Teenager exekutiert

15. Oktober 2008 15:39; Akt: 15.10.2008 15:46 Print

Hingerichtet im Namen GottesHingerichtet im Namen Gottes

von Daniel Huber - Im Iran musste ein 16-jähriges Mädchen am Galgen sterben, weil ihm «unkeusches Verhalten» vorgeworfen wurde. Ein Dokumentarfilm rollt den Musterfall an Bigotterie im Iran auf. Selbst abgebrühte Beobachter wie der deutsche Publizist Henryk Broder können nur staunen.

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Am 15. August 2004 wurde in der nordiranischen Stadt Neka die erst 16-jährige Atefeh R. öffentlich gehängt. Der noch minderjährigen Halbwaisen legte der Richter den Strick eigenhändig um.

Der Film «Galgen für eine 16-Jährige - Warum Atefeh hingerichtet wurde» von Monica Garnsey, der die Hintergründe dieses schockierenden Falles ausleuchtet, ist am 26. Februar 2007 in der WDR-Reihe «die story» ausgestrahlt worden.

Der Fall selber hatte 2004 einiges Aufsehen erregt. So hatte die «Süddeutsche» darüber berichtet, dabei aber in der Tatsache, dass Atefeh immerhin nicht gesteinigt worden war, einen Fortschritt gesehen. Dies veranlasste den bekannten deutschen Publizisten Henryk Broder («Hurra, wir kapitulieren») zu einer scharfen Abrechnung («Humanes Hängen»).
Broder erklärte 20 Minuten Online auf Anfrage, seines Wissens habe sich die Situation im Iran seither nicht zum Besseren gewendet. Die Gesellschaft unter der Diktatur der heuchlerischen Mullahs sei bigott; man bekomme alles, Drogen, Alkohol und Sex - nur aufgrund der herrschenden Doppelmoral eben nicht in der Öffentlichkeit.

In den Fängen der «Moral-Polizei»

Atefeh R. hatte schon früh ihre Mutter verloren, und ihr Vater war drogensüchtig. So wuchs sie bei den Grosseltern auf, die sich mehr schlecht als recht um die Teenagerin kümmerten. Atefeh wurde zu einer Streunerin, die sich nicht an die strengen Regeln hielt, die im Gottesstaat Iran gelten.

Mit 13 Jahren geriet sie zum ersten Mal in die Fänge der islamischen «Moral-Polizei». Noch kam sie «glimpflich» davon: Sie wurde «nur» eingesperrt und ausgepeitscht, so wie es das Scharia-Recht verlangt.

Vergewaltigt und verurteilt

Zum Verhängnis wurde Atefeh die Begegnung mit dem 51-jährigen Taxifahrer Ali Darabi. Der Familienvater vergewaltigte sie im Laufe der Zeit mehrfach. Als Atefeh erneut verhaftet wurde und unter den Peitschenschlägen den Namen ihres Peinigers herausschrie, wurde sie wegen «unkeuschen Verhaltens» angeklagt.

Der Richter verurteilte die 16-Jährige zum Tod, weil sie sich im Gerichtssaal unbotmässig verhielt: Sie hatte den Schleier ausgezogen und mit einem Schuh nach dem Richter geworfen. Da auch der Iran die UNO-Kinderkonvention unterzeichnet hat, die die Hinrichtung von Minderjährigen untersagt, wurde Atefeh kurzerhand zur 22-Jährigen erklärt, ihre Geburtsurkunde gefälscht.

Ihr Vergewaltiger erhielt 80 Peitschenschläge.