürich. Durch das Fehlen eines solchen ist die Kongress-Infrastruktur sehr begrenzt. Ein weiterer Dauerbrenner ist die Qualität im Tourismusbereich. Von der Schweiz erwarten Touristen mehr als in irgendeinem anderen Land Top-Qualität. Aber auch der Zusammenschluss von Verkehrsvereinen zu grösseren Verbünden ist noch eine Aufgabe. Aber das erweist sich in der Praxis als sehr schwierig.
Sie wechseln als Leiter Personenverkehr zur SBB. Die Talkbacks zu Storys rund um die SBB zeigen, sehr viele Menschen in der Schweiz verärgert sind: Kaputte Toiletten, zu wenig Abteile in Stosszeiten und sowieso viel zu teuer. War es Ihnen bei Schweiz Tourismus zu kuschelig?
(lacht) Also die Tourismusbranche ist alles andere als kuschelig. Man spürt hier deutliche Kräfte wirken. Aber ich wechsle in eine Branche, in der Qualität sehr wichtig ist. Ebenso wie im Tourismusbereich sind auch bei der SBB die Kunden sehr kompromisslos und stellen höchste Ansprüche an die Qualität. Die Herausforderung, die steigenden Pendlerströme ohne Qualitätsverlust zu bewältigen, ist immens und wird meine vollste Aufmerksamkeit erhalten.
Ab wann prangt das SBB-Logo an Ihrem Revers?
Ich werde bis zum letzten Tag für Schweiz Tourismus engagieren. Im Verlauf der ersten Jahreshälfte 2010 werde ich dann zur SBB wechseln und ab dann auch das Logo stolz ans Revers stecken.
Werden Sie vorher erst mal ordentlich Urlaub im Ausland machen?
Ich hoffe, dass ich noch mal ordentlich Urlaub machen kann. Aber das wird dann eher im Winter sein. Und weil es kein besseres Land für Winterurlaub gibt als die Schweiz, werde ich diesen definitiv hier verbringen.

























