Dr Schuss isch duss

28. Dezember 2017 16:02; Akt: 28.12.2017 16:43 Print

«D Boscht goot ab» an der Basler Fasnacht

von Corinna Zigerli - Die Basler Fasnacht thematisiert 2018 das Poststellensterben, das auch vor der Basler Innenstadt nicht Halt macht. Die Plaketten-Künstlerin machte sogar jahrelang in New York Fasnacht.

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Sie ist da, die Fasnachts-Blaggedde 2018. Der Fasnacht höchstes Heiligtum wurde dieses Jahr von einer Frau entworfen, erst zum dritten Mal. «D Boscht goot ab» heisst das Sujet der Fasnacht 2018 – und klar, es geht um die Post. Die Künstlerin Clelia Zoller hatte die Idee zum Sujet, als der gelbe Riese bekanntgab, die historische Hauptpost in der Basler Innenstadt schliessen zu wollen: «Das hat mich bewegt und auch traurig gemacht – auch, weil immer mehr Poststellen geschlossen werden», so Zoller. Nicht zuletzt steht das Sujet im übertragenen Sinne auch für das Treiben an der Fasnacht, denn an der Fasnacht «goot d Boscht ab».

Aus dem Couvert an die Fasnacht

Adrian Kunz, Plakettenchef des Fasnachts-Comités, ist überzeugt, dass die «Blaggedde» gut ankommen wird: «Das Thema Post bewegt die Menschen, zudem ist sie sehr schön gestaltet und sauber ausgearbeitet». Das Basler Fasnachts-Schmuckstück kommt am 6. Januar 2018 in den Verkauf, traditionellerweise in Kupfer, Silber, Gold und in der verkleinerten Form als ebenfalls vergoldetes Bijou.

Neu wird das Bijou als Anhänger für eine Halskette angeboten. Diese Besonderheit wird nur in begrenzter Stückzahl hergestellt und ist ab dem 8. Januar exklusiv auf dem Sekretariat des Fasnacht-Comité zu haben. Die Plakette ist traditionell das Eintrittsbillett an die Fasnacht: Mit dem Erlös werden die Fasnachtsvereine subventioniert. Der Erwerb ist schlicht Ehrensache – «me het e Blaggedde».


So entsteht die Basler Fasnachts-Blaggedde. (Video: sda/Keystone)

«Grosser Traum in Erfüllung gegangen»

Clelia Zoller ist von Kindsbeinen an Fasnächtlerin mit Leib und Seele. Sie pfeift in der Alten Garde eines Grossbasler Stammvereins. Nach 1934 und 1993 ist sie erst die dritte Frau, die den Plakettenwettbewerb gewinnt. Auch in den zehn Jahren, als Clelia Zoller in den USA gelebt hat, ist sie der Fasnacht treu geblieben. Bei den «New York Bebbi» stieg sie auch im Big Apple jede Woche zum Üben in den Cliquenkeller.

Zudem malt die hauptberufliche Fotografin seit über 20 Jahren Fasnachtslaternen. Dass sie den Wettbewerb gewonnen hat berührt sie: «Als ich im Sommer erfahren habe, dass mein Entwurf aus 82 Eingaben ausgewählt wurde, konnte ich es nicht glauben. Es ist ein grosser Traum in Erfüllung gegangen. Meine Freude war so gross, dass mir die Tränen kamen.»

Sujet vor Unesco-Eintrag bestimmt

Seit kurzem ist die Basler Fasnacht offiziell Unesco-Weltkulturerbe – so erwarteten viele, dass das Sujet damit zu tun haben wird. Weit gefehlt, wie Comité-Obmann Christoph Bürgin in seiner Einleitung sagte: «Wir haben uns bereits im Sommer für das Sujet entschieden, da wussten wir noch nicht, ob die Fasnacht Weltkulturerbe wird oder nicht. Wenn wir voll darauf gesetzt hätten und es nicht geklappt hätte, dann wären wir in gröbere Schwierigkeiten geraten. Entwürfe hätten wir aber gehabt.»

Abtrünnige Olympia lässt Comité kalt

Die Vernissage der «Blaggedde» war dieses Jahr von Misstönen begleitet. Die traditionsreiche Fasnachtsgesellschaft Olympia 1908 sagte sich schon am Mittwoch unter Protest vom Comité los (in 20 Minuten). Sie verzichtet auf die Subventionen durch den Plakettenverkauf und lancierte kurzerhand eine eigene “Blaggedde».

Christoph Bürgin, Obmann des Comité, reagiert gelassen: Er ist sicher, dass die Inszenierung zum Sujet der Clique gehört – ganz olympia-like halt, mit viel Getöse. «Und die Plakette ist für uns eher ein Gesellschafts-Abzeichen als eine ‹Blaggedde›», sagt er mit einem Schmunzeln.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Normalverbraucher am 28.12.2017 11:47 Report Diesen Beitrag melden

    "Poststellensterben"

    Sterben tut normalerweise etwas, das nicht mehr überlebensfähig ist oder nicht mehr gebraucht wird. Bei den Poststellen wird aber von irgendwelchen Superstudierten "Service Public" abgemurkst, der gebraucht würde. Und als ich dann im coop (wo mit Riesenplakaten nur für "Päckliservice" geworben wird) nachfragte, was für Dienstleistungen denn da angeboten würden, bekam ich nur sehr unfreundliche Antwort. Na ja, mal schauen, wie lange ich dann, in der unterdessen einzigen Poststelle für einen Ort mit 20'000 Einwohnern, für das werde anstehen müssen, was ich brauche.

  • marko 32 am 28.12.2017 11:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leider

    Leider

  • R.E.S.E.T am 28.12.2017 16:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geniesst das Fest

    Ein besonderes Volk die Fasnächtler, habe es noch nie verstanden das Tamtam, aber die verstehen auch nicht, das für mich de ganze Jahr ein Tamtam ist :-) ergo, leben und leben lassen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Papa Bär am 28.12.2017 18:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ach die Olympia...

    ...gibt es immer noch? Die sind vielleicht zäh.

    • bebbi am 28.12.2017 19:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Papa Bär

      zum glück! die fasnacht wird leider immer mehr zu einem spielplatz der elite die sich gerne mal selbst feiert und so die rebelischen züge der fasnacht verschwinden lassen! aus einem volksfest wird ein fest der oberen 10000! drümmeli statt guggemuusik

    • Fährimaa am 28.12.2017 21:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @bebbi

      Haben etwas die alten Stainlemer oder die Basler Bebbi die rebellischen Züge in den letzten Jahren ausgelassen? Einfach mal was nachplaudern ohne zu denken. Ganz toll.

    • Tambour am 29.12.2017 11:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @bebbi

      Was war zuerst da? Die Trommel oder die Guggeninstrumente? Die Trommel. Richtig.

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  • Waggis am 28.12.2017 17:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schlechte Wahl

    Kein Knüller, leider. Dem Comitè wurden garantiert bessere Vorschläge unterbreitet. Somit profitieren die Olyper mit ihrer Plakette.

  • R.E.S.E.T am 28.12.2017 16:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geniesst das Fest

    Ein besonderes Volk die Fasnächtler, habe es noch nie verstanden das Tamtam, aber die verstehen auch nicht, das für mich de ganze Jahr ein Tamtam ist :-) ergo, leben und leben lassen.

  • franz am 28.12.2017 16:38 Report Diesen Beitrag melden

    Dienstleistungsbetrieb

    das war mal eine Dienstleistung am Volk vom Bundesamt !wasist passiert !sind wir es nicht mehr wert ?die Pöstler stönen wegen den vielen Packeten !die ja nicht billig sind zum versenden und da macht man ZU?begreife das nicht!

  • Schämu am 28.12.2017 16:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rückständige Basler

    Für was die Post thematisieren die ist schon lange gestorben.

    • lass es einfach bleiben am 28.12.2017 21:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Schämu

      Als Berner sollte man die Basler nicht kommentieren. Ich habe z.Bsp. keine Ahnung von Medizin und mische mich bei einer Diskussion von Chirurgen auch nicht ein.

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