Fantasy Basel 2018

12. Mai 2018 06:01; Akt: 13.05.2018 16:49 Print

«Ich würde mich nie als Tolkien vorstellen»

Royd Tolkien (48), Urenkel von «Herr der Ringe»-Schöpfer J.R.R. Tolkien, war an der Fantasy Basel zu Gast. 20 Minuten sprach mit ihm über Green-Screens und die Schweizer Inspiration des Epos.

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Sie haben in «Herr der Ringe» und «Game of Thrones» mitgespielt. Wie würden Sie sie vergleichen?
Ich bin ein Fantasy-Fan, und auch einer von «Game of Thrones». Zuerst wollte ich es nicht schauen, weil ich mich nicht auf etwas einlassen wollte, dass ich für eine Kopie der Arbeit meines Urgrossvaters hielt. Als ich aber anfing, hat es mich komplett reingezogen. Ich habe mich in «Game of Thrones» verliebt.

Umfrage
Könnten Sie vor einem Green-Screen mit einem Tennisball eine Unterhaltung führen?

Fantasy wird immer realistischer. Kann man noch der Realität entkommen?
Ich denke, wenn man eine Leidenschaft für etwas entwickelt, sei es «Game of Thrones» oder «Herr der Ringe», ist man schon entkommen. Man kann sich nicht in eine andere Welt fallen lassen, wenn man über den Alltag nachdenkt. Und vieles, dass eine gewisse Tiefe aufweist, kann einen voll absorbieren. Dazu braucht es nicht unbedingt ein starkes Fantasy-Element. Jede Flucht ist eine gute Flucht, ob man an eine Convention geht oder mit Freunden abhängt.

Sie haben sich dafür eingesetzt, dass Peter Jackson bei «Der Hobbit» Regie führt. Hat er die Essenz der «Herr der Ringe»-Bücher so gut rübergebracht?
Ich versuche, die Filme und die Bücher getrennt zu betrachten. Ich war etwa neun, als ich den «Hobbit» das erste Mal las. Und auch heute nehme ich das Buch wegen dem Buch in die Hand, ohne in Gedanken beim Film zu sein. Es ist sehr schwierig, ein Buch exakt zu adaptieren. Es braucht Fluss und Momentum. Wenn ich mir die Filme ansehe, denke ich an Peter Jacksons Liebe für die Bücher. Als «Der Hobbit» in drei Filme geteilt wurde, dachte ich mir: «Super, ich kann mir drei Filme ansehen.»

Bei den Dreharbeiten zu «Der Hobbit» hatte Sir Ian McKellen Schwierigkeiten, alleine als Gandalf vor einem Green-Screen zu arbeiten.
Es muss sehr schwierig sein, vor dem Nichts oder mit einem Tennisball zu schauspielern. Man bekommt kein emotionales Feedback. Aber diese Leute sind Profis und können es glaubwürdig über die Bühne bringen. Ich wundere mich, ob Schauspieler inzwischen lernen müssen, sich mit Tennisbällen zu unterhalten. Die Industrie verändert sich ja. Für mich war es in der «Game of Thrones»-Folge Hardhome einfacher, weil ich nur einer von vielen Extras war, und es gab nur einen Green-Screen im Hintergrund. Ich konnte mich gut hineinversetzen.


Royd Tolkien erzählt, wie die Schweiz nach Mittelerde kam. (Video: las)

Tolkien ist ein grosser Name.
Ich würde mich nie als Tolkien vorstellen. Wenn es jemand herausfindet, ist es eben so. Aber ich bin sicherlich nicht wichtiger als andere, nur weil ich so heisse. Ich wurde in diese Familie hineingeboren und wir wurden dazu erzogen, bescheiden zu sein und das zu schätzen, was wir haben. Es fühlt sich falsch an, zu sagen: «Übrigens, wissen Sie wer ich bin?» Und als Produzent muss ich etwas Substantielles liefern; da bedeutet der Name nichts. Ich habe ihn auch nie benutzt, um meine Arbeit zu promoten – bis jetzt.

Bis jetzt?
Es war eine Ausnahme. In meinem Dokumentarfilm «There’s a Hole in my Bucket» geht es um meinen Bruder, der vor drei Jahren an einer Nervenkrankheit gestorben ist. Ich habe mich in seinen letzten Lebensjahren um ihn gekümmert. Er hat dann eine Liste mit Dingen zusammengestellt, die er noch machen wollte, obwohl er wusste, dass er es nicht mehr schafft. Anfang letzten Jahres reiste ich nach Neuseeland und habe mich gefilmt, wie ich die Dinge auf der Liste tue. Es war seine Idee, den Namen Tolkien zu benutzen. Ich war einverstanden, weil es hilft, das Bewusstsein um die Krankheit zu steigern und weil es dem grösseren Wohl dient.

Wie war es, diesen Film zu drehen?
Es war sehr emotional. Auf der Liste standen Dinge, die er tun wollte – aber auch Dinge, von denen er wusste, dass sie mir zusetzen. Ich hatte meist nur wenige Minuten Vorwarnung, bevor ich einen Punkt anging, wie einen Bungee-Jump oder Comedy in einem Club. Verwandte und Freunde können schnell aus dem Leben schwinden. Mit dem Film wollte ich zeigen, wie wichtig sie sind und dass man das Leben geniessen soll.

Sie können Royd Tolkien auf Instagram folgen.

(las)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roger Rabiat am 12.05.2018 09:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bescheidenheit

    Ich mag Menschen die sich bescheiden geben und kein grosses Aufhebens um sich machen. Das er die Bucketlist seines Bruders erfüllt hat finde ich eine unglaubliche Geste, das ist echte Grösse und davon könnte sich mancher ein Stück abschneiden!

  • Molo1616 am 12.05.2018 08:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gene

    Ich finde den Typ sehr sympathisch, bestimmt hat er eine Gene von J.R.R. Schöner Bericht

  • Marco am 12.05.2018 08:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Weiter bitte..

    ist ja schon interressant, doch wo ist der Teil mit Interlaken?

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • bebbeli am 12.05.2018 14:50 Report Diesen Beitrag melden

    Bücher

    Ich liebe die Bücher Hr Tolkien besser, als die Filme, da hier meine eigene Fantasie gefragt ist und die ist sehr gut.

  • Elrond am 12.05.2018 10:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rivendell

    War vor drei Tagen in Lauterbrunnen und kann sehr gut verstehen dass sich Tolkien da zu seinem Bruchtal hat inspieren lassen. Schön wäre es wenn es von Elben bewohnt würde ;)

  • Roger Rabiat am 12.05.2018 09:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bescheidenheit

    Ich mag Menschen die sich bescheiden geben und kein grosses Aufhebens um sich machen. Das er die Bucketlist seines Bruders erfüllt hat finde ich eine unglaubliche Geste, das ist echte Grösse und davon könnte sich mancher ein Stück abschneiden!

  • D-Fens am 12.05.2018 09:18 Report Diesen Beitrag melden

    Dude, they have a Balrog!

    Meine, ziemlich sicher vergebene Hoffnung, ist das die Filmschaffenden und auch die Videospielindustrie Tolkiens Schaffen für die nächste Dekade oder so in Frieden lassen. Die Ästhetik des von ihm geschaffenen Universums, die Tiefe seiner Geschichten, die Werte die vertreten werden, die von Tolkien ein stück weit wieder sichtbar gemachte Schönheit unserer eigenen ureuropäischen Mythologie... Bei der derzeitigen amerikanischen Unkultur und Verdrehtheit jeglicher Werte der Schaffenden in der Industrie, dies als nur ein weiteres gemolkenes Franchise zu sehen, zerreisst mir das Herz.

  • marko 33 am 12.05.2018 09:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genau

    Genau meine Meinung