Basler Freiwillige in Kroatien

07. Oktober 2015 05:54; Akt: 07.10.2015 08:18 Print

«Flüchtlingen wurde warmes Essen verboten»

von Matthias Kempf - Seit zehn Tagen sind die fünf Basler vom Projekt Rastplatz an der kroatisch-serbischen Grenze. Sie berichten von chaotischen Zuständen und willkürlichen Behörden.

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Simon Krieger ist müde. 20-Stunden-Tage machen dem 26-Jährigen zu schaffen. Aber der Schlafmangel hält ihn nicht von seiner Aufgabe ab: Den Flüchtlingen am Grenzübergang zwischen Kroatien und Serbien zu helfen, so gut es geht. Vor zehn Tagen brachen die fünf Basler mit dem Projekt Rastplatz nach Kroatien auf, um dort für und mit Flüchtlingen zu kochen und einige von ihnen mittels Video-Interview zu porträtieren. Doch vieles ist anders gekommen, als es sich freiwilligen Helfer vorgestellt hatten.

«Als wir ankamen, war die Situation im kroatischen Dorf Bapska chaotisch», erzählt Krieger. «Die Behörden hatten mehrere andere Grenzübergänge zu Serbien geschlossen, so dass jeden Tag Tausende über Bapska kommen.» Es seien hauptsächlich Syrer und Afghanen, die von der Türkei und Griechenland kämen und nach Österreich und Deutschland weiterreisten. «Nach der Ankunft bauten wir ein 110 Quadratmeter grosses Zelt auf, das als Materiallager dient. Auch eine Wickelstation für Babys haben wir eingerichtet.»

Kein warmes Essen

Die Essensausgabe funktionierte vorerst gut. «Wir konnten das syrische Gericht Maklube zubereiten, das bei den Flüchtlingen sehr gut ankam.» Doch ein Ort zum Verweilen, wie ursprünglich geplant, konnte nicht errichtet werden. «Die Menschen gehen durch die Grenze und wollen gleich weiter, da bleibt kaum Zeit zum Verschnaufen.»

Nach einigen Tagen verbot das kroatische Gesundheitsministerium den Helfern, warmes Essen anzubieten. Die Gründe dafür seien willkürlich und änderten sich jeden Tag. «Einmal sollten hungernde Menschen kein warmes Essen bekommen, ein anderes Mal seien unsere Küchen zu wenig hygienisch.» Für Krieger völlig unverständlich: «Es sind sogar schwedische Profi-Köche vor Ort. Mit ihnen haben wir immer auf höchste hygienische Standards geschaut.»

High-Heels gespendet

«Rund die Hälfte der Flüchtlinge sind Frauen und Kinder», sagt Krieger. Regelmässig kämen private Hilfslieferungen aus ganz Europa. «Leider ist vieles davon schlecht sortiert oder gar unbrauchbar. Es gibt zu wenig Männer- und Winterkleider. Handkehrum haben wir sogar schon High-Heels bekommen.»

Auch das Rote Kreuz und das Flüchtlingshilfswerk der UNO (UNHCR) sind vor Ort. «Verschiedene Aktivisten werfen ihnen allerdings vor, nichts zu tun», so Krieger. Das Rote Kreuz würde Äpfel verteilen, das UNHCR bestenfalls Decken. Den Mitarbeitern des Roten Kreuzes seien die Hände gebunden. Sie gäben jedoch Informationen der Behörden an die Volontäre weiter und unterstützten diese.

Weiter Richtung Mazedonien

Unterstützung erhalten die Basler auch von der lokalen Polizei. «Der Umgang der Polizei mit den Flüchtlingen ist sehr empathisch. Wohl auch, weil die Region selbst Kriegswirren durchleben musste», sagt Krieger. Die Polizei habe auch Container organisiert, um das Abfallproblem in den Griff zu bekommen.

Mit dem Geld, das durch die Crowdfunding-Aktion gespendet wurde, konnten zahlreiche Lebensmittel sowie zusätzliches Hilfsmaterial gekauft werden. Nun geht die Reise gar weiter. «Da die serbischen Behörden anscheinend kaum Hilfslieferungen durch ihr Land lassen, fehlt es den Flüchtlingen in Mazedonien sogar an Nahrung.»

Am Montag ist das Rastplatz-Team nach Preševo gefahren, einer serbischen Kleinstadt an der Grenze zu Mazedonien. «Dort bauen wir unser Angebot von neuem auf.» Eigentlich wollten sie am 11. Oktober wieder nach Hause kommen. «Wenn wir sehen, dass die Situation am neuen Ort dramatisch ist, werden wir wohl länger bleiben», sagt Krieger.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Joggel am 07.10.2015 06:37 Report Diesen Beitrag melden

    Die Hälfte sind Frauen und Kinder?

    Kann mir dann jemand verraten warum ich das nie auf den Bildern sehe?

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  • Claudia am 07.10.2015 08:05 Report Diesen Beitrag melden

    Frage

    Würden sie auch für Obdachlose oder arme Schweizer Familien kochen ? Nein natürlich nicht....

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  • Chris1 am 07.10.2015 07:59 Report Diesen Beitrag melden

    Wieder mal eine total irreführende

    Schlagzeile! Den Flüchtlingen wurde nicht das warme Essen verboten sondern den Schweizern das Kochen und Anbieten!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter M am 07.10.2015 10:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schaut zuerst zu den Einheimischen

    Solange in der Schweiz den Schwächsten immer mehr Leistungen gekürzt werden und alte Menschen mit der AHV nicht leben können , sehe ich kein Grund Fremden zu helfen .

  • Tyga am 07.10.2015 10:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    essen

    an einigen Orten wird Essen für die Flüchtlingen gar nicht angenommen und auf die Schienen geworfen. Wieso kommen diese Bilder nicht in die Medien?

  • guido schnekenburger am 07.10.2015 10:15 Report Diesen Beitrag melden

    Willkür

    das mit dem Warmen Essen könnte auch in einem Massnahmevollzug passieren etwa dem Bitzi in Mosnang... alles Willkür

  • Bürger am 07.10.2015 10:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu wenig Männerkleider

    Glaube ich gerne. Die Leute die spenden haben immer noch das klassische Flüchtlingsbild im Kopf. In der Realität kommen aber vor allem Männer.

  • SinShin am 07.10.2015 10:07 Report Diesen Beitrag melden

    Gut ist nicht immer gut

    Ich verstehe wieso geholfen wird, und dass man die Flüchtlinge nicht leiden sehen will. Jedoch sind diese Taten super Kontraproduktiv. Symptombehandlungen funktionieren bekannterweise nicht. Geht vor's Staatsgebäude und demonstriert, dann habt ihr wenigstens eine minimale Chance, etwas zu verbessern.

    • tras am 07.10.2015 10:35 Report Diesen Beitrag melden

      praktisch

      Sinshin: Auch wenn ich den Kommentar verstehe: Von einer Demonstration hier haben die Flüchtlinge an der Grenze weder Schutz vor Regen oder Kälte, noch etwas zu Essen oder Trinken. Solidarität muss praktisch werden... Wobei das Eine das andere nicht ausschliesst.

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