Life Sciences

15. September 2017 00:00; Akt: 15.09.2017 08:09 Print

Den Geheimnissen der Basler Spitäler auf der Spur

Bei einem komplexen Unternehmen wie der Zusammenlegung von Spitälern müssen die Planer einen möglichst umfassenden Eindruck des gesamten Systems erhalten. Dazu brauchen sie Fakten – und die liefern Big Data, sogar in 3-D. (Life-Sciences-Woche, Teil 5/5)

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Dank Big-Data-Analysen können Planer heute bei komplexen Prozessen viel einfacher faktenbasierte Entscheidungen treffen: Serverraum in einem Data Center. (Bild: Scanrail)

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Ein Spital ist ein Geflecht aus vielen gut funktionierenden Systemen. Niemand hat alleine den Überblick über alle Abläufe. Wenn Spitäler zusammengelegt werden, wird es so richtig kompliziert. Wie ist trotz der Neuorganisation weiterhin eine reibungslose Arbeitsweise möglich? Wie soll man räumliche Beziehungen und Notwendigkeiten abbilden? Wie Schwierigkeiten erkennen oder sich gar für zukünftige Herausforderungen wappnen?

Diese Fragen stellt man sich derzeit in der Region Basel, wo die Zusammenführung des Universitätsspitals Basel und des Kantonsspitals Baselland ansteht. Die Planer können dabei faktenbasierte Entscheidungen treffen. Dank der Software Xplan, entwickelt von Forschenden der Hochschule für Life Sciences der FHNW, erhalten sie aussagekräftige Auswertungen und Visualisierungen der Spitaldaten.

Es ist nicht das erste Grossprojekt in diesem Bereich, das die Hochschule für Life Sciences der FHNW begleitet. Sie war auch involviert, als der Campus des Berner Inselspitals neu konzipiert wurde.

Fast 40 Kliniken gehören zum Inselspital, 40’000 Menschen werden während eines Jahres stationär versorgt, hinzu kommt mehr als eine halbe Million ambulanter Behandlungen. Die Buchhaltungsdaten der stationären Patienten flossen in die Software Xplan ein. 320’000 Transfers zeigte die Visualisierung der Patientendaten auf, von der Aufnahme bis zur Entlassung. So wurden die Bewegungen innerhalb des gesamten Spitals sichtbar.

Immer wieder erlebten die Involvierten Aha-Momente, weil die Datenvisualisierungen Geheimnisse und Probleme offenlegten, aber auch Lösungen aufzeigten. Eine Überraschung war beispielsweise die Strecke, die Patienten des Inselspitals im Rahmen ihrer Behandlung durchschnittlich zurücklegten: 1,1 Kilometer. Eigentlich unzumutbar. Die Wege zwischen einzelnen Abteilungen waren zu weit, weil Abteilungen mit häufigem gemeinsamen Patientenverkehr ungünstig lagen. Dank den Visualisierungen und den daraufhin getroffenen Massnahmen werden künftig rund 8000 Kilometer an Patienten-Bewegungen eingespart.

Die Erfahrungen aus Bern fliessen in der Projektarbeit für Basel ein. Aber man ist noch einen Schritt weiter: Neu wurde für die Datenvisualisierung ein 3-D-Modell entwickelt. Erste Ergebnisse sind Ende 2017 zu erwarten.

Life-Sciences-Woche

Life Sciences sind die Wissenschaften im Schnittpunkt von Natur, Technik, Medizin und Umwelt. In fünf Beiträgen bringen wir euch dieses Forschungsgebiet näher:

1. Optimale Ernährung geht bald viel einfacher

2. Bier macht den Darm stabiler

3. Mit Müll die Welt retten – Altholz statt Erdöl

4. Endlich weniger Tierversuche

5. Den Geheimnissen der Basler Spitäler auf der Spur

(CP)

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