Region Basel

14. Juni 2018 12:31; Akt: 14.06.2018 18:47 Print

«Das Rollmaterial der SBB ist unter jedem Hund»

Zwischen Basel und Biel verkehren noch immer keine Doppelstockzüge, dafür solche mit Plumpsklos. Dafür hagelt es für die SBB nun sogar Schelte vom Ständerat.

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Die Bahnstrecke von Basel nach Biel führt durch eine Randregion: Daran lässt eine Fahrt mit der SBB offenbar keinen Zweifel. Der Baselbieter Ständerat Claude Janiak (SP) klärte nun am Donnerstag seine Ratskollegen in Bern auf: Die Region werde systematisch vernachlässigt und Neuerungen hinausgeschoben. Der Anteil der in der Region eingesetzten Bundesmittel sei unterdurchschnittlich und das eingesetzte Rollmaterial teilweise «unter jedem Hund». Janiak sagte weiter: «Fahren Sie einmal im Sommer über Laufen. Da gibt es noch Plumpsklos.» Eigentlich haben diese bei der SBB seit 2016 ausgedient.

Die SBB betont auf Anfrage, dass auf der Strecke regulär moderne Intercity-Neigezüge verkehren. «Bei Störungen am Rollmaterial werden die Verbindungen fahrplanmässig mit Ersatzzügen gefahren», liess ein Sprecher verlauten.

Hintergrund der Debatte ist ein Postulat des Jurassiers Claude Hêche (SP), der den Bundesrat auffordert, die Lichtraumprofile auf genannter Strecke anzupassen, damit dort Doppelstockzüge verkehren können. Der Ständerat hat das Postulat am Donnerstag an den Bundesrat überwiesen. Dieser muss sich nun dafür einsetzen, dass die SBB zwischen Basel und Biel aufrüstet. Zudem soll der Bundesrat die Finanzierung und den Zeitplan zur Umsetzung darlegen.

«Der Ärger wird immer grösser»

Künftig würden immer mehr Doppelstockzüge auf dem Schienennetz unterwegs sein, argumentierte Hêche. Im Fernverkehrsnetz der SBB würden sie sogar standardmässig eingesetzt. Da zwischen Basel und Biel via Laufen und Delsberg das Lichtraumprofil einiger Tunnels nicht ausreiche, könnten solche Züge dort allerdings nicht fahren. Damit drohe die Bahnregion weiter ins Hintertreffen zu geraten.

Unterstützung erhielt der Jurassier von seinem Baselbieter Ratskollegen Claude Janiak. «Der Ärger über das Bundesamt für Verkehr (BAV) und die SBB wird in der Nordwestschweiz immer grösser», sagte er an die Adresse von Verkehrsministerin Doris Leuthard.

«Indiskutabel, was in der Nordwestschweiz geschieht»

Auch aus Basel-Stadt gab es Unterstützung. Es sei klar, dass alle Regionen die Unterstützung der SBB benötigten, sagte Anita Fetz (SP/BS). «Aber was in der Nordwestschweiz geschieht, ist indiskutabel.» Die SBB erfinde immer neue Hindernisse, um nichts unternehmen zu müssen, obwohl es sich bei der Region immerhin um den zweitgrössten Wirtschaftsstandort der Schweiz handle. «Wenn man gleichzeitig sieht, wie in der Region Zürich geklotzt wird, dann stimmt die Verhältnismässigkeit nicht mehr», so Fetz weiter. Ein kleiner Anschub für die Interessen der Nordwestschweiz tue Not.

Eine Mehrheit der Kollegen und Kolleginnen aus den anderen Kantonen zeigte sich solidarisch und unterstützte das Postulat mit 30 zu 12 Stimmen.

Nordwestschweiz stiefmütterlich behandelt

Der Bundesrat hatte die Ablehnung des Postulates beantragt, da dessen Forderungen bereits erfüllt würden. Bundesrätin Leuthard gab allerdings zu, dass die Nordwestschweiz im Hinblick auf die Bahn in den vergangenen Jahrzehnten etwas stiefmütterlich behandelt worden sei. Dafür sei sie beim Strassenausbau berücksichtigt worden.

Das Postulat werde aber keine zusätzliche Verbesserung bringen, sagte sie. Denn mit dem Bahnausbauschritt 2030/35 sei ein Ausbau der Strecke Basel - Delsberg bereits vorgesehen.

(lha/sda)

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Markus am 14.06.2018 12:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ein Klo

    wenigstens hat es ein Klo. in den neuen S Bahnen sind die Klos oft defekt!!

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  • Thömu Meier am 14.06.2018 12:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einstöcker reichen doch

    Ja und dann fahren da Döppelstöcker mit nur 30-40% Auslastung, die SBB wissen doch schon gut genug welche Züge auf welchen Strecken Sinn machen. Zwischen BS und LU,ZH und BE fahren doch auch noch viele Einstöcker. Die Plumpsklos wären ja seit 2013 Geschichte wenn der Kanadische Zugbauer pünktlich geliefert hätte.

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  • Paul am 14.06.2018 13:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zu verwöhnt

    Vor 50 Jahre konnte die Menschheit auch ohne Klimaanlage Zug fahren. Das spielt doch keine Rolle, es sind ja Ersatzzüge. Und zudem ist es doch schön, wenn man die Fenster noch öffnen kann.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Urs Baumann am 19.06.2018 17:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Janiak

    Herr Janiak sollte sich lieber einmal um die Situation der Kantonsangestellten kümmern . Die unter einem sehr schlechten Klima leiden und eine Abbaumassnahme nach der anderen erfolgt. Auch der Kündigungsschutz und die Pensionskasse wird völlig auf die Kantonsangestellten abgewälzt. Als SP Standesvertreter würde ich mal ein Statement zugunsten für die Angestellten bBL erwarten. Aber da kommt von Janiak wie üblich nichts

  • JUKE am 18.06.2018 20:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ..

    das Preis-Leistungsverhältnis der SBB sollte zwingend mal in Frage gestellt werden. Grundsätzlich sollte das Kozept Bahn auf seine Zukunftsfähigkeit hinterfragt werden.

  • Jeremy am 18.06.2018 07:33 Report Diesen Beitrag melden

    Funktionieren wenigstens.

    Ich mag die alten Züge... Finde sie viel angenehmer und ruhiger als die neuen . Freu mich jedesmal wenn ich die Chance habe in einem dieser alten Züge mitzufahren.

  • Daniel Grieder am 17.06.2018 18:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Überfüllte Züge ist Alltag

    Ich fahre täglich auf dieser Strecke und muss leider bestätigen, dass Rollmaterial das eingesetzt wird zum Teil schon sehr fragwürdig ist. Gerade bei den Entlastungszügen in den Stosszeiten handelt es sich um sehr altes Rollmaterial. Meist Kolbiri Züge der ältesten Generation. Diese Entlastungszüge sind notwendig weil zu den Stosszeiten die S-Bahnzüge dermassen überfüllt sind, dass man fast nicht mehr zusteigen kann. Es kam schon öfters vor, dass Personen die in den Zug wollten schlicht nicht mehr in den Zug passten und somit auf den nächsten warten mussten.

  • Eduard J. Belser am 17.06.2018 10:35 Report Diesen Beitrag melden

    Zulassungsverfahren für Züge harzt

    Die neuen Bombardier-Doppelstockzüge wären zum Teil bereits vorhanden und werden laufend ausgeliefert, aber das Zulassungsverfahren verzögert sich. Deshalb werden bereits langsam die Abstellmöglichkeiten für diese Züge knapp. Ein Grund sind offenbar vor allem Softwareprobleme, weil Bombardier beim Betriebssystem der Züge auf Windoofs setzt. Der Reset des Systems eines Bombardier-Zuges kann bis zu einer Dreiviertelstunde dauern. Bei StadlerRail geht das offenbar rascher und problemloser, weil dort das Betriebssystem der Züge auf Linux basiert. So hat es mir jedenfalls ein Lokfüher erklärt.

    • Berner Bär am 19.06.2018 09:22 Report Diesen Beitrag melden

      Die Stadlerwerbung...

      Der Werbefachmann für StadlerRail darf natürlich nicht fehlen! Hauptsache auf die Konkurrenz der Bussnanger einprügeln. Dumm nur, dass wenn sie im Zug sitzen und dieser wegen einer Störung neu eingestellt werden muss, es ihnen vermutlich absolut egal ist, ob sie nun 30 oder 45 Minuten warten müssen, wenn sie den Anschlusszug oder den Anschlussbus verpassen. Ich sass übrigens vor rund 10 Tagen in einem Zug ihres Lieblingshersteller, als dieser auf offener Strecke den Geist aufgab und eine Schnellbremsung einleitete.

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