Fasnacht Möhlin AG

14. Februar 2018 13:06; Akt: 14.02.2018 17:00 Print

«Ich wurde geschlagen, weil ich schwul bin»

Yannick Rafael M.* wurde am Mittwoch nach einer Fasnachtsparty in Möhlin niedergeschlagen. Zuvor kassierte er bereits dumme Sprüche wegen seiner sexuellen Orientierung.

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Seine Homosexualität brachte Yannick Rafael M.* eine geschwollene Nase, Prellungen und höllische Schmerzen. (Bild: Leser-Reporter)

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Es hätte ein ausgelassener Abend werden sollen. Für Yannick Rafael M.* endete er aber auf der Notfallstation. Der Möhliner begleitete seine Schwester am Dienstagabend an deren Guggenkonzert, danach wurde im Festzelt beim Restaurant Sonne an der Hauptstrasse weitergefeiert. Yannick trug ein Engelskostüm, das brachte ihm bereits blöde Sprüche ein. «Ich stehe dazu, dass ich schwul bin, das habe ich denen auch gesagt», erzählt der 28-Jährige.

Die jungen Männer fühlten sich davon sichtlich provoziert. «Wart nur, wir warten draussen auf dich», sagte ihm einer im Festzelt. Yannick war also gewarnt. Als er die Party verlassen wollte, suchte er extra einen anderen Ausgang. «Ich wurde dennoch überrascht», erzählt er. «Es war heftig und ging schnell. Ich ging zu Boden und das nächste, woran ich mich erinnere, ist der Krankenwagen.» Im Notfall des Spitals Rheinfelden wird ein Haarriss an der Nasenscheidewand und eine Prellung im Gesicht diagnostiziert. «Es tut höllisch weh.»

«Es ist extrem traurig»

Die Kantonspolizei Aargau bestätigt den Vorfall auf Anfrage. Polizei und Ambulanz rückten um vier Uhr morgens zum Restaurant Sonne in Möhlin aus, teilt Mediensprecher Roland Pfister auf Anfrage mit. Im Einsatzjournal ist eine Tätlichkeit eingetragen. «Das Opfer hat einen Strafantrag mit Bedenkfrist erhalten.» Tätlichkeit ist ein Antragsdelikt, die Strafverfolgungsbehörden ermitteln nicht von Amtes wegen. Das Opfer muss innert dreier Monate den Strafantrag stellen.

«Das werde ich definitiv machen. Noch heute», so Yanick am Mittwochvormittag. Er ist überzeugt, dass er nur wegen seiner sexuellen Orientierung geschlagen wurde. «Es ist das 21. Jahrhundert, das darf doch nicht sein. Das ist extrem traurig», sagt er.

Zeugen aber noch keine Ermittlungen

Ob die oder der Täter je ergriffen werden, ist fraglich. «Es war eine Gruppe, aber geschlagen hat nur einer», erinnert sich Yannick. Sie seien auf jeden Fall jünger gewesen als er. Es habe auch Zeugen gegeben. Weil aber kein Offizialdelikt vorlag, hat die Polizei vor Ort allerdings niemanden vernommen und keine Ermittlungen angestellt. Yannick stellt Anzeige gegen Unbekannt.

*Name der Redaktion bekannt

(lha)