Life Sciences

13. September 2017 00:00; Akt: 15.09.2017 08:11 Print

Mit Müll die Welt retten – Altholz statt Erdöl

Ein unscheinbarer Holzabfallstoff, ein gewöhnlicher Pilz – und Wissenschaftler mit Forschungsdrang. So entwickelte die Hochschule für Life Sciences der FHNW eine umweltschonendere Art der Plastikherstellung. (Life-Sciences-Woche, Teil 3/5)

storybild

Ein neues Verfahren erlaubt es, aus Holzabfällen statt aus Erdöl Plastik herzustellen. (Bild: Kanvag)

Fehler gesehen?

Die Menschen verbrauchen zu viel Plastik. Viel zu viel. Und ein Grossteil davon wird nicht wiederverwertet. Bestehen Chancen auf eine Reduktion? Eher nicht. Der gedankenlose Verschleiss belastet aber nicht nur die Umwelt. Für die Herstellung von Plastik wird Erdöl gebraucht, eine wertvolle und nicht erneuerbare Ressource, die ohnehin schon knapp ist.

Forschende der Hochschule für Life Sciences der FHNW haben sich diesem Umweltproblem angenommen. Genau solchen Themen wie dem Plastikverbrauch widmet sich die Grüne Chemie. Sie will chemische Verfahren und Produkte optimieren und nachhaltiger machen. Dazu gehört die Sorgfalt im Umgang mit nicht erneuerbaren Ressourcen, die Suche nach sinnvolleren Alternativen oder ungefährlicheren Stoffen, die Vermeidung von Abfällen und der Fokus auf Energiesparsamkeit.

Das neue Verfahren liefert die Ausgangsstoffe für Plastik

Die Wissenschaftler bemühen sich, aus Holz Bausteine für die Herstellung von Plastik zu gewinnen: So kann der Holzbestandteil Lignin anstelle von Erdöl für die Plastikproduktion verwendet werden. Eine wegweisende Methode. Bis sie stand, brauchte es allerdings Durchhaltevermögen und Kreativität. Erst einmal galt es, das Lignin so aufzuspalten, damit es für die Plastikherstellung verwendet werden kann. Die rettende Idee lieferte die Natur: Ein Pilz, der im Wald totes Holz zersetzt. Doch auch das reichte nicht aus, schliesslich werkelt ein Pilz monatelang vor sich hin, während es unter Laborbedingungen zügiger gehen sollte. Dafür werden geeignete Pilz-Enzyme mit chemischer Oxydation kombiniert.

Mit dieser Methode hofft man, die Umwelt zu schützen und fossile Rohstoffe zu schonen. Je knapper das Erdöl wird, desto mehr Bedeutung erhalten solche Alternativstoffe. Die Forschenden haben zudem ein Verfahren entwickelt, dank dem sich die Enzyme bis zu zehnmal wiederverwenden lassen. Dieser ressourcenschonende Einsatz ist wichtig, weil die chemische Industrie erst dann auf neue Fertigungsmethoden umsteigt, wenn ein finanzieller Anreiz besteht.


Life-Sciences-Woche

Life Sciences sind die Wissenschaften im Schnittpunkt von Natur, Technik, Medizin und Umwelt. In fünf Beiträgen bringen wir euch dieses Forschungsgebiet näher:

1. Optimale Ernährung geht bald viel einfacher

2. Bier macht den Darm stabiler

3. Mit Müll die Welt retten – Altholz statt Erdöl

4. Endlich weniger Tierversuche

5. Den Geheimnissen der Basler Spitäler auf der Spur

(CP)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • carmen diaz am 11.09.2017 11:24 Report Diesen Beitrag melden

    kunststoff aus...

    ...flüssigem holz ist eine news von anno dazumal! arboform wurde wurde bereits 1998 entwickelt! zitat von meiner tante wiki "Arboform basiert auf Lignin, einem der Hauptbestandteile von Holz". schon wieder eine einrichtung die publicity braucht für forschungsgelder...

  • Adrian am 11.09.2017 12:56 Report Diesen Beitrag melden

    Humbug

    In der Schweiz werden alle verbrennnbaren Abfälle verbrannt und so zum Heizen oder zur Stromgewinnung genutzt. Trotzdem decken die Abfälle nur wenige Prozente des ganzen Energiekonsums ab. Simples Verbrennen hat in den allermeisten Fällen eine bessere Enegieausbeute als komplizierte technische Verfahren.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Adrian am 11.09.2017 12:56 Report Diesen Beitrag melden

    Humbug

    In der Schweiz werden alle verbrennnbaren Abfälle verbrannt und so zum Heizen oder zur Stromgewinnung genutzt. Trotzdem decken die Abfälle nur wenige Prozente des ganzen Energiekonsums ab. Simples Verbrennen hat in den allermeisten Fällen eine bessere Enegieausbeute als komplizierte technische Verfahren.

  • carmen diaz am 11.09.2017 11:24 Report Diesen Beitrag melden

    kunststoff aus...

    ...flüssigem holz ist eine news von anno dazumal! arboform wurde wurde bereits 1998 entwickelt! zitat von meiner tante wiki "Arboform basiert auf Lignin, einem der Hauptbestandteile von Holz". schon wieder eine einrichtung die publicity braucht für forschungsgelder...