Basel

14. März 2018 18:17; Akt: 14.03.2018 20:04 Print

«Bordellkunden klingeln nachts bei Anwohnern»

Der FKK Saunaclub ist Basels grösstes Bordell und operiert seit neun Jahren ohne Bewilligung in einem Hinterhof mitten in einem Wohnquartier. Die Anwohner haben die Nase voll.

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Als «ersten und grössten Saunaclub von Basel» preist sich FKK Basel im Internet an. Seit neun Jahren läuft der Bordellbetrieb im Hinterhof einer Liegenschaft in der Kleinbasler Amerbachstrasse mittlerweile. Ohne Bewilligung. Anwohner wehren sich seit Jahren gegen den in ihren Augen illegalen Betrieb des Sexclubs, der einzig über eine gültige Bewilligung für den Betrieb eines Fitnessclubs verfügt.

Über 200 Bewohner des Matthäusquartiers haben mit ihrer Unterschrift am Montag die Schliessung des Bordells beim Bau- und Gastgewerbeinspektorat gefordert. «Das hat rechtlich natürlich keine Wirkung», sagt Anwohner Markus Knöpfli, der den Widerstand gegen den Sexclub anführt. «Aber es ist ein starkes Zeichen gegen die Behauptung des FKK-Anwalts, dass das Bordell kaum jemanden im Quartier stört.»

Erbrochenes und «ideelle Immissionen»

Im Gegenteil, die Anwohner fühlten sich massiv gestört, sagt Knöpfli. «Man findet Erbrochenes in der Einfahrt und teilweise betrunkene Kunden des Bordells klingeln zu jeder Tages und Nachzeit bei den falschen Leuten», berichtet er. Einige Anwohner seien bereits weggezogen. «Nach neun Jahren ist man langsam zermürbt», so Knöpfli.

Dabei scheint die Rechtslage sonnenklar. Das Bau- und Gastgewerbeinspektorat hat die Umnutzung des als Fitnessclub angemeldeten Bordells in einen Sex-Betrieb am 23. Juni 2017 abgelehnt. Dies aufgrund der «notorischen materiellen wie auch ideellen Immissionen des geplanten Sexgewerbes, und zwar unabhängig von der Frage der Einhaltung des Wohnanteilplans», wie das Amt im Entscheid festhielt. Die beantragte Nutzung sei aber auch nicht zonenkonform.

Rekurs, Rekurs, Rekurs

Trotzdem geht der Betrieb im Hinterhaus der Amerbachstrasse 45 weiter. Die Betreiberin des Bordells, die KMS Verwaltungs GmbH, schöpft seit Jahren alle Rechtsmittel aus. Gegen die Verfügung, dass die Öffnungszeiten anzupassen und die Räume als Fitnessclub zu nutzen seien, wurde rekurriert. Das Verfahren ist zurzeit bei der Baurekurskommission und auch beim Appellationsgericht hängig. Das Baudepartement äussert sich deshalb nicht zur Angelegenheit.

Ende März ist vor Ort im Bordell eine Augenscheinverhandlung angesetzt. Die Baurekurskommission will sich selbst ein Bild von der Situation machen.

FKK-Anwalt widerspricht Amt

Der Anwalt des FKK Basel Andreas Noll stellte gegenüber Telebasel in Abrede, dass der Bordell-Betrieb nicht zonenkonform sei. Zudem seien in den letzten Jahren keine Lärmklagen eingegangen, obwohl dazu aufgerufen worden sei. Noll behauptete gegenüber dem Sender weiter tatsachenwidrig, dass Knöpfli selbst gar nicht im Quartier wohne.

(lha)