Strafgericht BS

06. Dezember 2017 05:45; Akt: 06.12.2017 05:45 Print

«Sie wollten, was Sie sich nicht leisten konnten»

Ein 27-jähriger Schweizer fischte Bankunterlagen aus fremden Briefkästen und erschlich sich so Travel-Cash-Karten, mit denen er die ahnungslosen Opfer um zehntausende Franken erleichterte.

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Der Betrüger finanzierte sich mit seinen Taten ein Leben weit über seinen Verhältnissen. (Bild: 20 Minuten)

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Die Anklageschrift gegen den 27-jährigen Mann aus der Region Basel ist lang. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, zwischen Februar 2014 und Juni 2015, unter anderem durch gewerbsmässigen Diebstahl und Betrug, rund 64'000 Franken ergaunert zu haben. Am Dienstag wurde er in den zentralen Anklagepunkten schuldig gesprochen und zu 34 Monaten teilbedingter Haftstrafe verurteilt.

Die Hälfte des Betrags soll er sich mit Travel-Cash-Karten angeeignet haben. Dazu habe er gezielt Post abgefangen, um an die Bank- und Personendaten seiner Opfer zu gelangen. Mit diesen habe er dann bei Banken die Kreditkarten bestellt und sie zulasten der unwissenden Personen geladen und die Beträge dann abgehoben. Dabei habe er leichtes Spiel gehabt: «Beim Bestellen von Swiss Bankers Travel-Cash-Karten werden von den Kundencentern relativ wenige Sicherheitsfragen gestellt», heisst es in der Anklage.

Professionelles Vorgehen

«Er ging professionell vor», sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Der Täter soll durch seine Erfolge zu weiteren Delikten motiviert worden sein und habe immer mehr Zeit investiert. «Nur durch die Verhaftung konnte er von weiteren Straftaten abgehalten werden», hielt die Staatsanwaltschaft in der Anklage fest.

Neben den illegalen Geldbezügen von Bancomaten soll es dem Täter auch gelungen sein, mit gestohlenen Identitätskarten Geld am Bankschalter abzuheben. Zu diesem Zweck sei er mit Schal, Sonnenbrille und Kopfbedeckung vermummt vor die Bankangestellten getreten, damit «eine genaue Identifizierung nicht möglich» war.

Vorbestraft, geständig und reuig

Der 27-Jährige soll sein Einkommen zunächst damit aufgebessert haben, dass er unter falschem Namen Handys verkauft habe, die er nie zu liefern beabsichtig habe. Diese Delikte fallen ebenfalls in die genannte Zeitspanne. Die Staatsanwaltschaft beantragte für den mehrfach einschlägig Vorbestraften eine unbedingte Freiheitsstrafe über vier Jahre und zwei Monate.

Der Mann selbst zeigte Reue und betonte wiederholt, dass es ihm sehr Leid tue, was er getan habe. Er bat das Gericht, von einer Haftstrafe abzusehen, um den noch ausstehenden Zivilforderungen gegen ihn nachzukommen. Der Verteidiger beantragte eine zweijährige Freiheitsstrafe, die bedingt auszusprechen sei. Der Angeklagte habe einen grossen Teil der Taten gestanden. Zudem habe er sich vor zweieinhalb Jahren von der schiefen Bahn abgewandt. Inzwischen fungiere er als Geschäftsführer des ehemaligen Geschäfts seiner Mutter und habe ein stabiles Umfeld.

Wenig mildernde Umstände

«Sie wollten sich ein Leben finanzieren, dass Sie sich nicht leisten konnten», sagte der vorsitzende Richter bei der Urteilsverkündung. Die Reue und die Bemühungen des Täters hielten sich die Waage mit den einschlägigen Vorverurteilungen und nur zögerlichen Geständnissen. «Natürlich waren Sie geständig, nachdem vieles nachgewiesen war», hiess es. Eine Notlage sah das Gericht ebenfalls nicht als gegeben: «Es gab keinen Zwang von aussen, delinquent zu werden.»

Das Gericht verhängte eine 34-monatige, teilbedingte Haftstrafe; davon muss der Angeklagte 10 Monate absitzen. Zudem muss er die Verfahrenskosten von knapp 19'000 Franken sowie die Urteilskosten von 5000 Franken tragen. Weiter wurde ihm eine Busse von 1000 Franken für die Verletzung des Schriftgeheimnisses auferlegt. Das Gericht entschloss sich für eine leichtere Strafe als von der Staatsanwaltschaft gefordert, weil es überzeugt sei, der Angeklagte sei nun auf einem guten Weg.

(las)