Plakate an Pfosten

02. Juli 2012 19:01; Akt: 03.07.2012 10:35 Print

Basler Maler als Pädophiler angeprangert

Unbekannte haben in Basel Fotos eines Mannes aufgehängt, der pädophil sein soll. Der Betroffene spricht von «Rufmord» und kann sich die Anschuldigungen nicht erklären.

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Unerwünschte Werbung findet immer wieder den Weg in den Briefkasten von Leser-Reporterin Susanne*. Doch was sie am letzten Freitagmorgen vorfand, sprengte den bisherigen Rahmen: Auf einem billig gemachten Flugblatt prangte das Bild eines korpulenten Mannes, darüber der Titel «Warnung vor Pädophilien & Frauenbelästiger» (sic!). Weitere Fotos folgten auf zwei zusätzlichen Seiten.

Doch damit nicht genug: Auf dem Weg zur Arbeit begegnete Susanne dem Flyer gleich mehrfach. Am Laternenpfahl, auf der Mülltonne, an der Bushaltestelle – die Basler Quartiere Breite und Lehenmatt waren übersät mit den «Warnblättern». «Ich hatte eigentlich gedacht, dass diese Art der Selbstjustiz der Vergangenheit angehört», so die 31-jährige Anwohnerin.

Der abgebildete Mann ist der 56-jährige Maler Walter H.*. «Mich traf fast der Schlag, als ich am Freitagabend nach Hause kehrte und an mehreren Orten diese Flyer sah», sagt er. H. eilte durchs Quartier und entfernte alle eigenhändig. Am nächsten Nachmittag hingen sie wieder, teilweise an der gleichen Stelle. H. ging zur Polizei und erstattete laut eigener Aussage Strafanzeige gegen Unbekannt. Die Basler Staatsanwaltschaft will dies auf Anfrage weder bestätigen noch dementieren. Die Polizei ihrerseits kann keine Auskunft geben, Sprecher Klaus Mannhart sagt aber, dass «so ein Fall nicht alle Tage vorkommt».

«Sitze mit allen an den Tisch»

Die eine grosse Frage lässt H. auch drei Tage nach dem Auffinden der ersten Plakate nicht los: «Wer tut mir so etwas an? Ich kann mir das nicht erklären», sagt er. Er habe keine Ahnung, wie die massiven Anschuldigungen entstanden seien. «Ich bin ein offener Typ und sitze im Restaurant mit jedem an den Tisch, egal ob jung oder alt. Aber deshalb bin ich doch kein Pädophiler», sagt der Mann, der seit zig Jahren verheiratet ist.

H. sagt, dass er mit Frauen gut auskomme. Irgendjemand sei deshalb wohl eifersüchtig und habe diese «rufmörderische Kampagne» losgetreten. Auch seine Bekannten verstehen nicht, weshalb gerade er angeprangert wird. Nun will der Maler alles daran setzen, die Urheberschaft zu klären: «Ob die Polizei ihn findet oder ob er sich meldet, ist mir egal. Ich will einfach wissen, wer dahintersteckt.»

*Namen der Redaktion bekannt

(fum/ahp/cs)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Dafür haben wir in der Schweiz einen Rechtsstaat. Natürlich kommen manchmal auch Schuldige freigesprochen. (Im Zweifel für den Angeklagten) Für ein Opfer ist das bestimmt schwer zu ertragen. Anderseits, stellt euch vor ein Unschuldiger wird verurteilt! Es darf nicht sein, dass man Menschen an den Pranger stellt. – Chris

Ich finde es auch nicht ok, auf diese Art jemanden anzuprangern und wahrscheinlich ist an den Vorwürfen nichts dran. Leider ist es aber extrem schwierig nachzuweisen wenn man belästigt oder vergewaltigt wurde. Wenn kein Sperma gefunden wird hat man als Opfer keine Chance! Kein Gericht spricht eine Strafe gegen jemanden aus, wenn Aussage gegen Aussage steht. Wenn Kinder betroffen sind, ist das ganze oftmals noch viel komplizierter. So kommen leider auch sehr viele Straftäter ungeschoren davon, was ich genau so schlimm finde! – m. haller

Ausserdem muss eine an pädophilie erkrankte Person nicht automatisch ein_e Kinderschänder_in sein. Ganz gleich, was für sexuelle Phantasien eine Person hat, es ist nicht zwingendermassen so, dass diese auch praktisch ausgeführt werden. Viele Leute haben Vergewaltigungsphantasien und spielen diese auch in Rollenspielen nach, deswegen werden diese Leute noch lange nicht zu Vergewaltier_innen. Bitte nicht vorverurteilen, das führt nur zu Lynchjustitz und somit zurück in die Barbarei. – Eris D.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nora T. am 02.07.2012 23:53 Report Diesen Beitrag melden

    Krank

    Da sieht man mal wieder wie einfach es ist, ein Leben zu zerstören. Ob wahr oder nicht, so ein "Ruf" hat man dann sein leben lang. Himmeltraurige Geselschaft.

  • remo am 03.07.2012 10:18 Report Diesen Beitrag melden

    rufmord ? weis ja nicht ?

    alle schreien rufmord.......und wen es keiner ist.....? manchmal muss etwas auf eine andere art ans licht gebracht werden als normal,weil nicht anders geht...mal schau'n wie's weiter geht......

    einklappen einklappen
  • Daniel Meyer am 03.07.2012 08:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Strafregisterauszug publizieren

    Solche Sachen sind unangenehm - aber trotzdem einigermassen bereinbar. Für ca. 30 Franken Strafregisterauszug einverlangen und im Sinne einer Gegendarstellung ebenfalls überall aufhängen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Chris am 06.07.2012 13:45 Report Diesen Beitrag melden

    Rufmord oder Wahrheit?

    Dafür haben wir in der Schweiz einen Rechtsstaat. Natürlich kommen manchmal auch Schuldige freigesprochen. (Im Zweifel für den Angeklagten) Für ein Opfer ist das bestimmt schwer zu ertragen. Anderseits, stellt euch vor ein Unschuldiger wird verurteilt! Es darf nicht sein, dass man Menschen an den Pranger stellt.

  • remo am 03.07.2012 10:18 Report Diesen Beitrag melden

    rufmord ? weis ja nicht ?

    alle schreien rufmord.......und wen es keiner ist.....? manchmal muss etwas auf eine andere art ans licht gebracht werden als normal,weil nicht anders geht...mal schau'n wie's weiter geht......

    • Martin am 03.07.2012 12:46 Report Diesen Beitrag melden

      selbstjustiz

      deine Meinung hast du auch nur solange du nicht das Opfer bist...

    einklappen einklappen
  • Hans Hugentobler am 03.07.2012 09:42 Report Diesen Beitrag melden

    Täter bestrafen

    Der Mann würde kaum an die Oeffentlichkeit gehen, wenn er sich etwas vorzuwerfen hätte. Hoffentlich werden die Täter gefasst und bekommen eine saftige Busse. Knast liegt für sowas leider nicht drin.

  • Beat Hofstettler am 03.07.2012 09:20 Report Diesen Beitrag melden

    fehlgeleitet

    ein pädophiler kann nicht gleichzeitig ein frauenbelästiger sein, da hätte sich der plakatautor besser informieren müssen.

  • me787878 am 03.07.2012 09:10 Report Diesen Beitrag melden

    strange

    Komisch, normalerweise ist er oder sie entweder frauenbelästiger oder phädophiler und nicht beides...