20 Frauen klagen an

11. September 2017 17:54; Akt: 12.09.2017 10:02 Print

«Der Physio berührte mich mit seinem Penis»

Vor dem Strafgericht Basel-Stadt sitzt ein Physiotherapeut (50), der sich an 20 Frauen vergangen haben soll. Trotz erdrückender Beweislast bestreitet er die Taten vehement.

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Ein Physiotherapeut steht vor dem Strafgericht. Er soll sich an seinen Patientinnen vergangen haben. (Bild: aj)

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Die Aussagen der Opfer decken sich in den wichtigsten Punkten: Der Physiotherapeut sei zu Beginn der Sitzungs-Perioden äussert zuvorkommend gewesen und erst während der letzten Treffen sei es zu grenzüberschreitenden Berührungen gekommen. Übergriffig wurde er, als seine Patientinnen bäuchlings auf der Schrage lagen und angehalten wurden, ihre Hände nach vorn über das Kopfende zu strecken. Der Angeklagte habe sein Geschlechtsteil jeweils an die Hände der Frauen gedrückt und sich daran gerieben. Einige Frauen berichten, eine Erektion gespürt zu haben. Andere schildern, dass das Glied entblösst gewesen sei.

«Ich spürte seinen Penis an meinen Händen: warm und pochend. Es war komisch und ich war froh, als es vorbei war», erzählte eine 67-jährige Zeugin, die sich 2007 von dem Beschuldigten behandeln liess. Sie habe sich jahrelang dafür geschämt und schmutzig gefühlt. «In die Physio bin ich dann nicht mehr gegangen.»

Hand in Slip gesteckt

Sieben Jahre lang – zwischen 2007 und 2014 – soll der 50-jährige Deutsche, der eine leitende Funktion innehatte, seine Opfer geschändet, genötigt und deren Notlage ausgenutzt haben. An 20 Frauen, darunter auch zwei Kolleginnen und einer Praktikantin, habe er sich vergangen, so der Vorwurf der Basler Staatsanwaltschaft.

Der Mann, der mittlerweile nicht mehr als Physiotherapeut tätig ist, soll es nicht immer bei den geschilderten Berührungen belassen haben. «Ich hatte plötzlich seine Hand in meinem Slip. Eine Sitzung später hielt er seinen erigierten Penis vor mein Gesicht. Als ich versuchte, ihn wegzustossen, wies er mich an, liebevoller mit ihm umzugehen», sagte eine andere Zeugin vor Gericht aus. Einer weiteren Patientin habe er Avancen gemacht, ihren Körper gestreichelt und sie zu küssen versucht. Auch sie brach die Treffen mit ihm daraufhin ab.

Patientin zu Oralsex gezwungen

Die Anklage lautet auch auf sexuelle Nötigung. Einer Patientin soll er den Kopf seitlich fixiert und ihr seinen Penis in den Mund gedrückt haben.

Der Beschuldigte gab sich während der Verhandlung unwissend. Die Anschuldigungen könne er sich nicht erklären. Er liess keine Möglichkeit aus, zu betonen, welch gute Arbeit er als Physiotherapeut geleistet habe. «Ich habe immer mit vollem Körpereinsatz gearbeitet. Bereits in der Ausbildung habe ich gelernt, dass man beim Patienten voll ran muss», sagte er.

War es das Triggerpunkt-Hölzchen?

Wenn es zu Berührungen mit seinem Penis gekommen sei, dann seien die keineswegs absichtlich gewesen. «Ausschliessen kann ich sie leider nicht», so der Beschuldigte. Stattdessen verwies er auf das «Triggerpunkt-Hölzchen», ein medizinisches Werkzeug, das er gerne nutzte und oft in seiner Hosentasche aufbewahrte.

Er machte geltend, dass sowohl Form als auch Substanz dieses Hilfsmittels Parallelen zum männlichen Geschlechtsteil aufweisen würden. Auffallend: Während der Vorverhandlung bestritt er die Tatsache, dass es überhaupt zu Berührungen gekommen sei.

Das Urteil wird am Freitag verkündet.

(jd)