Strafgericht BS

05. Juli 2017 17:58; Akt: 05.07.2017 17:58 Print

Vogelfeder-Dieb muss dank Familie nicht in Haft

Er muss zwar nicht ins Gefängnis, doch das Strafgericht hat dem Federdieb einen happigen Denkzettel erteilt: Es verurteilte den Mann zu drei Jahren teilbedingter Freiheitsstrafe verurteilt.

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Der Vogelfederdieb (44>), der während zehn Jahren in mehreren Museen in der Schweiz, Deutschland und Österreich insgesamt 17'250 Federn von seltener Greifvögeln und Eulen gestohlen hat, wurde am Mittwoch vom Basler Strafgericht zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt. Ein Mittäter, dessen Diebstähle bereits verjährt waren, erhielt wegen Hehlerei mit den gestohlenen Federn eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten.

Der Angeklagte habe mit seinen Taten Schaden an der Öffentlichkeit verursacht. «Es ist der öffentliche Auftrag von Museen, Kulturgüter und Sammlungen einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen», so Gerichtspräsidentin Felicitas Lenzinger. «Die Museen gingen zurecht davon aus, dass die Besucher sorgfältig damit umgehen und auch nichts stehlen. Leichtsinn kann man ihnen nicht vorwerfen.» Der Verteidiger des diebischen Sammlers hatte in seinem Plädoyer den Museen vorgeworfen, seinen Mandanten mit fehlenden Sicherheitsvorkehrungen in Versuchung geführt zu haben.

Gericht wollte Familie nicht bestrafen

Mit der dreijährigen Freiheitsstrafe, die teilbedingt vollzogen werden kann, kommt der 44-jährige Dieb mit einem blauen Auge davon. Das eine Jahr, das er unbedingt verbüssen muss, kann er dank elektronisch überwachtem Strafvollzug quasi in Freiheit absitzen. Das Gericht wollte damit verhindern, dass seine Familie zum Sozialfall wird, weil sie auf sein Einkommen angewiesen ist. Man habe dieser Situation Rechnung getragen, so Lenzinger. «Vier Jahre wie von der Staatsanwaltschaft beantragt wären nicht jenseits von Gut und Böse gewesen», betonte sie.

Erhebliche finanzielle Folgen

Lenzinger würdigte die Kooperation des Verurteilten im Strafverfahren und lobte seine ehrliche Wiedergutmachungsabsicht – wenngleich er diese materiell nicht wird erfüllen können. Rund 25'000 Franken Schadenersatz zuzüglich der Verfahrens- und Urteilskosten in derselben Höhe soll er aber leisten müssen. Der von den geschädigten Museen geltend gemachte Schaden von fast sechs Millionen Franken verwies das Gericht auf den Zivilweg. Für den Familienvater ist die Geschichte also noch nicht ausgestanden.


Basil Thüring, Direktor a.i. des Naturhistorischen Museums Basel, äussert sich zu den Diebstählen.

(lha)