Adoption

25 juillet 2008 12:03; Act: 25.07.2008 12:59 Print

Adoptieren geht leichter, wenn man Madonna heisst

Prominente können Kinder innert kurzer Zeit adoptieren, während «normale» Paare oft Jahre warten müssen. Diese Ungleichheit ist störend.

Une faute?

«Diese Leute machen zwei Wochen Ferien und kommen dann mit einem Kind zurück», sagt Marlène Hofstetter, die bei Terre des Hommes für Adoptionen verantwortlich ist. «Davon halte ich gar nichts. Es ist völlig ungerecht gegenüber den Menschen, die sich auf eine Warteliste setzen lassen und dann lange Geduld haben müssen.»

Entsprechend wirbelte Madonnas Adoption eines Kindes aus Malawi viel Staub auf. Ihr gleichtun möchte es nun der französische Sänger Johnny Hallyday, der bereits Vater eines in Vietnam adoptierten Mädchens namens Jade ist. Jetzt möchten er und seine Frau ein weiteres vietnamesisches Kind adoptieren, obwohl der Chansonnier schon über 60 Jahre alt ist.

Marlène Hofstetter findet das empörend: «Ich bin überzeugt, dass die Prominenten Sonderrechte geniessen, denn eigentlich haben alle Länder klare Kriterien für Adoptionen, darunter auch das Alter der Eltern.» Ricardo Graells, Präsident der Organisation Adopte.ch, schliesst sich ihr an: «Es wäre schockierend, wenn diesen Leuten eine Vorzugsbehandlung zuteil würde. Andererseits sind diese Fälle nicht sehr zahlreich, sie provozieren einfach immer Schlagzeilen».

Immer weniger Kinder

Adoptionen werden inzwischen aus verschiedenen Gründen zunehmend schwierig. «Es gibt immer weniger Kinder, die für Adoptionen in Frage kommen», stellt Marlène Hofstetter fest, «einerseits, weil die Adoption innerhalb der betreffenden Länder an Bedeutung gewonnen hat, andererseits, weil verwaiste Kinder meist von den Grossfamilien betreut werden.» Wenn man sich in einem Land wie Kolumbien für eine Adoption interessiert, muss man heute mit einer Wartezeit von drei bis vier Jahren rechnen. Andere Länder haben die jährlich zulässige Zahl von Adoptionen mittels Quoten begrenzt.

Das Prozedere ist sehr langwierig und extrem kompliziert, auch in der Schweiz. Zunächst muss man auf Kantonsebene eine provisorische Adoptionserlaubnis beantragen. «In gewissen Kantonen kann das drei Monate dauern, in Genf, wo akuter Personalmangel herrscht, sogar bis zu 18», erläutert Ricardo Graells. Kein Vergleich zu Madonnas Blitzadoption in Malawi…

Thailand sehr beliebt

Seit 2003 wird die Adoption von im Ausland geborenen Kindern durch das Haager Übereinkommen geregelt. 70 Staaten, darunter die Schweiz, haben es ratifiziert. Dennoch hat jedes Land nach wie vor seine eigene Gesetzgebung: «Gewisse Staaten verlangen zum Beispiel, dass adoptionswillige Eltern keine eigenen Kinder bekommen können», sagt Groells. Die Kriterien, die es in manchen Ländern zu erfüllen gilt, sind zahlreich und komplex. Vergleichsweise kurz sind die Wartezeiten in Thailand, dass sich deshalb bei schweizerischen Adoptionseltern in spe grosser Beliebtheit erfreut. Indien und Kolumbien liegen ebenfalls weit vorne. Im Jahr 2006 wurden in der Schweiz über 600 Kinder adoptiert, davon etwa 300 in der Westschweiz.

dbe/rma