Tresoräuber-Prozess

29. Januar 2014 18:22; Akt: 29.01.2014 19:18 Print

«Ich war sauer auf meinen Arbeitgeber»

von Lukas Hausendorf - Im Prozess im Fall Käfer sollen der Anklage Formfehler unterlaufen sein. Das Urteil des Basler Strafgerichts folgt heute.

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Der Komplize des Mannes, der sich am 1. August des letzten Jahres auf der Flucht mit einer Polizeiwaffe selbst tötete, steht seit gestern vor Gericht. Dem 30-jährigen Deutschen Tim L.* wird vorgeworfen mit dem verstorbenen Carl F.* einen Bankraub in Riehen verübt zu haben und Inventar sowie einen Tresor seines ehemaligen Arbeitgebers – dem Messe-Caterer Käfer – gestohlen zu haben. Die Delikte seien bandenmässig mit hohem Mass an krimineller Energie und aus egoistischen Motiven erfolgt, so Staatsanwalt Sasha Stauffer. Für den mehrfachen bandenmässigen Diebstahl und qualifizierten Raub forderte er eine Haftstrafe von vier Jahren und neun Monaten.

Angeklagter bestreitet Vorwürfe

Der Angeklagte bestritt die Vorwürfe weitgehend. Er habe seinen Mitbewohner und Arbeitskollegen vom Bankraub abhalten wollen. «Ich bin da unglücklich hinein geschlittert», sagt er. Tatsächlich hatte er eine sehr passive Rolle während des Überfalls. Zwar war er anwesend, griff aber in keiner Weise ins Geschehen ein. Das versuchte ihm Staatsanwalt Stauffer als Gehilfenschaft anzuhängen. Er sei quasi die Rückversicherung von F. gewesen, wenn etwas schief gehen sollte. L. hinterliess nach der Tat aber seine Visitenkarte und stellte sich als Auskunftsperson der Kriminalpolizei zur Verfügung. Auch die Aussage des Filialleiters entlastet ihn.

Den Tresordiebstahl gab er allerdings zu. Das sei aber eine Kurzschlusshandlung gewesen: «Ich war sauer auf meinen Arbeitgeber, weil ich mich ausgenutzt fühlte.» Die Käfer AG habe ihm Überstunden nicht ausbezahlt und sich nicht an mündliche Vereinbarungen gehalten, so die Vorwürfe. So sei der Diebstahl des Tresors, von dem L. zum Tatzeitpunkt nicht wusste, dass er eine Viertelmillion Franken enthielt, als Denkzettel gedacht gewesen. Den 320 Kilo schweren Tresor haben er und sein Komplize aber nicht öffnen können, bevor ihnen die Polizei auf die Schliche kam.

Anklage sollen Formfehler unterlaufen sein

Sein Verteidiger Alain Joset machte überdies eine Reihe von Formfehlern der Anklage geltend. So sei sein Teilnahmerecht an mehreren Einvernahmen mit Zeugen nicht gewährt worden – deren Aussagen seien darum nicht verwertbar. Dem Angeklagten könne daher nur der Tresordiebstahl und Hehlerei angelastet werden. Von den übrigen Tatbeständen sei L. freizusprechen. Heute folgt das Urteil.