Strafgericht BL

16. April 2018 05:53; Akt: 17.04.2018 16:10 Print

«Er wollte ihr keinerlei Überlebenschance lassen»

Der bereits wegen zweifachen Mordes verurteilte Heinz Spring (64) soll vier Jahre nach seiner Entlassung aus der Haft wieder getötet haben. Am Dienstag beginnt der Prozess.

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H.S. (64) soll im November 2015 seine Ex-Freundin brutal getötet haben. Er wird am Mittwoch nicht zum ersten Mal wegen eines Tötungsdelikts auf der Anklagebank sitzen.

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Am Dienstag muss sich Spring vor dem Baselbieter Strafgericht in Muttenz wegen eines Tötungsdelikts verantworten. Zur Last gelegt wird dem 64-jährigen Schweizer der brutale Mord an I.K.*, die er Anfang November 2015 in Frenkendorf BL mit 20 Messerstichen umgebracht haben soll (20 Minuten berichtete).

Laut der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft handelte es sich um ein Beziehungsdelikt. Täter und Opfer hätten sich im September vor der Tat kennengelernt und seien eine intime Beziehung eingegangen. Wegen der Eifersucht von Spring habe I.K. aber die Beziehung im Oktober beendet.

Spring war «in seinem Stolz massiv gekränkt und gedemütigt», heisst es in der Schrift weiter. Er habe begonnen, sein Opfer zu beschatten und sich mit dessen Tötung auseinanderzusetzen. Am 12. November habe er seine Pläne in die Tat umgesetzt und I.K. aufgesucht. Er soll ihr 20 Stich- und zwei Schnittwunden im Bereich der Halsschlagader, der Brusthöhle und der Lunge zugefügt haben. Sie verblutete neben ihrem Auto. «Er wollte ihr keinerlei Überlebenschance lassen», konstatiert die Staatsanwaltschaft.

Vorbestrafter Doppelmörder

Spring war bereits wegen eines zweifachen Tötungsdelikts im Jahr 1994 vorbestraft, wie kurz nach der Tat in Frenkendorf bekannt wurde. Damals hatte er in Hägendorf SO seine 27-jährige Ex-Freundin und ihren 30-jährigen Bruder mit mehreren Schüssen aus einem Sturmgewehr getötet.

Trotz anfänglichem Widerstand des Kantons wurde der verurteilte Doppelmörder 2011 auf Geheiss des solothurnischen Verwaltungsgerichts aus dem geschlossenen Haftvollzug mit einer Probezeit von fünf Jahren entlassen. Die Richter stützten sich dabei auf das Gutachten einer Fachkommission, die Spring als nicht mehr gemeingefährlich einstufte. Rund ein Jahr vor dem Ende der Bewährung soll er erneut zugeschlagen haben.

Wieso kam er wieder frei?

Wie es dazu kam, dass Spring nach einem Doppelmord nach 17 Jahren Haft wieder freikam, ist eine Frage, die sich wohl nicht nur die Angehörigen der Opfer stellen. Die «Schweiz am Wochenende» ging der Sache auf den Grund. Während der Beurteilung von Spring seien viele Fehler gemacht worden, wie die Zeitung schreibt. Den Ausschlag für die Entlassung habe aber eine Formalität gegeben.

Laut der Zeitung war der Staatsanwalt, der Spring 1996 vor Gericht brachte und seine Verurteilung herbeiführte, 2009 als Leiter der Fachkommission in den Beurteilungsprozess involviert. Zunächst sei es ihm gelungen, trotz positiver Gutachen zugunsten von Spring dessen Freilassung zu verhindern. Doch dann sei eine Beschwerde wegen Befangenheit eingereicht worden, weil sich Spring und der Anwalt vom Verfahren her kannten. Letzterer habe in den Ausstand treten müssen und die Kommission habe dann ohne ihn entschieden.

* Namen der Redaktion bekannt

(las)