Basel

16. Mai 2018 05:50; Akt: 16.05.2018 05:50 Print

Gewerbler gehen gegen Regierung auf die Strasse

Gewerbetreibende des Lysbüchelareals protestieren am Mittwoch vor dem Rathaus gegen die Pläne der Regierung und SBB: Diese wollen das letzte grosse Gewerbeareal der Stadt umkrempeln.

Jean-Marc Wallach fürchtet um die Zukunft seines Betriebs. (Video: daf)
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Es muss einiges passieren, bis Gewerbetreibende für eine Sache auf die Strasse gehen. Doch für Mittwoch um 8 Uhr hat die IG Lysbüchel nun zur Demo vor dem Rathaus gerufen. Der Grosse Rat berät dann den Ratschlag VoltaNord. Und für das Gewerbe auf dem Lysbüchelareal sind die dort geplanten Änderungen von Zone, Bebauung, Wohnanteilen und Lärmempfindlichkeitstufe existenziell – für die Betriebe dort geht es um Sein oder Nichtsein.

«Wohnen und Gewerbe vertragen sich heute nicht mehr», sagt Jean-Marc Wallach, GL-Mitglied der Schmoll AG. Sein Recyclingbetrieb ist laut. Das wäre früher kein Problem gewesen, als in Hinterhöfen noch gehämmert, gesägt und geschweisst wurde. Heute haben Wohnzonen aber vor allem ruhig zu sein. Wegen des gesteigerten Ruhebedürfnisses der Bewohner musste etwa die Stadtreinigung bereits seine Strassenwischfahrzeuge elektrifizieren.

Gewerbeverband und FDP drohen mit Referendum

Heute wirtschaften rund 30 Unternehmen auf dem Lysbüchelareal. Diese befürchten, dass sie ganz aus der Stadt verdrängt werden, wenn die Pläne der Regierung und der SBB – der rund zwei Drittel des Areals gehören – umgesetzt werden. «Wir stehen verlassen in der Landschaft», sagt Wallach, der als Sprecher der IG Lysbüchel auftritt.

Ganz verlassen steht der Unternehmer allerdings nicht in der Landschaft. Der Gewerbeverband kämpft seit Bekanntwerden der Pläne mit Vehemenz gegen die Umnutzung des 144'000 m2 grossen Areals. «Gemäss der jetzigen Planung würde mitten auf dem Areal Wohnraum entstehen. Damit würden Gewerbebetriebe auf dem Lysbüchel und drumherum verdrängt. Denn die Betriebe sitzen in der Regel am kürzeren Hebel als die Wohnbevölkerung», sagt Gabriel Barelle, Direktor des Gewerbeverbands.

Widerstand kommt auch von der FDP: Diese kündigte am Dienstag an, das Referendum zu ergreifen, sollte der Ratschlag VoltaNord angenommen werden.

Stadt benötigt Wohnraum und Arbeitsplätze

Die SBB verspricht bereits heute auf dem Lysbüchelareal «Urbanität pur», wie sie auf einer Projekt-Webseite schreibt. Bezahlbarer Wohnraum für bis zu 2000 Menschen und bis zu 3500 Arbeitsplätze sollen hier entstehen. Es wird ein Nebeneinander von Handwerk, Schwerverkehr, Büros und Wohnen propagiert, das durch eine klare Trennung von ruhigen und lärmintensiven Gebieten erreicht werde.

«Wohnen und Gewerbe vertragen sich nicht mehr»

Die vorberatende Bau- und Raumplanungskommission (BRK) begrüsst den Ratschlag VoltaNord. Nicht zuletzt, weil die Schaffung von neuen Wohnraum einem übergeordneten Bedürfnis der Stadt entspricht. «Bis 2035 wird die Bevölkerung im Kanton auf geschätzte 213'000 Personen anwachsen», heisst es im Bericht der BRK. Im gleichen Zeitraum würden auch bis zu 20'000 neue Arbeitsplätze geschaffen.

Prototyp für Stadtentwicklung

«Zusätzlicher Wohn- und Gewerberaum kann nur noch in bisher unternutzten Industrie-, Gewerbe- und Bahnarealen geschaffen werden», hält die Kommission fest. Von sechs Transformationsgebieten, die in Basel identifiziert wurden, sei das Areal «VoltaNord» am weitesten fortgeschritten und wird von der BRK daher als Prototyp betrachtet.

Für den neuen Stadtentwickler Lukas Ott ist VoltaNord die Feuertaufe. Es ist das erste grosse Projekt unter seiner Ägide und zugleich wegweisend für die Zukunft.

(lha/daf)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dominik W. am 16.05.2018 09:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lärm

    Ist zwar wohl nicht realistisch aber... Leute die dorthin ziehen müssten einen Vertrag unterzeichnen, sich über den Lärm im Klaren zu sein und somit Lärmklagen nichtig wären. Sowas wäre meiner Meinung nach grundsätzlich für "Hotspot"-nahe Einwohner nötig...

  • Lysbüchel am 16.05.2018 07:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pro

    Ich hoffe das Lysbüchelareal kann bleiben wie es ist.

  • Typhoeus am 16.05.2018 06:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine lebendige Stadt braucht beides

    Wohnraum und Gewerbe aber kein Industrieareal.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Dominik W. am 16.05.2018 09:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lärm

    Ist zwar wohl nicht realistisch aber... Leute die dorthin ziehen müssten einen Vertrag unterzeichnen, sich über den Lärm im Klaren zu sein und somit Lärmklagen nichtig wären. Sowas wäre meiner Meinung nach grundsätzlich für "Hotspot"-nahe Einwohner nötig...

  • Lysbüchel am 16.05.2018 07:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pro

    Ich hoffe das Lysbüchelareal kann bleiben wie es ist.

  • Typhoeus am 16.05.2018 06:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eine lebendige Stadt braucht beides

    Wohnraum und Gewerbe aber kein Industrieareal.