Basler in Türkei verhaftet

14. Mai 2017 15:23; Akt: 14.05.2017 15:31 Print

«Endet der Verwandten-Besuch im Gefängnis?»

In der Türkei sind drei in Basel wohnhafte Kurden verhaftet worden, die in der Schweiz politisch aktiv waren. Ein normaler Alltag sei zurzeit nicht möglich, sagt ein Bekannter der Betroffenen.

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Ferien in der Türkei könnten in einer Verhaftung enden, fürchten sich Basler Kurden. (Bild: Keystone)

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Ein handfester Grund für die Verhaftungen wurde von Seiten der Türkei bisher nicht kommuniziert. Bei einer der betroffenen Personen handelt es sich um einen türkisch-schweizerischen Doppelbürger, der laut SP-Grossrat Mustafa Atici bereits Ende April bei der Einreise am Flughafen Istanbul verhaftet worden sei. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) bestätigt die Berichte lokaler Medien, dass ein Mann mit türkisch-schweizerischer Staatsangehörigkeit in Haft sei.

Ihm wird gemäss Atici unter anderem vorgeworfen, ein Sympathisant der pro-kurdischen Partei HDP zu sein.

EDA hat es nicht leicht

Das EDA versucht, den Verhafteten freizubekommen. «Die Arbeit wird dadurch erschwert, dass die türkischen Behörden schweizerisch-türkische Doppelbürger allein als türkische Staatsangehörige betrachten und dem EDA nicht immer erlauben, konsularischen Schutz zu gewähren», schreibt das Aussendepartement in einer Stellungnahme.

Des weiteren sollen zwei Kurden, einer aus der Stadt Basel und einer aus Frenkendorf BL, in der südanatolischen Stadt Kahramanmaras inhaftiert worden sein. Die Schweiz hat von den diesen Fällen offiziell keine Kenntnis. Beide Männer haben eine Niederlassungsbewilligung C und keine Schweizer Staatsbürgerschaft. Einer der Männer sei laut Atici inzwischen wieder freigelassen worden.

Angst ist omnipräsent

Doch wer sind die Männer, die hinter türkische Gitter gesperrt wurden? «In unserem Verein gibt es viele Leute, die die Betroffenen sehr gut kennen», sagt ein Mitglied des Vereins Dem-Kurd-Basel. Der Familienvater will aus gegebenem Anlass anonym bleiben. «Mir gehen aufgrund der aktuellen Lage so viele Gedanken durch den Kopf – ich könnte den ganzen Tag darüber diskutieren.»

Er spricht von der Angst, die sich in seinem Nacken festgebissen hat. Es sind traurige Sätze, mit denen er das Leben seiner Kollegen und Verwandten in der Schweiz zu beschreiben versucht: «Keiner ist mehr sicher» und «Sich als Kurde in der Schweiz über Frieden und Gerechtigkeit zu äussern kann dir heute zum Verhängnis werden. Plötzlich bist du ein politisch Verfolgter.»

Nicht politisch aktiv

Im Sommer sei ein Besuch bei den Schwiegereltern in der Türkei geplant. Er rechne mit dem Schlimmsten: «Ob mein Besuch im Gefängnis endet? Gut möglich.»

Politisch aktiv sei er nicht, aber: «Ich bin ein mutiger Bürger mit einer politischen Haltung.» Anti-Erdogan-Parolen finde man auf seinen Social-Media-Kanälen trotzdem nicht. Ein ungutes Gefühl würde bleiben. Er habe Verbindungen zu hiesigen Organisationen und öffentlichen Stellen. Die Befürchtung bleibe, ob die «falschen Personen» davon wissen. Denn: Warum es ausgerechnet mehrere in der Region Basel wohnhafte Kurden traf, darüber wird in der kurdisch-türkisch Diaspora heftig spekuliert.

Spitzel bei Basler Polizei

Viele sähen einen Zusammenhang zwischen dem mutmasslichen Spitzel bei der Basler Polizei, der mindestens 1500 Datensätze von Gegnern des türkischen Präsident Recep Tayyip Erdogan an dessen Regierung weitergegeben haben soll, sagt etwa Atici. Einen Beweis dafür gebe es aber nicht, denn die Namen auf der Liste seien nicht bekannt.

(jd/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pegasus77 am 14.05.2017 15:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Farbe bekennen....

    Wie wäre es den jetzt für alle Doppelbürger sich zu entscheiden wohin man gehören möchte.

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  • Gentleman am 14.05.2017 16:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Doppelmoral höchster Güte!

    Wer hier lebt sollte sich in die Politik anderer Länder nicht einmischen und schon garnicht demonstrieren, besonders wenn man Zuflucht gefunden hat in einem Gastfreundlichen und humanen Land . Ich halte generell nichts davon, wenn mann eingebürgert worden ist sollte man dankbar sein und den "alten" Lappen vom Pass abgeben ! Erst dann kann man seine Kl....e aufreissen und auf Solidarität vom Bund und EDA pochen , aber nicht auf zwei Hochzeiten tanzen!! geht nicht!!

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  • bnc am 14.05.2017 15:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klare Sache

    Das war ja so klar das wen Personen gegen die Regierung wettern dan in Der Türkei verhaftet werten !!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Typhoeus am 14.05.2017 20:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erdogans Spione überall

    Resultat: Kein Vertrauen in die Türken mehr.

  • Schlagi am 14.05.2017 18:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wann endlich

    kommt die Initiative, die die doppelte Staatsbürgerschaft wieder abschafft? Entweder - oder. Nicht "Batze und Weggli"

  • Gerry41 am 14.05.2017 18:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Türkei

    Jeder egal ob türkischstämmige oder einfach Urlauber der im Moment in die Türkei reist.....hat sich die Folgen selber zuzuschreiben. Dieses Land ist zu meiden.

  • Mr. Bull am 14.05.2017 17:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Damit konnte man rechnen

    Sich als Kurde in der Schweiz über Frieden und gerechtigkeit zu äussern ist überhaupt nicht gefährlich. Als Kurde in die Türkei zu reisen, das ist gefährlich.

  • Gentleman am 14.05.2017 16:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Doppelmoral höchster Güte!

    Wer hier lebt sollte sich in die Politik anderer Länder nicht einmischen und schon garnicht demonstrieren, besonders wenn man Zuflucht gefunden hat in einem Gastfreundlichen und humanen Land . Ich halte generell nichts davon, wenn mann eingebürgert worden ist sollte man dankbar sein und den "alten" Lappen vom Pass abgeben ! Erst dann kann man seine Kl....e aufreissen und auf Solidarität vom Bund und EDA pochen , aber nicht auf zwei Hochzeiten tanzen!! geht nicht!!

    • Beat am 14.05.2017 18:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Gentleman

      Wie bitte? Natürlich sollte man sich zu der Politik anderer Länder äussern, in den Medien und auf Kundgebungen. Ich habe gegen den Irak-Krieg demonstriert und würde dies immer wieder tun, obeohl ich kein US-Amerikaner bin. Autoritäre Regime sind im Aufwind in China, Russland, den USA, der Türkei und vielen anderen Ländern. Wer dies wie ich eine schlechte und gefährliche Entwicklung findet, sollte sich dagegen äussern, egal was für ein Staatsbürger er/sie ist.

    • Heinz Ernst am 14.05.2017 20:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Gentleman

      Da kann ich nur zustimmen! Keinen Doppelbürgerstatus mehr. Entweder Schweizer oder dann die andere Nationalität. Entscheiden wo der Lebensmittelpunkt sich befindet. Kein hin und her switchen und je nach Lage den entsprechenden Pass hervornehmen.

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