Reisebranche
27. August 2009 15:16; Akt: 27.08.2009 16:36 Print
Keine Lust auf Ferien: Kurzarbeit bei Kuoni
von Sandro Spaeth - Die Kurzarbeit betraf bisher hauptsächlich Industriebetriebe. Weil die Schweizer derzeit aber keine Ferien buchen, wird auch bei Kuoni weniger gearbeitet. Die Frage ist: Wie soll dies in einem Dienstleistungsbetrieb funktionieren?
Als eine der ersten Branchen traf die Wirtschaftskrise die stark vom Ausland abhängige Maschinen- und Metallindustrie. Hunderte Betriebe führten Kurzarbeit ein. Nun muss auch das Reisegewerbe, das seine Kunden normalerweise ins Ausland schickt, zu ausserordentlichen Massnahmen greifen. Wegen Buchungsrückgängen hat als erster grosser Reisanbieter Kuoni per 1. September Kurzarbeit angekündigt.
Von der Kurzarbeit betroffen sind auch die Mitarbeiter an der Front(Bild: Keystone)
Tui Suisse trifft Vorkehrungen um die Kurzarbeit nötigenfalls ausweiten zu können(Bild: Keystone)
Der Reisekonzern verfügt in der Geschäftseinheit Schweiz über 1200 Vollzeitstellen. Wie viele Leute genau von der Kurzarbeit betroffen sind, kann Kuoni Mediensprecher Peter Brun noch nicht sagen. «Die Bewilligungen für Kurzarbeit müssen wir in jedem Kanton einzeln beantragen.» Noch seien nicht alle eingetroffen. Es werde aber höchstens 40 Prozent der Belegschaft betreffen.
Maschinen stilllegen nicht möglich
Anders als in einem Industriebetrieb mit zu wenigen Aufträgen kann Kuoni nicht einfach einige Tage pro Woche die Produktionsmaschinen abstellen. Kurzarbeit ist laut Brun aber auch in einem Dienstleistungsbetrieb möglich. «Es gibt Abteilungen, wo derzeit viel weniger Arbeit anfällt.» Wenn beispielsweise in den Reisebüros viel weniger Reisen nach Asien gebucht würden, habe die Asienabteilung in der Zentrale folglich auch weniger Aufträge zu verarbeiten. Die Arbeitszeitreduktion variiert daher je nach Abteilung.
Keine Wartezeiten
Von der Kurzarbeit betroffen sind auch die Kundenberater an der Front. Für Kuoni ist das aber kein Problem. «Die Öffnungszeiten in den Reisebüros werden wir weiterhin einhalten». Der Filialleiter müsse entscheiden, welche Mitarbeiter, wann zu Hause bleiben. Dass es für Kunden, die trotz Rezession Geld fürs Reisen übrig haben, zu Wartezeiten kommt, glaubt Brun nicht. «Wir stützen uns auf die Erfahrungswerte des ersten Halbjahres. Es ist eher unwahrscheinlich, dass die Situation morgen plötzlich anders ist.» Der Buchungsstand bei Premium-Reisen liegt laut Brun derzeit 16 Prozent tiefer als im Vorjahr.
Entscheidend ist die Umsetzung
Die Einführung von Kurzarbeit in der Reisebranche ist laut dem Dienstleistungsspezialisten Jörg Hilber von der Business-Coaching-Firma réalités kein einfaches Unterfangen. «Die Gefahr, dass der bei der Dienstleistung im Reisebüro anwesende Kunde etwas von der Kurzarbeit bemerkt, ist viel grösser als bei einem Industriebetrieb, wo der Käufer nichts von der Produktion mitbekommt.» Entscheidend sei die Art und Weise der Umsetzung. Moderne Dienstleistungsbetriebe arbeiten laut Hilber ähnlich der Industrie ebenfalls mit Prozessen. «Eine Optimierung oder kundenorientierte Anpassung ist hier durchaus möglich.»
Dauer der Kurzarbeit unbestimmt
Für die Reiseanbieter ist die Krise noch längst nicht ausgestanden und auch die Schweinegrippe könnte die Reiseunlust der Schweizer noch verstärken. «Der Aufschwung wird bestimmt nicht schon nächste Woche kommen», meint Brun. Trotzdem hegt er etwas Hoffnung: «Sollten plötzlich viele Buchungen für Herbstferien eintreffen, können wir die Arbeitszeit von einem Tag auf den anderen wieder erhöhen.» Im Moment gilt die Kurzarbeit auf unbestimmte Zeit.
Viel Arbeit fürs Personalwesen
Die einzige nicht von Kurzarbeit betroffene Abteilung ist das Personalwesen. Brun: «Der administrative Aufwand für die Erfassung und Abrechnung der Kurzarbeit ist riesig.» Die Personalleute hätten alle Hände voll zu tun. Nicht von der Kurzarbeit betroffen sind die Kuoni-Kadermitarbeiter. Laut Gesetz wäre Kurzarbeit aber auch für Kader möglich, sofern ihr Arbeitsausfall bestimmbar und ihre Arbeitszeit ausreichend kontrolliert werden kann. Von der Kurzarbeit ausgenommen sind laut Gesetz grundsätzlich lediglich Mitglieder eines obersten Entscheidungsgremiums.
Bald auch Tui Suisse?
Kuoni ist der erste grosse Schweizer Reiseanbieter, der Kurzarbeit anmelden muss. Alleine auf weiter Flur ist der Konzern aber nicht: Bei Vögele Reisen, einer Tochter von Tui Suisse, wurde im Juni in einem Callcenter Kurzarbeit eingeführt. Möglicherweise wird die Kurzarbeit bald aber auch weitere Unternehmensteile treffen. Gegenüber der «Handelszeitung» liess Tui Suisse Chef Martin Witter verlauten: «Zurzeit schaffen wir die Voraussetzungen, um in weiteren Bereichen bei Gelegenheit zu Kurzarbeit greifen zu können.» M-Travel Switerland und Knecht Reisen schliessen diese Massnahme im laufenden Jahr aus.































