Schuldenfalle Fiskus

13. Mai 2015 05:55; Akt: 13.05.2015 05:55 Print

Über 13'000 Basler können Steuern nicht bezahlen

2014 betrieben die Behörden über 13'000 Basler. Würden Arbeitnehmer per Direktabzug vom Lohn besteuert, könnte die Zahl halbiert werden, glaubt Rudolf Rechsteiner (SP).

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Für viele Basler endet die Steuerperiode mit einem Stempel vom Betreibungsamt. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Am 31. Mai ist in Basel für rund 120'000 Personen die Steuerrechnung fällig. Mehr als jeder zehnte wird nicht in der Lage sein, die Schuld zu begleichen. Vergangenes Jahr erhielten 13'119 Basler von der kantonalen Steuerverwaltung eine Betreibung. Das sind zwar leicht weniger als im Vorjahr, die Zahl ist aber mit Vorsicht zu geniessen, denn sie variiert abhängig vom Erhebungszeitpunkt. Die Basler Schuldenberatungsstelle Plusminus erhielt von der Steuerverwaltung Daten, die rund 3000 Betreibungen mehr ausweisen.

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Unabhängig davon gilt: Die Steuerrechnung ist nach wie vor die grösste Schuldenfalle. Bei insgesamt 70'355 Betreibungsbegehren, die vergangenes Jahr erfasst wurden, ist sie der häufigste Grund. «Das Inkassosystem bei den Steuern ist verschuldungsfreundlich», sagt Agnes Würsch, Präventionsverantwortliche bei der Schuldenberatungsstelle Plusminus. Sprich: Wenn die Rechnung kommt, ist das Geld schon längst ausgegeben.

«System kennt nur Verlierer»

Eine Motion von Grossrat Rudolf Rechsteiner (SP) fordert nun vom Regierungsrat, innert drei Jahren die nötigen gesetzlichen Anpassungen vorzunehmen, damit ein automatisierter freiwilliger Steuerabzug für Angestellte kantonsweit eingeführt wird. «Obwohl das Existenzminimum steuerbefreit ist, ist die Zahl der Steuerbetreibungen erschreckend hoch», sagt er. Zudem führten diese zu erheblichem Leerlauf in der Verwaltung: «Das heutige System produziert Verlierer auf allen Seiten.»

Das monierte auch die Geschäftsprüfungskommission des Grossen Rats in ihrem jüngsten Bericht und schlägt die selbe Lösung vor wie Rechsteiner. Dieser hofft nun, dass damit parteiübergreifend das Bewusstsein für das Problem geschärft wird und seine Motion eine Mehrheit im Rat findet. Traktandiert wird diese voraussichtlich im Juni. «Ich bin überzeugt, dass die Zahl der Steuerbetreibungen mit dem freiwilligen automatisierten Lohnabzug mindestens halbiert werden könnte.»

Kanton kennt Steuerabzug vom Lohn

Die kantonale Verwaltung und die Christoph-Merian-Stiftung kennen für ihre Mitarbeitenden bereits den automatisierten, freiwilligen Steuerabzug vom Lohn. Mindestens ein Drittel der Angestellten macht davon Gebrauch. Auch Plusminus fordert schon länger, dass auch private Arbeitgeber dieses Modell einführen.

Bisher ist das nur für Quellenbesteuerte vorgesehen. Das sind in Basel-Stadt knapp über 60'000 Personen mit ausländischem Pass, die keine ständige Aufenthaltsbewilligung haben und weniger als 120'000 Franken verdienen.

(lha)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • It's me, Mario am 13.05.2015 06:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hauptsache der Staat...

    ... hat sein Geld damit es die Linken mit beiden Händen rauswerfen können. Die ganze Wirtschaft passt sich agil der Marktsituation an, verlängert Arbeitszeiten, kürzt Löhne, entlässt Leute. Beim Staat aber läuft alles weiter wie bisher. Wenns da mal an Geld fehlt überlegt man sich solche Massnahmen oder erhöht die Steuern statt die überfüllten Amtsstuben auszuräumen. Staatsangestellte verdienen mehr als Banker und haben teils garantierte Lohnerhöhungen und das auf unsere Kosten!

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  • Robi am 13.05.2015 06:08 Report Diesen Beitrag melden

    Steuern

    Kein wunder bei so hohen Steuern auch die mietkosten sind nicht ohne. Ich meine wie witzlos ist das? Nach dem Steuerrechner muss ich z.B. bei einem Bruttoeinkommen von 6000Fr. x12 einen Steuerbetrag von 9000Fr. begleichen. Wo bleibt da der sinn? Für mich ist das reine abzocke.

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  • Ex Basler am 13.05.2015 07:00 Report Diesen Beitrag melden

    Sagen wir mal so

    Ich habe Jahrzente in Basel gelebt und dort auch Steuern bezahlt. Die vermiesen sich das selbst. So hohe Steuern vor allem für Familien, dass kein Spielraum mehr bleibt. Basel muss eh mal überdenken. So viel Chemien und trotzdem so extrem hohe Steuern. Zahelen die überhaupt was? Steuerabzug vom Lohn machen, wie wir das mal in den anfang 90er bereits Diskutiert haben. Das ist wirklich der beste weg. Vielleicht auch die KK Prämie. Dann ist Netto...Netto..und gehört dir und man muss sich keine Gedanken machen wie bezahle ich das.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Aileen Aventura am 14.05.2015 08:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ist der Staat ein Vorbild?

    Der Staat ist auch ein guter Vorbild. Macht auch mega Schulden in Milliarden höhe und niemand sagt etwas. Und wenn der Bürger die Steuer nicht sofort bezahlt wird ...... Gibts Betreibungen. Mhm .... Interessant nicht?

    • pluto am 14.05.2015 14:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      nicht ganz richtig

      Wenn der Staat seine Schulden nicht bezahlt wird auch er betrieben. Nur so informativ.

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  • Tomi am 13.05.2015 22:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine mehrfache Besteuerung mehr

    Ich hätte gerne einen Verfassungsartikel, der mehrfache Besteuerung des gleichen Franken verhindert. Egal welche Situation. Da wäre da transparent und dann auch politisch entschieden werden, was fair ist.

  • kurt am 13.05.2015 20:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schlechte planung

    dss die leute dss nicht lernen, einfach 10-15% des lohn grad auf ein konto, dass ist doch nicht so schwer und ende jahr fehlt es nicht

    • pascal r. am 14.05.2015 08:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      geht nicht

      tja Kurt wenns nicht reicht dan reichts nicht. Ich musste gerade eine Bestattung bezahlen und vor paar Wochen ging das Auto kaputt .. alles Dinge die auf einmal kommen. Manchmal habe ich das Gefühl das ich ersticke von all diesen Rechnungen.

    • Ich am 14.05.2015 15:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Hm...

      @pascal r Das FZG geht nicht monatlich kaputt und es stirbt auch nicht monatlich ein Verwandter. Solche Kosten sind eher selten. Ich bezahle die Steuern auch monatlich. CHF 700.00 im Monat. Jetzt wo ich verheiratet bin zahlen wir noch mehr Steuern als vorher!! Trotzdem bringe ich noch etwas auf die Seite und wenn alles gut geht kann ich den 13. Monatslohn auf die Seite legen. Ich kaufe mir halt nicht immer das neueste Handy, teures Auto oder immer neue Klamotten. Und mein Verdienst ist auch nicht riesig. Ich musste schon früh lernen mit Geld umzugehen!!!

    • kurt am 14.05.2015 21:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @pasqal

      dan lebste über deinen verhältnissen. wenn es nicht reicht ist keine ausrede, du weisst ja dss du das dann bezahlen musst. evtl auto verkaufen

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  • alfmir am 13.05.2015 18:28 Report Diesen Beitrag melden

    ..Massnahme schon lange überfällig..

    Die Möglichkeit mit dem direkten Abzug der Steuern vom Lohn ist schon lange überfällig! Eine der Massnahmen, um die aufgeblähte Verwaltung gehörig abzuspecken!!

    • meier am 13.05.2015 20:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      sicher nicht

      nur weil das ein paar nicht hinkriegen müssen doch nicht alle leider. früher konnte man die steuer im voraus zahlen und hatte einen schönen zins, heute leg ich es an und habe auch noch was davon

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  • D.N. am 13.05.2015 17:45 Report Diesen Beitrag melden

    Mal überprüfen.

    Ja die haben sicher auch bezahlt! Vielleicht direkt in Spenden für das Asylwesen, wo es ja schlussendlich auch hinkommt.