Historisches Museum Basel

19. September 2017 19:39; Akt: 19.09.2017 19:42 Print

Der Rhein gibt einige seiner Geheimnisse preis

Schmuck, Waffen, historische Zeitzeugnisse oder Abfall – im Rhein findet sich alles Mögliche. Das Historische Museum Basel zeigt nun die spektakulärsten Funde und ihre Geschichte.

Ausstellung zeigt Hunderte Objekte aus den Tiefen des Rheins. (Video: daf)
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«Aus den Augen, aus dem Sinn»: Getreu diesem Sprichwort wird so manches ins Wasser geworfen. Das Historische Museum Basel stellt nun zahlreiche Fundstücke aus dem Rhein in geschichtliche Zusammenhänge. Die am Dienstag präsentierte Sonderausstellung «Aufgetaucht – Basels geheimnisvolle Wasserfunde» umspannt 50 Millionen Jahre.

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Das älteste Exponat der Ausstellung ist eine versteinerte Palme. Auch ein Ritterhelm und -dolch sind historische Fundstücke. Die jüngsten Gegenstände wie Sonnenbrillen oder Velos waren erst vor ein paar Tagen an einer Rheinputzete von Tauchern und Fischern aus dem «Bach» gezogen worden.

Was auf den ersten Blick nach Zufalls-Sammelsurium klingt, hat im Museum System. In der Eingangshalle dokumentieren algenbehangene neue Fundstücke Verluste und Wegwerfmentalität, während im Untergeschoss raumgreifend Geschichten aus diversen Perspektiven nacherzählt werden.

Mammutzähne und Dentalprothesen

Die versteinerte Palme etwa erinnert daran, dass das enge Rheinknie erst rund 4000 Jahre ein solches ist; davor floss der Rhein in weiterem Bogen nach Norden. Entsprechend tauchen laut Kuratorin Pia Kamber Rheingrund-Trouvaillen heute teils in Wohnquartieren weitab vom Bach bei Bauvorhaben und Aushubarbeiten auf.

Auch unterhaltsame Kontraste sind bis am 3. März zu sehen: Ein Mammut-Zahn gehört ebenso zu den Fundstücken wie eine jüngere Dentalprothese. Korrodierte Revolver und Pistolen sollte der Rhein zum Verschwinden bringen, etwa eine Neun-Millimeter-Pistole der Marke CZ (Bild). Jahrtausendealte Schwerter hingegen so wertvoll, dass sie wohl mit abergläubischem Hintergrund geopfert wurden. Waffen sind sowieso ein beliebter Entsorgungsgegenstand, was man nicht unbedingt erwarten würde: «In den Flüssen Europas werden überproportional viele Waffen gefunden», so Kamber. Der Rhein ist diesbezüglich also keine Ausnahme.

Ganze Kriminalfälle hat der Bach wieder herausgerückt, wenn Taucher fündig wurden: Von einem schlagzeilenträchtigen Einbruch von 1960 sind Tresorteile und Schweissgeräte samt einem erklärenden Video zu sehen.

Auch die Umwelt ist Thema

Thematisiert werden aber auch ökologische Fragen, etwa die Veränderung der Fischfauna wegen des Umgangs der Leute mit dem Rhein oder jüngere Gefahren wie mikroskopische Plastikfetzen. Ein Vortrag zu letzterem ist Teil des breiten Rahmenprogramms der Ausstellung.

Offen bleibt mancherlei Herkunft, etwa jene eines A4-grossen Hitler-Portrait-Reliefs, das unterhalb der Mittleren Brücke aus der Strömung gefischt wurde. Gegenstände aus der heutigen Zeit haben da ihre Vorteile: «Da ein geborgener USB-Stick wasserdicht war, konnten wir auf die Dateien zugreifen und so den Besitzer ausfindig machen», erklärt Kamber. Weniger überraschende Fundstücke sind demgegenüber Flaschen, Handies, Uhren oder Fischereiutensilien.

Persönliche Geschichten

In einem Raum der Ausstellung lässt sich aus erster Hand nachlesen, warum heute lebende Personen bestimmte Objekte bewusst und gezielt in den Bach geworfen haben – zum Beispiel den Ehering nach einer Trennung. Der Raum wird beschallt mit echten Tonaufnahmen aus dem Rhein.

Entsorgung als Motiv ist allerdings verbürgte Hauptursache für den Rhein als «eine Art Stadtarchiv», wie es Kamber nannte. Wurden Fliessgewässer doch jahrhundertelang wie später die Kanalisation zur Abfallentsorgung genutzt. Echte archäologische Unterwassergrabungen habe es im Basler Rhein bisher keine gegeben.

(daf/sda)