Zoo Basel

07. Februar 2018 05:48; Akt: 07.02.2018 09:24 Print

Storch Lenny tickt wie eine Schweizer Uhr

Storchen-Männchen Lenny hat ein unglaubliches Zeitgefühl: Er startet jährlich praktisch am gleichen Tag seine Rückreise aus Spanien in den Basler Zoo. Nun ist er im Anflug.

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Lenny ist kein gewöhnlicher Storch: Er ist der einzige der rund 56 Störche im Zolli, der mit einem GPS ausgestattet ist. Das Männchen, das von Tierpflegern auf 15 Jahre geschätzt wird, ist seit Juni 2013 mit einem Satellitensender unterwegs. «Ein klitze-klitze-kleiner Rucksack, nicht mal so gross wie eine Streichholzschachtel», erklärt Zoo-Kuratorin Friederike von Houwald.

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Mit nur einem Klick kann jedermann im Web abrufen, wo sich der Storch gerade befindet. Der Basler Storch ist Teil des Projekts S.O.S.-Storch, das das Zugverhalten der Weissstörche wissenschaftlich untersucht.

«Hervorragendes Zuchttier»

Lenny sei ein «hervorragendes Zuchttier». Im Frühling kümmert er sich jeweils mit einer Partnerin um seine Jungtiere. Gerne weilt er in einem Horst nahe des Entenweihers, mit Blick auf die anderen Zolli-Tiere. «Lennys biologische Uhr funktioniert tadellos», so von Houwald. In den vergangenen Jahren habe er seine weite Rückreise in den Basler Zoo immer um den 3. Februar angetreten.

«Lenny wo bleibst du? Wann machst du dich auf deine Reise? Wir erwarten dich», fragte sich der Zolli noch vor wenigen Tagen auf Facebook, wo Lenny 1156 Fans hat. Und siehe da: «Am letzten Samstag, 3. Februar, hat er pünktlich seine geliebte Deponie Burguillos nördlich von Sevilla hinter sich gelassen.» Drei Tage nach seinem Aufbruch nähert er sich der Hauptstadt Madrid und hat bereits einen beachtlichen Teil seiner Reise gemeistert. «Je nach Thermik braucht er für die rund 2000 Kilometer Strecke in die Schweiz zwei bis drei Wochen», erklärt von Houwald.

Essensreste statt Heuschrecken

Doch wieso verbringt Lenny seinen Winterurlaub auf einer Müllhalde? Die Suche nach der Antwort war einer der Gründe, wieso das Projekt S.O.S.-Storch ins Leben gerufen wurde. Um 2010 wurde festgestellt, dass viele Störche nicht mehr nach Afrika fliegen, sondern auf spanischen Müll-Deponien überwintern.

«Was für uns eine eklige Angelegenheit ist, ist für die Störche kein Problem», so die Kuratorin. Blutproben hätten gezeigt, dass die Störche keinerlei Schäden vom Abfall davontragen. Heute weiss die Wissenschaft, dass die ungedeckten Müllberge, die es in Spanien seitz einigen Jahren gibt, der Grund sind, wieso die Tiere ihr Zugverhalten geändert haben. Störche seien in ihrem Essverhalten anpassungsfähig: «Statt afrikanischen Heuschrecken stehen nun eben Essensreste auf dem Speiseplan.»

Im Zolli freut man sich auf den Storch, der gerne «unser Star» genannt wird. Dem lauten Geklapper der anderen Störche sei zu entnehmen, dass er bereits erwartet wird.

(jd)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • CodyStoner am 07.02.2018 06:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Storch müsst man sein

    Einfach seine sieben Sachen Packen und in jedes Land fliegen. Einfach so. Ohne Pass, ohne Geld... ohne Probleme und wieder heimkommen. DAS wär doch was.

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  • Magnolie am 07.02.2018 06:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lenny

    Danke sehr für diesen schönen Bericht! Bitte zeigt uns wie es weitergeht mit Lenny! Würde mich sehr freuen!!

  • Lou am 07.02.2018 06:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    3.Februar

    uglaublich toll,diese innere Uhr.Gute Reise,Lenny...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Seidenreiher am 07.02.2018 11:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Storchenzüge

    Und die sibirischen Störche überwintern im Neeracher Riedt. Viele Freiflüger halten sich auch das ganze Jahr hier auf. Der richtige Winter hat sich schon länger vom Unterland verabschiedet. Jetzt warte ich nur noch auf den ersten Flugsaurier.

  • Schneeglöggli am 07.02.2018 10:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gewohnheitstiere

    Also ist schon erstaunlich. Mein Hündin kommt pünktlich zu ihrer Fressenszeit und stumpft mich an, endlich das Fressen herauszurücken. Das mit dem Auto in den Weltraum - ja da kann man denken was man will.

    • Theres am 07.02.2018 12:23 Report Diesen Beitrag melden

      Katzen und Kühe

      @Schneeglöggli Unsere Katze - Gott hab sie selig - forderte uns regelmässig und pünktlich kurz vor 14:00 auf, die Mittagspause zu beenden, indem sie aufstand und sich vor die Treppe postierte die wir nehmen mussten um zur Arbeit zu gelangen. Auch beobachteten wir, wie Kühe sich kurz vor 18:00 auf den Weg zum Stall machten um gemolken zu werden, ohne dass der Bauer sie gerufen hatte.

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  • anussen poppener am 07.02.2018 10:21 Report Diesen Beitrag melden

    ach wie schweizer...

    was, will der auch immer mehr geld?

  • alice am 07.02.2018 09:59 Report Diesen Beitrag melden

    Schweizer

    er ist halt ein Schweizer !man Freut sich wenn die wieder da sind auch in Hünenberg ¨!letztes Jahr waren wir Pünktlich bei den Landungen dabei !und das Klatschen lieben Sie!

  • Waterpolo1s am 07.02.2018 09:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Welcome ... :-))

    Welcome back :-))