Einsatz auf dem Rhein

04. August 2017 05:52; Akt: 04.08.2017 05:52 Print

«Leben zu retten ist das Beste, was man tun kann»

Die Berufsfeuerwehr Basel ist mit zwei Schiffen auf dem Rhein unterwegs. Feuer muss Kapitän Markus Luginbühl selten löschen, in Seenot geratene Rheinschwimmer retten aber öfter.

Bildstrecke im Grossformat »
Das Feuerlöschboot Christophorus an seinem Liegeplatz unterhalb der Basler Schifflände. Kapitän des Schiffes ist Markus Luginbühl. Der 59-Jährige steuert die Christophorus schon seit 15 Jahren und stand einst auf der Brücke eines Öltankers auf dem Rhein. Die imposante Ausstattung des Schiffes lässt sich in der Kommandozentrale bedienen. Blick in den Maschinenraum der Christophorus: Zwei je 630 PS starke Motoren treiben das Schiff mit 145 Tonnen Wasserverdrängung auf eine maximale Geschwindigkeit von 30 Stundenkilometern an. Schiffsführer Luginbühl wartet die Christophorus mehrmals wöchentlich. Vieles auf dem Schiff ist noch original aus dem Baujahr 1971. Blick in den Materialraum: Hier ist die Ausrüstung für die Besatzung untergebracht. Atemschutzgeräte für Löscheinsätze zu Wasser aber auch alles, was es für die Personenrettung braucht. Praktisch jedes Jahr kommt es zu Zwischenfällen mit der Grossschifffahrt. Besonders spektakulär war die Havarie des Kranschiffs Merlin im August 2014. In solchen Fällen muss das Feuerschlöschboot Christophorus ausrücken. Im August 2012 musste die Christophorus das Forschungsschiff Level A bergen, das nach einer Kollision mit einem Frachter havarierte. Zwei Personen starben beim Unfall. Im Juni 2016 erlitt ein Frachtschiff eine Panne. Die Christophorus rückte aus, um das Schiff zu stabilisieren, bis es abgeschleppt werden konnte. Mit seinen über 1200 PS und 145 Tonnen Wasserverdängung kann die Christophorus auch Grossschiffe halten bis ein Schleppboot vor Ort ist. Ein Motorschaden machte die Roma am 17. August 2011 manövrierunfähig. Das Frachtschiff prallte gar gegen die Mittlere Rheinbrücke. Die Christophorus sicherte das Tankmotorschiff, als es unterhalb der Mittleren Brücke ankerte. Die Christophorus demonstriert auf dem Rhein ihr Können. Basler kommen jährlich an der vorgezogenen Bundesfeier am 31. Juli in den Genuss des Wasserfontänen-Balletts. Wenn die Sonne mitspielt, gelingen besonders eindrückliche Schnappschüsse.

Fehler gesehen?

Am 25. Juni fing der Motor eines Boots beim Auslaufen aus dem Jachthafen Weil am Rhein (D) Feuer. Fünf Minuten nachdem der Alarm bei der Berufsfeuerwehr Basel eingegangen war, startete Markus Luginbühl die beiden 630 PS starken Motoren der Christophorus. Die Besatzung des Basler Feuerlöschboots konnte das brennende Boot wenige Minuten später löschen. Solche Einsätze sind für Luginbühl und die vier anderen Schiffsführer der Basler Berufsfeuerwehr allerdings selten.

Umfrage
Waren Sie schon im Rhein schwimmen?
52 %
12 %
36 %
Insgesamt 314 Teilnehmer

Die beiden Feuerlöschboote Christophorus und Fürio kommen im Jahr auf rund 60 Einsatzfahrten. «Brände geben die wenigsten Einsätze», sagt Luginbühl. Nur ein bis zwei Mal im Jahr gibt es Einsätze wegen der Grossschifffahrt. Meistens werden sie wegen Zwischenfällen mit Jachten und zur Wasserrettung aufgeboten. Luginbühl hat schon viele Dramen auf dem Rhein miterlebt. Es sind Erlebnisse, die unter die Haut gehen.

Die Lebensretter auf dem Rhein

«In meinen 15 Jahren als Kapitän bei der Berufsfeuerwehr konnte ich zwei Leben retten», erzählt der 59-Jährige. «Wenn du ein Menschenleben retten kannst, ist das das Beste, was man tun kann.» Jedes Jahr ziehen die Rettungsboote der Berufsfeuerwehr drei bis vier Menschen in in akuter Lebensgefahr aus dem Rhein. Luginbühl rettete vor drei Jahren eine junge Frau in letzter Minute: «Sie blieb mit ihren Haaren an einer Boje hängen und wurde nach unten gezogen. Wir waren zum Glück in der Nähe. Eine Minute später wäre sie tot gewesen.»

Nicht immer gelingt eine Rettung: Wenn einer abtauche, sei es meistens zu spät. Er sah auch schon die Hand eines Schwimmers nur fünf Meter von ihm entfernt untergehen. Luginbühl sprang hinterher – vergebens. Der Rhein ist trüb – erwischt man den Körper beim ersten Versuch nicht, ist oft nichts mehr zu machen.

Luginbühl, ein Berner, aufgewachsen am See und passionierter Aare-Schwimmer, sagt, dass viele den Rhein unterschätzen, weil er so gemächlich durch die Stadt zieht. In der Aare passiert weniger. «Wer dort hinein springt, weiss dass er ein guter Schwimmer ist.» Im Rhein hingegen geraten regelmässig Schwimmer in Panik oder bekommen Krämpfe.

Gefahrenherd Hotelschiffe

Das grösste Gefahrenpotential im Rhein ortet Luginbühl aber nicht bei den Schwimmern, sondern bei den Hotelschiffen, von denen während Messen zuweilen bis zu 16 Stück dicht an dicht vor Anker gehen. «Wenn da mal etwas passiert», raunt er – etwa wenn Panik bei den Leuten ausbreche. «Zu Schiff ist alles viel enger als auf dem Land.» Die Christophorus wäre gerüstet für einen solchen Fall. Das 30 Meter lange Schiff kann 12'840 Liter Wasser pro Minute pumpen.

Innert fünf Minuten können bis zu zwölf Mann an Bord sein. Alle Angehörigen der Basler Berufsfeuerwehr haben eine nautische Schulung durchlaufen, damit sie auch vom Wasser aus operieren können. Rund 20 wurden zudem als Maschinisten ausgebildet – Kapitän kann aber nicht jeder werden.

Das Schiff überdauert seinen Kapitän

Dazu muss man wie Markus Luginbühl das Patent in der Grossschifffahrt machen. Seine ersten neun Berufsjahre verbrachte er auf einem Tanker auf dem Rhein, danach trat er in die Berufsfeuerwehr Bern ein. Wegen der Familie. 18 Jahre lang, davon zehn in der Luft als Rettungshelfer bei Einsätzen der Rega. Danach zog es ihn nach Basel, zurück ins Wasser.

Den Ruhestand wird Luginbühl allerdings noch lange vor der Christophorus erreichen. Mit 44 Dienstjahren ist das Schiff noch lange nicht am Ende seiner Lebensdauer. «Das kann nochmal 40 Jahre halten», sagt Luginbühl. Sofern es sein Nachfolger dereinst so gewissenhaft instand hält wie er.


Bei einer Demonstrationsfahrt beim Dreiländereck im Mai zeigt die Christophorus ihr Können. (Video: Youtube/BlaulichtBasel)

(lha)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Uschi am 04.08.2017 06:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Retten

    Es ist wirklich dass Beste und ein gutes Gefühl wenn man jemanden helfen kann, ob Mensch oder Tier. Ganz meiner Meinung, Es ist nicht jeder Mans -Sache zu helfen, weil die Angst da ist man könnte etwas falsch machen. Aber jeder kann helfen auch wenn er die Rettung-Kräfte alarmiert und schon ist geholfen.

    einklappen einklappen
  • Maler50 am 04.08.2017 06:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zweifellos

    zweifellos! Viel Erfolg wünsche ich.

  • Willy. S am 04.08.2017 11:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein gutes Gefühl

    Wer einmal einem Menschen das Leben Retten konnte, wird dieses Erlebnis nie vergessen. Es ist ein riesiges Glücksgefühl und man ist dankbar, wenn man es Geschäft hat. Beim Helfen kann man nichts falschmachen, nur nichts tun ist strafbar. Also wenn ihr mal in die Situation kommt, habt Mut und helft, denn ein beherztes Eingreifen kann Leben Retten.

Die neusten Leser-Kommentare

  • früher Psychiatrieschwester am 05.08.2017 18:40 Report Diesen Beitrag melden

    Retten-Nicht immer kam Dank zurück.

    Als frühere-Psychiatrieschwester habe ich einige Leben gerettet. Nicht immer kam Dank zurück. Ich rette am liebsten Tiere. Bei uns im Haus hat es viele Amphibien und Insekten, die sich im Keller "verlaufen". (Mit Glas und Karton retten).

  • C.Käser am 05.08.2017 07:23 Report Diesen Beitrag melden

    ganz nebenbei bemerkt

    3x dürfen alle raten warum das Rettungsboot 2 x 630 PS starke Dieselmotoren hat und kein Elektrospielzeug ist. Sorry wir konnten nicht löschen und retten, die Batterie war gerade alle...

  • Prof. Dr. Von der Heide. am 04.08.2017 12:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auf dem Rhein?

    Wer geht in dieser Pfütze unter?

    • M. Keller am 04.08.2017 16:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Prof. Dr. Von der Heide.

      Der Rhein war selten so sauber wie jetzt. Dumm von einer Pfütze zu sprechen!

    • Innerschweizer am 04.08.2017 17:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Prof. Dr. Von der Heide.

      Das sind alles Leute die den Rhein für eine Pfütze halten.

    einklappen einklappen
  • James Stunt am 04.08.2017 12:47 Report Diesen Beitrag melden

    Veträumte Gesellschaft

    Wacht auf Leute! Die meisten dieser ach so noblen Retter machen es ausschliesslich des Geldes wegen. Sind ansonsten für keinen anderen Job wo ein MBA benötigt wird zu gebrauchen.

  • Willy. S am 04.08.2017 11:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein gutes Gefühl

    Wer einmal einem Menschen das Leben Retten konnte, wird dieses Erlebnis nie vergessen. Es ist ein riesiges Glücksgefühl und man ist dankbar, wenn man es Geschäft hat. Beim Helfen kann man nichts falschmachen, nur nichts tun ist strafbar. Also wenn ihr mal in die Situation kommt, habt Mut und helft, denn ein beherztes Eingreifen kann Leben Retten.